Was in der Synagoge erklang

Lesedauer: 3 Min
Auf Vermittlung Rolf Emmerichs befinden sich die historischen Schellack-Platten heute im Museum zur Geschichte von Christen und (Foto: Ray)
Roland Ray

Eine musikhistorische Kostbarkeit gibt es jetzt als CD: Liturgische Synagogengesänge, wie sie in Laupheim gepflegt wurden, bis die Nationalsozialisten die jüdische Gemeinde auslöschten. Am Donnerstag (16 Uhr) wird das Tondokument aus dem Jahr 1922 im Museum zur Geschichte von Christen und Juden vorgestellt.

Die 28 Aufnahmen zählen zu den ältesten ihrer Art. Auffällig ist die aschkenasische Aussprache des Hebräischen, die in der Laupheimer Synagoge bis zu ihrer Zerstörung im November 1938 gebräuchlich war. Bei den Melodien handelt es sich um Bearbeitungen traditioneller Gesänge und Kompositionen des Berliner Kantors Louis Lewandowski (1821 - 1894). Es singt der letzte Laupheimer Kantor Emil Elias Dworzan (1856 - 1931), an der Orgel begleitet vom langjährigen Gemeindevorsteher Simon Leopold Steiner (1864 - 1937).

Zu danken ist die einzigartige Überlieferung dem Hollywood-Pionier Carl Laemmle. „Ich muss das unbedingt haben“, wird der in jungen Jahren nach Amerika ausgewanderte Filmproduzent zitiert. Bei einem seiner Aufenthalte in der alten Heimat fuhr er mit Dworzan und Steiner nach Berlin in ein Tonstudio. Dort wurden die Stücke mit Hilfe eines Edison-Phonographs auf Wachsmatrizen aufgezeichnet. Bei zweien wirkte Laemmle selber mit und trug Segenssprüche aus der Thora vor.

Simon Leopold Steiners Sohn Helmut rettete die Aufnahmen 1936 in die Schweiz. Der Laupheimer Lokalhistoriker Rolf Emmerich durfte sie 1989 auf Tonband übertragen lassen. Die Original-Schellack-Platten befinden sich heute im Museum zur Geschichte von Christen und Juden; Helmut Steiners Erben haben sie – auf Vermittlung Emmerichs – der Stadt Laupheim geschenkt.

Emmerich hat auch das CD-Projekt angestoßen, zusammen mit Yitzhak Heinrich Steiner, dem Enkel des Organisten. Herausgeber ist, mit finanzieller Unterstützung des Lions Club Laupheim, das Haus der Geschichte Baden-Württemberg (HdG). „Die technisch leicht überarbeiteten Synagogen-Gesänge sind ein beeindruckendes Zeugnis jüdischen Lebens in Laupheim“, sagt der HdG-Leiter Thomas Schnabel. „Sie bieten einen ganz eigenen, akustischen Zugang zu dieser Zeit.“

Info: Bei der Präsentation der Doppel-CD am Donnerstag, 26. Januar (16 Uhr, Museum) sprechen unter anderem Yitzhak Heinrich Steiner („Mein Großvater“) und Andreas Morgenstern vom Haus der Geschichte („Synagogen-Gesänge aus Laupheim. Wie eine CD entsteht“).

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen