Zu Besuch bei den Pionieren der Digitalisierung

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 Die JU-Mitglieder vor der Schlammschuhwanderung in der Moorlandschaft .
Die JU-Mitglieder vor der Schlammschuhwanderung in der Moorlandschaft . (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Die Junge Union Laupheim reiste in den Nordosten der Europäischen Union, um im Rahmen der Bildungsreise kulturelle, ökonomische wie gesellschaftspolitische Einblicke zu erhalten. Hauptziel der fünftägigen Reise war die estnische Hauptstadt Tallinn, die das wirtschaftliche wie kulturelle Zentrum des Landes darstellt.

Im Vordergrund standen insbesondere die Digitalisierung und das E-Government, in dem Estland als Pionier weltweit gesehen werden kann. Um die über 600 E-Government-Dienste ausländischen Besuchern erklären zu können, errichtete die estnische Regierung den „e-Estonia-Showroom“, der die vielfältigen Möglichkeiten der Digitalisierung für politisch-gesellschaftliche Funktionen aufzeigt.

Ehemals sowjetisch

Das ehemals sowjetische Estland errichtete eine höchst effiziente digitale Infrastruktur, die es ermöglicht, sämtliche Wege zu Verwaltungen für die Bevölkerung überflüssig zu machen. Um das zu verdeutlichen, muss gesagt werden, dass das Amt nur noch aus drei Gründen betreten werden muss: Heirat, Scheidung oder dem Hauskauf. Hierbei sparen die Esten nach eigenen Angaben jährlich 800 Jahre Arbeitsstunden in den Verwaltungseinrichtungen.

Die Digitalisierung beschränkt sich somit nicht auf schnelles und flächendeckendes Internet oder eine Digitalisierung in den Schulen, sondern unterstützt das Leben der estnischen Bevölkerung durchgängig online. Die Folge: Effizientes Zeit- und Informationsmanagement wie Ressourcenschonung par excellence. Durch ein eigens erstelltes Datenverarbeitungssystem namens „X-Road-System“ seien die Daten sicher und vor unbefugten Zugriffen Dritter absolut geschützt. Die vielen digitalen Angebote resultierten aus einer breiten Akzeptanz der Bevölkerung für angebotene Systeme des E-Government, sodass die digitalen Möglichkeiten aus der estnischen Politik nicht mehr wegdenkbar sind.

Riesige Startup-Szene

Daran anknüpfend und aufbauend, entwickelte sich in Tallinn eine riesige Startup-Szene, die durch flexible Arbeitsbedingungen und moderne Zusammenarbeit sämtliche Giganten bereits hervorbrachte – Skype könne als Beginn des estnischen Erfolgs gesehen werden.

Zudem genoss die Junge Union auch das kulturelle Tallinn mit einer Stadtbesichtigung auf dem Rad und dem Besuch traditioneller estnischer Restaurants wie Kneipen. Durch eine Schlammschuhwanderung in der Moorlandschaft im Lahemaa National Park wurde die estnische Natur erkundet.

Ein weiteres Highlight der Reise war die Querung der Ostsee mit der Fähre ins 80 Kilometer entfernte Helsinki. Ein großer Teil der estnischen Bevölkerung nutzt die Nähe zu Finnland, um dort unter der Woche zu arbeiten, während die finnische Bevölkerung insbesondere fürs leibliche Wohl einen Kurztrip ins benachbarte Estland wagt.

Gemein haben beide Städte, dass sie den Fortschritt verinnerlicht haben und breite Einblicke in eine moderne partizipative wie nachhaltige Zukunft gaben.

Die Mitglieder der Jungen Union Laupheim waren nach den Reisen in den Vorjahren sehr begeistert vom Nordosten der EU. „Beeindruckend, wie weit uns dieses kleine Land im Bereich der Digitalisierung voraus ist! Die Bundesregierung muss sich daran ein Beispiel nehmen, Digitalisierung muss spürbar für die Bevölkerung umgesetzt werden, es reicht nicht, wenn es nur im Koalitionsvertrag steht“, so die JU Vorsitzende aus Laupheim Melissa Schneider.

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