„Wir müssen die Teilnehmer manchmal sogar bremsen“

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Schwäbische Zeitung

Zwei Drittel des Projekts „SZ-Laufgruppe“ sind vorbei – und Cheftrainer Alexander Schwarz ist voll des Lobes für die 70 Teilnehmer. Nur ganz wenige mussten verletzungsbedingt pausieren oder gar aufgeben. Die übrigen sind auf einem guten Weg, beim Bad Waldseer „Lauffieber“ am 11. Mai die Halbmarathondistanz in der angestrebten Zeit zu bewältigen. Im Gespräch mit SZ-Redakteur Reiner Schick, der selbst auf dieses Ziel hintrainiert, zieht Schwarz eine Zwischenbilanz.

SZ: Alex, wie läuft’s denn, im wahrsten Sinne?

Schwarz: Ich bin sehr zufrieden. Die gemeinsamen Trainingsläufe sind gut besucht, die Leute haben viel Spaß und sind motiviert. Einige sind ja auch ,Wiederholungstäter’, also schon zum zweiten oder gar dritten Mal beim Projekt dabei. Außerdem kommen sonntags auch etliche Gastläufer dazu – also solche, die sich seit dem ersten oder zweiten Projekt jeden Sonntag am Kulturhaus treffen. Da motiviert man sich dann gegenseitig. Und es sind auffällig viele Frauen. Das liegt vielleicht daran, dass sie die Gruppendynamik, die bei so etwas entsteht, ganz besonders schätzen. Wir – also meine Assistenten, die die einzelnen Leistungsgruppen sonntags und freitags begleiten, und ich – müssen die Läuferinnen und Läufer manchmal sogar regelrecht bremsen. Die Teilnehmer sind auch sehr dankbar, jedenfalls kommt regelmäßig ein tolles Feedback zurück.

Wie viele von 70 Läuferinnen und Läufern, die am 17. Februar in das Projekt gestartet sind, sind noch dabei?

Zwei haben sich gleich zu Beginn abgemeldet, weil sie gemerkt haben, dass sie das Training zeitlich nicht unterbringen. Die Plätze wurden aber sofort durch Nachrücker aus der Warteliste belegt. Ansonsten wurde mir im Projektverlauf je einmal Rücken, Schienbein, Knie und Oberschenkel sowie zweimal Sprunggelenk gemeldet. Die Leute sind oder waren also verletzt, und beim einen oder anderen wird es knapp, den Trainingsrückstand in den verbleibenden Wochen aufzuholen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass eine Überlastung zu den Verletzungen geführt hat.

Wie lässt sich so etwas verhindern?

Vielleicht durch besser dosiertes Laufen, das heißt die Belastungsdauer dem aktuellen körperlichen Zustand anpassen. Wer übermotiviert ans Werk geht, überlastet sich schnell. Vielleicht werde ich beim nächsten Projekt auch mal alternative Trainingsmethoden anbieten – wie etwa Fahrradtraining oder Aquajogging. Das bringt etwas Abwechslung sowohl für den Körper als auch für die Psyche und belastet den Bewegungsapparat weit weniger als Laufen.

Gab es denn schon einen regen Wechsel innerhalb der Leistungsgruppen?

Ja, schon – vor allem von den langsameren zu den schnelleren Gruppen. Was mir besonders wichtig ist: Sonntags brechen die jeweiligen Gruppen nicht auseinander. Das zeigt, dass das Konzept funktioniert.

Das heißt, es sind alle auf einem guten Weg, am 11. Mai in Bad Waldsee das Ziel zu erreichen?

Es sieht gut aus – und das, obwohl neben den erwähnten Verletzungen auch auffällig viele Erkältungen dazwischengekommen sind. Trotzdem sind die Betroffenen nach entsprechender Krankheitspause dabei geblieben.

Das Projekt begann ja schon im Februar – könnte das der Grund für die Erkältungen sein?

Vielleicht. Andererseits hatten wir ja bisher meist Riesenglück mit dem Wetter. Sonntags hat – bis auf einmal – immer die Sonne gescheint bei einigen Grad über Null. Nur einmal war es saukalt, nass und windig. Und montags mussten wir zweimal das Lauf-ABC absagen. An einem weiteren Montag hat es sogar überraschend geschneit, trotzdem haben die Teilnehmer wie an besagtem Sonntag sehr tapfer mitgezogen. Die Leidensbereitschaft scheint schon sehr groß zu sein – vielleicht auch, weil man hinterher sehr stolz sein kann, wenn man es geschafft hat.

Bei den beiden bisherigen Projekten waren die Wettbewerbe im Herbst und das Training deshalb im Sommer. Ist die diesjährige Frühjahrsvariante besser?

Der einzige Nachteil, den ich bisher sehe, ist, dass wir bestimmte Programmpunkte früher abhalten müssen, damit es nicht schon dunkel ist. Ansonsten aber sehe ich viele Vorteile. Der Trainingsbeginn im Februar ist ein guter Start ins Jahr, da zehrt man dann das ganze Jahr davon. Im Sommer, zum Vergleich, hatten wir teilweise regelrechte Hitzeschlachten, deswegen haben wir das Training ja oft schon um 8 Uhr begonnen. Dieses Mal ist es von den Temperaturen her ideal. Und einige haben mich auch schon gefragt, wie es nach Waldsee weitergeht. Ich werde da wohl noch einen kleinen Fahrplan zusammenstellen fürs weitere Jahr mit Trainingsempfehlungen und dem einen oder anderen Saisonziel. Denn es ist immer gut, wenn man auf etwas hin trainiert.

Gibt’s auch Dinge, die besser laufen könnten?

Die Beteiligung am montäglichen Lauf-ABC könnte besser sein. Letzte Woche waren es gerade mal 12 Leute – bei 70 Teilnehmern sind das schon sehr wenige.

Was muss man sich unter einem „Lauf-ABC“ vorstellen?

Man führt bestimmte Bewegungen übertrieben aus: Hopserlauf, Side-Steps, Frequenzlauf, Steigerungsläufe, in Ringe hüpfen. Das hilft, die Koordination und Beweglichkeit zu verbessern. Das bringt schon was. Bei denen, die regelmäßig dabei sind, merkt man, dass sie die Übungen mittlerweile viel besser beherrschen. Aber ich weiß: Ein Läufer will halt am liebsten laufen.

Und auch nicht so gerne Gymnastik machen...

Stimmt. Bei den Gymnastikeinheiten donnerstags in der TSV-Halle hätten wir schon noch Platz für ein paar Matten mehr. Am Anfang war die Beteiligung noch höher. Gut wird dagegen der flotte Lauf freitags am Baggersee angenommen, auch die Laufstilanalyse und der Ernährungsvortrag waren gut besucht.

Jetzt sind’s nicht einmal mehr vier Wochen bis zum großen Event am 11. Mai. Wie sieht das Restprogramm aus?

Wir sind jetzt in der letzten von drei Trainingsperioden, in denen das Pensum jeweils gesteigert und am Ende jeder Periode etwas zurückgefahren wird, um dem Körper ein wenig Gelegenheit zur Erholung zu geben. Die größte Distanz, die wir bisher gelaufen sind, waren 17 Kilometer, bei den Anfängern 14 Kilometer. Wir werden uns aber noch bis 20 Kilometer steigern. Den letzten Kilometer sparen wir uns dann für Bad Waldsee auf. Am kommenden Samstag starten wir beim Öpfinger Osterlauf über zehn Kilometer, um mal etwas Wettkampfluft zu schnuppern. 55 Teilnehmer sind hierfür angemeldet. Und ein Trainings-Highlight gibt es auch noch: Zu einem Lauf-ABC kommt der Triathlon-Europameister Rainer Aumann aus Dettingen, der sich vor fünf Jahren in Frankfurt den Ironman-Titel in seiner Altersklasse M 40 geholt hat. Am Montag, 29. April, wird der Europameister das Training bei der SZ-Laufgruppe leiten. Ich bin schon ganz auf die Zahl der Teilnehmer gespannt.

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