Wachstum mit Köpfchen gestalten

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 Chris Kühn (rechts) staunt über Laupheim und die Fraktionschefin der Offenen Liste im Laupheimer Gemeinderat, Anja Reinalter (M
Chris Kühn (rechts) staunt über Laupheim und die Fraktionschefin der Offenen Liste im Laupheimer Gemeinderat, Anja Reinalter (Mitte), freut sich über den Besuch des Bundestagsabgeordneten von Bündnis90/Die Grünen. (Foto: ksc)
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Das erste Mal hinterlässt immer besondere Eindrücke – auch beim Tübinger Bundestagsabgeordneten Chris Kühn, der zugleich bau- und wohnungspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis90/Die Grünen im Bundestag ist. Bei seinem erstmaligen Besuch in Laupheim am gestrigen Donnerstag war er positiv überrascht über die zahlreichen Menschen auf dem Markt vor dem Rathaus, aus dem er vormittags gemeinsam mit seiner Parteifreundin und Fraktionschefin der Offenen Liste im Laupheimer Gemeinderat, Anja Reinalter, spazierte.

Dort hatten die beiden ein Gespräch unter anderem mit der 1. Bürgermeisterin Eva-Britta Wind geführt. Die kleine Runde, die sich offenbar auf Initiative der beiden Grünen-Politiker traf, unterhielt sich darüber, wie die Kommune und das Umland ihr Wachstum besser steuern können. Was Chris Kühn und Anja Reinalter besorgt ist die rapide Zunahme von Bauland und neuen Gewerbegebieten in der Region auf Kosten der Flächen für Landwirtschaft und Natur. „Während in den Außenbereichen der Gemeinden und Städte viele neue Wohngebiete entstehen und mitunter auch Einkaufzentren, veröden historische Stadtkerne im ländlichen Raum“, sagt Chris Kühn. Er meint, so etwas könnten Kommunen vermeiden. Flächenplanung müsse besser koordiniert werden. Kommunen dürften sich nicht nur vom Diktat der Ökonomie und künftig sprudelnder Gewerbesteuer leiten lassen. „Was wir in Baden-Württemberg brauchen, ist eine bessere interkommunale Zusammenarbeit hinsichtlich der Bautätigkeit für Wohnraum und Gewerbe. Zudem brauchen wir andere Instrumente und Förderprogamme, um Städte und Gemeinden ökologischer und sozialer zu gestalten,“ sagt er. Dazu gehörten z. B. das Vorkaufsrecht für Kommunen bei brachliegenden Grundstücken oder ungenutzten Häusern, aber auch Baugebote kommunaler Verwaltungen. So könnten diese Bauvorhaben in Ortszentren besser steuern. Anja Reinalter, die kürzlich im Laupheimer Gemeinderat gegen die Ausweisung eines rund 30 Hektar großen Gewerbegebiets in Baustetten votiert hatte, sagte gestern, Wachstum in kleineren Städten könne man nicht mehr gestalten wie vor zwanzig Jahren. „Die Flächen können wir in der Regel nur einmal bebauen.“ Oftmals sei es nicht besonders einfallsreich, wenn Einkaufszentren mit einem Parkplatz neben dem Großmarkt entstünden. „Abstellplätze auf dem Dach wären eine Lösung.“

Eva-Britta Wind sagte der SZ, ein Austausch mit Bundestagsabgeordneten sei begrüßenswert. Man habe über Förderprogramme gesprochen und über die anstehenden Bauvorhaben der Stadt informiert.

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