Wie die Stadtverwaltung aus mehr weniger macht

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Quo vadis, städtische Jugendarbeit? Die Offene Liste übt Kritik an der Personalpolitik, auch die Freien Wähler halten Streetwork (Foto: Shutterstock)
Roland Ray

Frohe Kunde für Laupheims Vereine: Ihre Jugendarbeit wird künftig mit 15 Euro pro Kopf und Jahr gefördert, bisher zahlte die Stadt 10,78 Euro. So hat es der Gemeinderat auf Antrag der Freien Wähler mit knapper Mehrheit beschlossen. Was aber tut die Stadt für ihre eigene Jugendarbeit? „Zu wenig“, sagt Karin Schäfer. In ihrer Haushaltsrede am Montag hielt die Fraktionschefin der Offenen Liste mit Kritik an der städtischen Personalpolitik in diesem Bereich nicht hinterm Berg.

Fakt ist: Der Stellenplan 2012 wies zwei Sozialarbeiter für das Jugendhaus aus, eine Vollzeitstelle (Martin Schäfer) und eine 60-Prozent-Stelle (Christine Litzbarski). Zur Verstärkung genehmigte der Gemeinderat im vergangenen Jahr eine 70-Prozent-Stelle für mobile Jugendarbeit – „wir waren uns einig, dass Handlungsbedarf besteht“, rekapitulierte Karin Schäfer. Die Verwaltung hat diese Stelle jedoch nicht ausgeschrieben, wie sie selbst in einer Tischvorlage bestätigt. Auf eine Nachfrage hin sei man vertröstet worden, berichtete Karin Schäfer.

Der Stellenplan 2013 führt Christine Litzbarski unverändert mit 60, Martin Schäfer aber nur noch mit 34 Prozent auf; die übrige Arbeitszeit ist er für seine Tätigkeit als Personalratsvorsitzender freigestellt. Vor Kurzem wurden nun zwei 50-Prozent-Stellen ausgeschrieben, eine für die mobile und eine für die offene Jugendarbeit. Macht zusammen 1,94 Stellen, während im Jahr zuvor 2,3 Stellen bereits beschlossene Sache waren.

Die städtische Jugendarbeit müsste demnach künftig mit weniger Ressourcen auskommen, „als wir erwartet und ja auch genehmigt haben“, wundert sich Karin Schäfer. Auf ihre Frage, weshalb die 70-Prozent-Stelle nicht ausgeschrieben wurde, hat sie am Montag keine Antwort erhalten. Er werde die Stellungnahmen der Fraktionen zum Haushaltsentwurf nicht kommentieren, beschied Bürgermeister Rainer Kapellen das Ratsgremium.

„Wir wollen auch jene Jugendlichen, die nicht in Vereinen unterkommen, betreut wissen“, forderte Karin Schäfer. Aus Sicht der Offenen Liste dürfe das Thema nicht an den Rand gedrängt und auf den Konsum von hartem Alkohol reduziert werden. „Hier wird ein Bild aufgebaut, das nicht der Realität entspricht“, warnte Schäfer. Jugendliche seien niemals eine Randgruppe, sondern ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Zukunftsfaktor. Der Gemeinderat habe in diesem Sinn nachlegen wollen, „die Verwaltung anscheinend nicht. Wir sollten, nein wir müssen das ändern, und zwar sofort!“

Der CDU-Fraktionschef Burkhard Volkholz sieht den Bürgermeister auf einem guten Weg. Kapellen wolle die Bedürfnisse junger Leute erkunden und Lösungen suchen.

Die Freien Wähler favorisierten nicht einseitig die Jugendarbeit der Vereine, betonte ihr Sprecher Rudolf Pretzel. Die jüngste Entwicklung in der Rabenstraße zwinge zum Handeln, allerdings müssten die Schritte wohlüberlegt sein. Bestimmte Einzelinteressen wie Alkohol „sind für uns nicht akzeptabel“, stellte Pretzel klar. Der Rat müsse auch die Jugendschutz-Bestimmungen im Auge haben. Um eine Betreuung durch Streetworker komme man nicht herum.

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