Wie eine Benediktiner-Schwester in Namibia Mädchen behüten möchte

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„Genau die werden gebraucht!“ Schwester Beate und Betriebsleiter Engelhardt begutachten die Säcke mit Kuscheltieren für Kinder.
„Genau die werden gebraucht!“ Schwester Beate und Betriebsleiter Engelhardt begutachten die Säcke mit Kuscheltieren für Kinder. (Foto: Axel Pries)

Es sind ein paar unscheinbare Plastiksäcke in einer Ecke der großen Lagerhalle. Aber ihr Inhalt zaubert prompt ein Lächeln auf das Gesicht von Schwester Beate Schröter: „Genau die werden gebraucht!“

In der Hand hält sie einen kleinen Teddybären, ausrangiert in irgendeinem schwäbischen Kinderzimmer. In Namibia wird er demnächst die Seele eines kleinen Menschen wärmen – in einer der von ihr initiierten Schulen und Kinderheime.

Die Schwester hat noch mehr vor – und die Sammelzentrale der Aktion Hoffnung in Laupheim will ihr dabei helfen.

Vor Wochen hat die Benediktiner-Schwester der Sammelzentrale einen Besuch abgestattet, vor allem, um mit dem Einrichtungsleiter Roman Engelhardt Modalitäten des Transport einer Hilfslieferung für ihren Kindergarten mit Vorschule in der namibischen Kleinstadt Okongo zu besprechen.

Bildung ist die einzige Möglichkeit, dem Schlamassel zu entkommen. Schwester Beate Schröter

Sie nutzte die Zeit aber auch, um ein neues Projekt zu erklären, für das sie gerade einen Förderantrag bei der Aktion Hoffnung gestellt hat: ein Heim für Mädchen, die eine Schule in der bitterarmen Region Kavango besuchen.

„Die Kinder haben einen langen Schulweg“, erklärt sie einen Hintergrund. Sie seien in der Schule meist müde und hungrig. Ein zweiter Gedanke klingt viel bitterer: „Die Mädchen sind in der Umgebung stark gefährdet.“

Schwangerschaft in sehr jungen Jahren

Bis zu 20 Kilometer zu Fuß legen die Kinder täglich zurück, um die Schule zu besuchen, erklärt Schwester Beate. Das sind Strecken, die sie ihnen ersparen möchte. Der zweite Gedanke dazu ist viel dringlicher: Viele der zwölf- und 13-jährigen Mädchen werden schwanger – mit bösen Konsequenzen über das Trauma hinaus: „Das bedeutet das Ende aller Ausbildung.“

Dahinter stecke meist nicht einmal ein gewalttätiger Übergriff, sondern Not: „Gewöhnlich ist es die Armut“, fasst die 79-Jährige das größte Problem für die Mädchen zusammen.

Aus Not prostituieren sie sich – oder werden von der Familie dazu gezwungen.

Das Hostel soll ihnen eine gesicherte Heimstatt bieten, in der sie sich ohne Notsituation, Müdigkeit und Hunger auf die Schule konzentrieren können – und ein Stück Kindheit leben können. „Sie werden beim Lernen unterstützt.“

Geplant ist ein Heim, in dem 100 Mädchen leben können, ständig betreut von zwei ausgebildeten Kräften und Helferinnen, erklärt die Schwester.

Erstes Ziel sei, sie sicher zu einem Abschluss „Junior Secondary“ am Ende der siebten Klasse zu führen. Bislang schafften lediglich 50 Prozent der Mädchen auch nur diesen Abschluss: „Die haben dann nichts.“

Erfolgreiche Absolventen können aber an einer anderen Schuile den Semana Secondary-Abschluss machen. „Dafür laufen die Jugendlichen jeden Tag 15 Kilometer.“

Ziel: das Gymnasium

Wer da erfolgreich ist, kann das Gymnasium besuchen und einen hochschultauglichen Abschluss machen. Diese Schule funktioniert als Internat.

In einer Region, in der es kaum Struktur und Arbeit gibt, sei das für die meisten Jugendlichen aber ein weit entferntes Ziel. „Es gibt dort nichts außer Hunger.“

Selbst die Natur habe bei der Entwicklung ihre Tücken, weiß die Schwester. Ein Beispiel: Ein neu angelegter Gemüsegarten an ihrer Schule wurde über Nacht von Flusspferden verwüstet.

Die wehrhaften Kolosse ließen sich aber auch nicht einfach aussperren. „Da möchte man nur noch weinen.“

Für ihr Projekt benötigt sie zunächst Unterstützung von ihren Partnern in Deutschland – zu denen übrigens auch die Sternsingeraktion zählt.

Und das Hostel kann später auch tatkräftige Unterstützung für den Betrieb gebrauchen. Der Staat gebe für den Unterhalt pro Schützling 1,5 Euro am Tag – weitere 1,5 Euro werden benötigt.

Und das Betreuungsteam würde sich auch über Unterstützung freuen, sagt Schwester Beate – und meint die Möglichkeiten, die das Freiwillige Soziale Jahr bietet.

Die Sammelzentrale selbst habe finanzielle Unterstützung bereits zugesagt, erklärt deren Leiter Roman Engelhardt. Bei der Aktion Hoffnung sei das sehr weahrscheinlich.

Zu drängend ist das Anliegen der Schwester Beate, die den Teufelskreis aus mangelnder Bildung durchbrechen will. „Bildung ist die einzige Möglichkeit, dem Schlamassel zu entkommen.“

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