„Wir müssen lernen, loszulassen“

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„Klagen ist in Ordnung, wenn danach ein Plan folgt“: Gerd Steinwand sprach zum Abschluss der Aktion „Gesund und nah“.
„Klagen ist in Ordnung, wenn danach ein Plan folgt“: Gerd Steinwand sprach zum Abschluss der Aktion „Gesund und nah“. (Foto: ickenroth)
Schwäbische Zeitung
Susanne Ickenroth

Einen unterhaltsamen Vortrag zum Thema „Und plötzlich ist alles anders – wie gehe ich mit Lebenskrisen um?“ hat der katholische Theologe Gerd Steinwand am Donnerstag in Laupheim gehalten. Diese Veranstaltung bildete den Abschluss der Aktion „Gesund und nah“ der AOK und der „Schwäbischen Zeitung“, begleitet von der Volksbank Raiffeisenbank Laupheim-Illertal.

Der Vorstandsvorsitzende der Volkbank, Dieter Ulrich, begrüßt die Gäste im vollbesetzten Richard-Heumann-Saal und übergibt das Rednerpult an Gerd Steinwand. Wer nun im Kontext der durchaus ernsten Themen Tod, Krankheit und Krise einen ebenso ernsten Vortrag erwartet hat, wird enttäuscht. Der katholische Theologe geht diese Themen sehr humorvoll an. „Humorvoll ist nicht das Gleiche wie witzig“, betont er dabei.

Gleich zu Anfang seines Vortrags sorgt Steinwand für Heiterkeit, indem er seine Gedanken und Anregungen mit einem Buffet vergleicht. „Nehmen Sie sich nur das, was Ihnen passt, was Ihnen schmeckt. Alles andere lassen Sie einfach liegen“, empfiehlt er dem Publikum.

Steinwand würzt den Vortrag mit Anekdoten aus seinem Familienleben. Dazu muss man wissen, dass er 40 Jahre lang als Ordenspriester im Claretiner-Orden lebte und erst vor wenigen Jahren seine jetzige Frau kennenlernte. Inzwischen ist er verheiratet und hat zwei kleine Kinder. „Wissen Sie, wenn man 40 Jahre allein geschlafen hat, erschrickt man schon mal, wenn plötzlich morgens jemand neben einem liegt“, erzählt er augenzwinkernd und bringt sein Publikum zum Lachen.

Selbstverständlich wird es bei den Themen Tod und Verlust auch ernster und nachdenklicher. Gerd Steinwand rät, in einer schwierigen Situation nicht zu jammern. „Jammern führt zum Stillstand und letztlich in den Tod. Klagen hingegen ist in Ordnung, wenn danach ein Plan folgt“, sagt der Theologe. Sein Rat ist es, sich nach einer schlimmen Krise ganz bewusst Termine im Kalender zu notieren, auf die man sich freuen kann, und Pläne zu schmieden für die Zukunft, auch wenn diese Zukunft ohne den geliebten Menschen stattfindet. „Wir müssen lernen, loszulassen“, sagt der Theologe. „Auch wenn Sie Ihren Partner vielleicht Jahrzehnte lang gepflegt haben, Sie geben ihn jetzt in die Hände von jemandem, der das noch viel besser kann.“

Schließlich sei niemand der Eigentümer eines anderen Menschen; alles auf der Welt sei gepachtet und müsse irgendwann zurückgegeben werden, auch das Leben.

Einen weiteren Hinweis hat Steinwand in diesem Zusammenhang parat: „Machen Sie sich Gedanken über Ihre eigene Todesanzeige! Über-legen Sie sich, was bei Ihrer Beerdigung über Sie gesagt werden soll, welche Musik gespielt werden soll.“ Was auf den ersten Blick vielleicht befremdlich wirkt, sei für die Hinterbliebenen enorm hilfreich. Der Einwand „Legen Sie Ihre Notizen unbedingt auf das Sparbuch, damit man sie auch findet“, sorgt dann wieder für Heiterkeit bei den Zuhörern.

Auch für das Zusammenleben mit den Mitmenschen und der Familie hat Gerd Steinwand hilfreiche Tipps. „Versuchen Sie nicht, sich aufzudrängen, mit ungewollten Ratschlägen oder unangemeldeten Besuchen. Akzeptieren Sie den Freiraum anderer. Und leben Sie Ihr eigenes Leben auch, ohne sich Gedanken über die Meinung Ihrer Nachbarn zu machen. Lassen Sie den Rollladen ruhig unten, wenn Sie ausschlafen möchten.“

Hass macht krank

Eine wichtige Botschaft an diesem Abend ist, dass man sich durch eine Krise nicht zu Hass verleiten lassen sollte. „Hass macht krank, Frieden jedoch kommt von Gott.“

Mit der durchaus optimistischen Feststellung, dass aus jeder Krise und jedem Verlust wieder etwas Neues, Unvorhergesehenes entsteht, beschließt Gerd Steinwand einen amüsanten, aber auch lehrreichen Vortrag. „Danke, dass niemand eingeschlafen ist.“

SZ-Verlagsleiter Eugen Schönle bedankt sich bei dem Referenten und erläutert den Zuhörern, wofür das Eintrittsgeld verwendet werden soll. Von dem Erlös des Abends wird eine E-Bike-Rikscha für das Heilig-Geist-Hospital angeschafft, eine Bereicherung für Senioren, die nicht mehr so gut zu Fuß sind. Schönle lädt die Gäste noch zu einem Imbiss ein. Bei angeregten Gesprächen ist immer wieder die Bemerkung „So hätte ich es mir nicht vorgestellt“ zu hören. Gerd Steinwand hat es verstanden, ein ernstes Thema von einer optimistischen Seite her zu beleuchten.

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