VR-Bank Laupheim-Illertal feiert ihr 150-jähriges Bestehen

Lesedauer: 6 Min
„Wir sind uns der Verwurzelung in der Region bewusst“, sagte Dieter Ulrich, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Laupheim-Illertal,
„Wir sind uns der Verwurzelung in der Region bewusst“, sagte Dieter Ulrich, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Laupheim-Illertal, bei der Gala im Kulturhaus. (Foto: Volker Strohmaier)
Redaktionsleiter

Mit einer Gala im Kulturhaus hat die Volksbank Raiffeisenbank Laupheim-Illertal am Freitag ihr 150-jähriges Bestehen gefeiert. Die Festredner priesen die Robustheit und ungebrochene Aktualität des genossenschaftlichen Prinzips.

„Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele“: Dieser Gedanke stand schon bei der Gründung des „Landwirtschaftlichen Kreditvereins zu Erolzheim“ am 11. Januar 1868 und der „Gewerbebank Laupheim“ wenige Monate später Pate. Sie fiel in eine Zeit politischer Umbrüche und eines radikalen ökonomischen Wandels, blickte der Vorstandsvorsitzende der VR-Bank Laupheim-Illertal, Dieter Ulrich, vor 350 geladenen Gästen zurück. Die Industrialisierung veränderte die Lebensbedingungen und die Warenproduktion rasant. Die einfache Bevölkerung führte ein hartes Leben, oft war es ein Kampf ums Überleben.

Genossenschaftlich organisierte Darlehenskassen und Sparvereine sollten die Nöte lindern; Vordenker waren der Jurist und Sozialreformer Hermann Schulze-Delitzsch (1808 - 1883) und der preußische Kommunalbeamte Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818 - 1888). Im Fokus standen dabei Hilfe zur Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung. Indem gut situierte Bürger ihre Ersparnisse den Spar- und Kreditvereinen anvertrauten, konnten Handwerker, Bauern und Kleingewerbetreibende das Kapital für notwendige Anschaffungen leihen.

Glücklich über Besuch aus USA

An der Gründung der Laupheimer Gewerbebank, wie ihr Erolzheimer Pendant Keimzelle der heutigen VR-Bank, waren jüdische Bürger maßgeblich beteiligt. Besonders die Familie Heumann spielte mehr als 60 Jahre – bis zur Machtergreifung durch die Nationalsozialisten – eine bedeutende Rolle. 19 Nachkommen aus Amerika feierten am Freitag das Jubiläum mit. Ulrich erinnerte an das Schicksal des Bankdirektors Richard Heumann, 1942 in Auschwitz ermordet, und zeigte sich „glücklich und dankbar, dass die Enkel, Urenkel und Ururenkel sich wieder auf den Weg nach Laupheim gemacht haben und uns bereits zum dritten Mal besuchen“.

„Unser Bankhaus hat zwei Weltkriege, drei Währungsreformen und mehrere Finanzkrisen überstanden“, blendete Ulrich über in die Gegenwart. Die heutige Bank mit 50 000 Kunden und 27 000 Mitgliedern sei in den vergangenen Jahren trotz schwieriger Rahmenbedingungen enorm gewachsen. „Wir sind uns der Verwurzelung in der Region bewusst und leisten mit Überzeugung unseren Beitrag zum Gemeinwohl“, betonte Ulrich. Die Präsenz in der Fläche bleibe ein wichtiger Punkt. Auch in Zukunft baue man auf ein solides Fundament und eine „wundervolle Idee“: Gemeinschaft.

In allen Krisen bewährt

„You’ll never walk alone“: Diese Solidaritätsbekundung aus der Welt des Fußballs beschreibe trefflich das genossenschaftliche Prinzip, sagte Oberbürgermeister Gerold Rechle, Festredner des Abends. 2017 sei dieses Prinzip auf die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit gesetzt worden. „Es ist ein Erfolgsmodell“, basierend auf dem Leitbild des ehrbaren Kaufmanns, betonte Rechle. Die Genossenschaftsbanken hätten sich in allen Krisen bewährt, „sie sind zuverlässig und lassen ihre Mitglieder nicht im Regen stehen, wenn es mal ungemütlich wird“. Dank der festen Verankerung vor Ort wüssten die Bankmitarbeiter aus erster Hand, worüber sie zu urteilen und zu entscheiden haben. Diese Kundennähe sei eine eindeutige Stärke, und „Verwurzelung schafft Vertrauen“. Er sei überzeugt, so Rechle, dass dieses Geschäftsmodell künftig eine noch stärkere Anziehungskraft entfalten werde, nicht zuletzt im Spiegel der Finanzmarktkrise.

Die VR-Bank Laupheim-Illertal nannte der OB einen bedeutenden Pfeiler in der Geschichte der Stadt und der Region. Er würdigte auch das soziale Engagement der Bank, die regelmäßige Förderung von Vereinen und caritativen Institutionen und die Unterstützung beim Carl-Laemmle-Produzentenpreis. Als Geschenk hat Rechle einen Gingko-Baum gewählt, Symbol der Hoffnung und Freundschaft. „Vielleicht wird er ja im Schlosspark gepflanzt.“

Die von der SWR-Journalistin Andrea Müller moderierte Gala wartete mit einer Vision auf: „Frieda“, ein sprechender Roboter, der dereinst bei der Kundenbetreuung zum Einsatz kommen könnte, gab Kostproben ihrer Kommunikationsfähigkeit. Eine Gesprächsrunde auf der Bühne bekräftigte den Stellenwert des Genossenschaftsgedankens. „Er ist absolut zeitgemäß“, urteilte Gerhard Schorr, Direktor des baden-württembergischen Genossenschaftsverbands. Im Zeitalter fortschreitender Digitalisierung wird die Idee nicht zuletzt von jungen Bankmitarbeitern wie Olivia Rehmann gelebt. „Wir machen Banking von Menschen für Menschen“, unterstrich der Aufsichtsratsvorsitzende der VR-Bank Laupheim-Illertal, Alexander Schöllhorn.

Musikalische Glanzlichter setzten das Salon-Trio der Musikschule (Richard Brenner, Petr Hemmer, Helmut Zeihsel) und Interpreten aus dem Carl-Laemmle-Musical „Makin’ Hollywood“: Sarah Schick, Marisa Hartelt, Annika Leanyvari und David Oesch trugen einige der schönsten Songs vor. Mit einer Feuershow im Schlosshof begeisterte Stephan Schneider aus Blaubeuren. Bewirtet wurden die Gäste von heimischen Caterern, mit Produkten aus der Region.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen