Wieso Behörden gefährliche Unfallstellen erkennen, aber nicht beheben

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Gefahrenpunkt Zebrastreifen: Auf diesem Übergang in der Ulmer Straße kam ein Junge nur knapp an einem schweren Unfall vorbei.
Gefahrenpunkt Zebrastreifen: Auf diesem Übergang in der Ulmer Straße kam ein Junge nur knapp an einem schweren Unfall vorbei. (Foto: Axel Pries)

Länger schon schaut die Anwohnerin sich das Problem an: Lastwagen schneiden die Kurve und fahren über den ausgewiesenen Radweg. Das ist gefährlich, findet sie. Dann passiert das: Nur 200 Meter weiter wird ihr Sohn an einem Zebrastreifen vom Auto angefahren – an einem Überweg, der offenbar häufiger nicht beachtet wird. Bahnhofstraße, Ulmer Straße: zwei Gefahrenpunkte in Laupheim? Nicht, wenn man Polizei und Stadtverwaltung fragt. Bei den Behörden sieht man im Moment keinen Grund, diese Stellen zu überprüfen.

Der glimpflich verlaufene Vorfall geschah an einem Morgen in der vergangenen Woche. Der elfjährige Junge wollte den Fußgängerüberweg nahe der Ecke zur Pfarrer-Aich-Straße in Richtung des ehemaligen Hotels Post überqueren. Er hatte ein Fahrrad dabei. Doch gerade, als er sein Fahrrad auf den Zebrastreifen geschoben hatte, kam von links ein Auto – dessen Fahrer erst in letzter Sekunde eine scharfe Bremsung einlegte. Das Auto prallte noch leicht gegen Fahrrad und Junge, jedoch ohne ihn zu verletzen. Er kam mit dem Schrecken davon.


Nur ein von vieren in zehn Minuten: Ein Lastwagen überfährt in der Kurve der Bahnhofstraße den „Schutzstreifen“ zum Fahrradweg.
Nur ein von vieren in zehn Minuten: Ein Lastwagen überfährt in der Kurve der Bahnhofstraße den „Schutzstreifen“ zum Fahrradweg. (Foto: aep)

Einen gehörigen Schreck bekam auch die Mutter. Sie möchte nicht genannt werden, aber sie fragt sich, wie dicht ihr Junge an dem Morgen wohl an einer ernsthaften Verletzung vorbeigeschrammt ist. Jener Übergang hat ohnehin keinen guten Ruf – zumindest bei Passanten, die ihn häufiger nutzen. Denn der Zebrastreifen liegt in der S-Kurve vor dem Germania-Kreisel, und es gibt häufige Schilderungen von Autofahrern, die vor Fußgängern am Rande des Übergangs gar nicht oder erst verspätet und dann stark bremsen. Die Lage des Übergangs zwischen zwei leichten Kurven könnte ein Grund dafür sein. Autos aus Richtung Ulmer Straße fahren zügig in die erste, und die Fahrer schauen bereits weiter zur zweiten, an die sich sofort der Germania-Kreisel anschließt. Das blaue Schild mit dem Hinweis auf den Zebrastreifen ist derweil von weitem zwar gut sichtbar, aber bei Annäherung unmittelbar vor oder in der Kurve bereits rechts aus dem Blickfeld gewandert. Es steht nämlich noch rechts des Gehwegs.

Gefährliche S-Kurve?

Es hatte aber einen anderen Grund, warum die Laupheimerin sich mit einer Sorge bei der SZ meldete: nämlich die S-Kurve beim Übergang der Bahnhofstraße in die Simmigasse. Der Vorfall mit dem Jungen kam erst später in ihrer Schilderung hinzu, passt aber ins Bild des generell problematischen Miteinanders von Fuß- und Fahrradwegen sowie stark befahrenen Autostrecken zwischen Ulmer und Biberacher Straße sowie Bahnhofstraße. In dem Dreieck, in dem auch Märkte, Betriebe und Wohnsiedlungen zu finden sind, treffen alle drei Arten Verkehrsteilnehmer geballt aufeinander.

Die Kurve der Bahnhofstraße ist dabei ein gefährlicher Punkt, meint die Nachbarin. Dort gibt es zwei Gehwege und zwei durch Linien abgegrenzte Fahrradwege. Sie habe schon häufig beobachtet, dass vor allem Lastwagen in der Kurve die breite Linie überfahren. Das sei kein Wunder, denn sie kommen auf dem leicht abschüssigen Straßenstück mit Tempo angefahren und versuchen so, die Kurve abzuschwächen. Nur zehn Minuten Beobachtung der Kurve bestätigen ihre Schilderung: Gleich vier Lastwagen und auch mehrere Autos nahmen die Kurve nicht, ohne die weiße Linie zu überfahren. Allein: Die Fahrer können bis kurz davor gar nicht sehen, ob sich auf dem Fahrradstreifen ein Radler befindet. „Wer als Radfahrer die Kurve kennt, der fährt dort nicht auf dem Radweg“, sagt die Nachbarin. Folge: Radler nutzen ausschließlich die Fußwege, was manchen Anwohnern auch nicht gefällt. Die Mutter hat ihre eigene Konsequenz gezogen: „Ich habe meinen Kindern verboten, dort mit dem Rad zu fahren.“

Statistisch unauffällig

Eine Nachfrage bei Polizei und der zuständigen Laupheimer Stadtverwaltung, ob diese auffälligen Punkte bekannt seien, ergibt indes trockene Stellungnahmen: Ja, die Ecken seien bekannt, antwortet die Polizei auf Anfrage, aber nicht als gefährlich. Auch bei der Stadt erzeugen die Schilderungen keine Aktivität. „Das ist der Stadt bekannt“, erklärt deren Sprecher Christian Beine. Im Rahmen der regelmäßigen Verkehrschauen würden alle potenziellen Gefahrenpunkte überprüft. „Der Stadt ist daran gelegen, die Verkehrsführung so sicher zu gestalten, wie es geht.“ Aber die geschilderten Stellen seien in der Unfallstatistik unauffällig. Daher gebe es aktuell keinen Handlungsbedarf. Wenn wieder eine Verkehrsschau ansteht, werde man die Stellen überprüfen: „Wir schauen uns das an.“

Vielleicht, so meint die Laupheimerin, sollte dabei auch mal mit anderen Augen geschaut werden. Sie tue das nämlich als mehrfache Mutter: „Mir sind noch andere Stellen in Laupheim aufgefallen.“

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