Wildschweine: Was bei einer Begegnung unbedingt beachtet werden sollte

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Nur in seltenen Fällen greifen Wildschweine Menschen an.
Nur in seltenen Fällen greifen Wildschweine Menschen an. (Foto: Fredrik von Erichsen/dpa)
Sonja Niederer

Dank milder Winter und zahlreicher Mastjahre ist in den letzten Jahren die Wildschweinpopulation stetig angewachsen. So kommt es mittlerweile durchaus vor, dass man bei einem Waldspaziergang oder einer Joggingrunde mehreren Schwarzkitteln begegnet. Wie verhält man sich dann?

Wieso scheuen sich die Tiere auch nicht vor viel begangenen Wegen? SZ-Mitarbeiterin Sonja Niederer hat sich diesbezüglich beim Leiter des Laupheimer Hegerings, Tobias Seeburger, erkundigt.

Die Wahrscheinlichkeit, Wildschweinen zu begegnen, hänge von der Jahreszeit ab, sagt Tobias Seeburger. Gerade aufgrund der Ernte Anfang Herbst veränderten sich die Einstände, die Lager, der Tiere. Dann sind die Wildschweine verstärkt unterwegs und durchaus auch tagsüber anzutreffen. In der Regel suchten sich die Schwarzkittel sichere Einstände, wo sie ihren Tag verbringen. Es kommt aber vor, dass sie sich durch Störungen in ihrem Umfeld nicht mehr sicher fühlen und sich einen neuen Platz suchen.

Tiere haben sich Umweltveränderungen angepasst

Ursprünglich Waldbewohner seien die Tiere aber auch sehr anpassungsfähig, sagt Seemüller. „Über die Jahre hinweg haben sie sich gut an die Veränderungen in der Umwelt angepasst. Stehen Mais, Raps oder Getreide, ist nicht nur ausreichend Deckung geboten, sondern auch genügend Nahrung. Kommt dann der Herbst und damit die Zeit der Ernte, geben die Tiere ihre ,Sommerresidenz’ auf und ziehen zurück in die Wälder.“ Aber auch im Winter sei nicht auszuschließen, dass Wildschweine auf Feldern, bevorzugt nachts, Nahrung suchen, etwa untergepflügte Maiskolben.

Wenn es nach Maggi-Würze riecht, ist man schon ziemlich nahe an Wildschweinen dran. Hegeringleiter Tobias Seeburger

Deutliche sichtbare Zeichen, dass Wildschweine in der Nähe sind, seien frisch aufgebrochene Stellen am Wegesrand. „Auf der Suche nach Würmern, Mäusen oder Wurzeln stellen sie Grund und Boden fein säuberlich auf den Kopf. Zeigt sich eine derartige Spur der Verwüstung, waren Wildschweine in der Nähe oder sind es immer noch.“ Weitere Zeichen: Narben an Baumstämmen. „Ist ein Baum bis auf circa Kniehöhe mit Schlamm einbalsamiert und die Rinde teilweise abgeschabt, so handelt es sich um einen ,Mahlbaum’ eines meist männlichen Wildschweins. Diese dienen den Schweinen als Reviermarkierung.“

Sogar die menschliche Nase verrät, ob Wildschweine in der Nähe sind, so der Hegeringleiter. „Wenn es nach Maggi-Würze riecht, ist man schon ziemlich nahe an Wildschweinen dran. Die Nase warnt den Menschen meist am besten vor einer Begegnung.“

Ruhe bewahren oder laut klatschen

Kommt es doch zu einem Zusammentreffen von Mensch und Wildschwein, heißt die Devise „Ruhe bewahren“. „Hat einen die Sau noch nicht bemerkt, ist es am Besten, so leise wie möglich den Rückzug anzutreten und hektische Bewegungen zu vermeiden. Helfen kann außerdem, während des Rückzugs ruhig und leise vor sich hin zu sprechen.“

Wenn sich das Wildschwein aber bedroht fühlt, was sich an einem aufgestellten Schwanz oder lautem Schnauben zeigt, sollte man versuchen. das Tier durch lautes Rufen oder Klatschen dazu zu bringen, die Flucht zu ergreifen. „Solange den Tieren bei der Begegnung mit einem Menschen eine Fluchtmöglichkeit gegeben ist, wird es diese dem Angriff vorziehen.“ Eine Ausnahme bilde die Nachwuchszeit speziell im Frühjahr. „Wenn man unglücklicherweise auf den ,Wurfkessel’ oder ,Frischkessel’ der Sau trifft, das heißt, wenn man auf das durch das Muttertier (Bache) angelegte Lager aus Blättern, Gras und Moos zur Geburt der Frischlinge trifft, wird sie wehrhaft und zögert auch nicht damit, den Eindringling anzugreifen.“

Verletzte Tiere sind gefährlich

Große Gefahr gehe von verletzten Tieren aus. „Wildschweine, die beispielsweise von einem Auto angefahren wurden, sind absolut unberechenbar und verhalten sich in der Regel sehr aggressiv.“ Sollte man auf ein verletztes Tier treffen, gilt: Sich zurück ziehen und schnellstmöglich die Polizei oder, sofern bekannt, den örtlichen Jagdpächter zu informieren. „Wildschweine greifen jedoch nicht ohne Grund an“, so Seeburger. „Vor allem nicht Menschen, da Menschen für sie weder Beute noch Futterkonkurrenten sind.“

Wichtig ist: Im Wald aufmerksam unterwegs sein. Seeburger rät Augen, Ohren und Nase offen zu halten und am besten die Wege nicht zu verlassen. Das diene nicht nur der eigenen Sicherheit, sondern schütze auch den natürlichen Lebensraum der Waldtiere. „Wenn man diese Tipps beachtet und, sollte es doch zu einer Begegnung kommen, gelassen bleibt, steht einem erholsamen Waldspaziergang nichts im Wege.“

Untersuchte Proben auf ASP (bei toten Wildschweinen)

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