„Wir sind eine kleine, weltoffene Stadt“

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Setzen ein Zeichen für Integration, Vielfalt und Zusammenhalt (v. l.): Franz Romer, Bilal Saffour, Michael Wissussek, Karin Mey
Setzen ein Zeichen für Integration, Vielfalt und Zusammenhalt (v. l.): Franz Romer, Bilal Saffour, Michael Wissussek, Karin Meyer-Barthold, Anja Reinalter, Antje Trosien, Robert Kreklau und Martin Gerster. (Foto: Milena Hänisch)
Schwäbische Zeitung
Milena Hänisch

Fast 100 Teilnehmer sind am Samstag zur Kundgebung „Laupheim setzt ein Zeichen – für Integration, Vielfalt und Zusammenhalt“ gekommen. Die Redner lobten, wie Laupheim sich der Flüchtlinge annimmt. Sie wandten sich gegen Intoleranz, Hetze und Hass. Moderator Robert Kreklau, Vorsitzender der SPD, freute sich denn auch über die vielen Teilnehmer, die auf dem Marktplatz „Position in und für Laupheim beziehen“.

Wenn Karin Meyer-Barthold, stellvertretende Bürgermeisterin, gefragt wird, warum sie so gern in Laupheim wohnt, antwortet sie: „In Laupheim herrscht eine besondere Atmosphäre. Es ist die Gemeinschaft, die uns auszeichnet.“ In ihrer Rede erinnert sie an den Zusammenhalt, der beim Hochwasser im vergangenen Jahr zu spüren gewesen sei. Sie schlägt den Bogen zum Heimatfest und den Neuankömmlingen in Laupheim. „Heimat ist für diese Menschen etwas, das sie verloren haben, etwas das nur in ihrer Erinnerung existiert“, sagt sie. Laupheim habe die besten Voraussetzungen für eine gelungene Integration dieser Neubürger, dank des Einsatzes vieler Ehrenamtlicher, Vereine, Musiker, Kirchengemeinden, Schulen und Kindergärten. „Wir sind eine kleine, aber weltoffene Stadt mit schwäbischem Herzen“, so Meyer-Barthold. „Wir sind der Beweis, dass Tradition und Heimatverbundenheit nicht mit völkischem oder rassistischem Gedankengut einhergehen.“

Der SPD- Bundestagsabgeordnete Martin Gerster betont: „Viele wollen die Axt anlegen an Demokratie, Grundgesetz und Gemeinwesen. Wir sagen nein dazu, wir wollen ein Zeichen setzen“. Er mahnt: „Wir dürfen nicht tatenlos zusehen bei Hetze und Hass. Im Grundgesetz steht ‚die Würde des Menschen ist unantastbar‘ und nicht ‚die Würde des deutschen Menschen ist unantastbar‘“. Gerster berichtet, er sei gefragt worden, ob Laupheimer Schulen jüdische Namen wie Friedrich Adler oder Kilian von Steiner tragen müssten. Er erinnert an die christlich-jüdische Vergangenheit der Stadt: „Ja, diese Schulen sollen jüdische Namen tragen. Das lassen wir uns nicht nehmen.“

Bilal Saffour, Flüchtling aus Syrien, lebt seit Ende 2014 in Laupheim. „Der Schlüssel zum Erfolg ist das Erlernen der Sprache“, weiß er und ergänzt. „Das war überhaupt nicht einfach.“ Sein Weg war lang – über die Anerkennung seiner Ausbildung, die Beschaffung der Dokumente aus Syrien und die notwendigen Prüfungen. Aber nun besitzt er die deutsche Approbation als Apotheker und hilft in der Stadtverwaltung als Dolmetscher für arabische Familien. Der Familienvater bedankt sich für „die Akzeptanz und die offenen Herzen in Laupheim“.

„Vielfalt ist allemal besser als Einfalt“

Stadträtin Anja Reinalter (Offene Liste) wünscht sich Offenheit für andere Wege, andere Lösungen und andere Gedanken. „Auch wenn mir manche dieser Gedanken so fremd sind, dass ich sie nie teilen werde, bin ich dankbar dafür, an einem Ort zu leben, an dem ich laut sagen kann, dass ich anders denke“. Denn: „Toleranz ist, offen zu sein für alles, was anders ist, ohne sich selbst dabei aufzugeben.“ Und: „Vielfalt ist allemal besser als Einfalt.“

Antje Trosien vom DGB Südwürttemberg spricht über die Integration in die Arbeitswelt. Das Integrationsgesetz sei leider nicht der große Wurf, sagt sie und bringt Beispiele, die durch die aktuelle Gesetzeslage nicht erfasst würden. „Diese Hemmnisse zum Arbeitsmarkt müssen beseitigt werden“, so Trosien.

Franz Romer, Ortsvorsteher und Stadtrat (CDU), begrüßt das parteiübergreifende Zeichen. Ihm ist es wichtig „eine Grenze nach rechts zu ziehen, wo es nicht mehr tolerabel ist“. Er betont, dass Fluchtursachen bekämpft werden müssen. „Das darf uns nicht unberührt lassen, wir können nicht ignorieren, was um uns herum geschieht“, so Romer. Alle seien gefordert, niemand dürfe wegschauen und „wir müssen dort, wo es möglich ist, Hilfe anbieten“. Er schließt mit: „Genug geredet, lasst uns Taten sehen.“

Für Musik sorgen das Duo des Gregorianums, Marc-René Stoll (Saxofon) und Lukas Stoll (Keyboard), und die Steelband Kolibris.

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