Vollendete musikalische Einheit

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Eine musikalisch-künstlerische Einheit: der Geiger Andrej Bielow, der Cellist Adrian Brendel und Kit Armstrong am Klavier bei i
Eine musikalisch-künstlerische Einheit: der Geiger Andrej Bielow, der Cellist Adrian Brendel und Kit Armstrong am Klavier bei ihrer Matinee im Kulturhaus Schloss Großlaupheim. (Foto: Dorothee L. Schaefer)
Dorothee L. Schaefer

Ein volles Haus war mit dieser Besetzung der Konzertmatinee sicher: Der junge Starpianist Kit Armstrong musizierte zusammen mit dem Cellisten Adrian Brendel und dem Violinisten Andrej Bielow. Und ein spannendes Programm gab's dazu – mit Haydn und Fauré, Rameau und Mozart war es eine Reise durch fast zwei Jahrhunderte Musikgeschichte.

Der Beginn mit Joseph Haydns 1795 komponiertem Trio E-Dur warf wieder einmal ein helles Licht auf das schier unerschöpfliche Genie dieses Komponisten. Denn die drei Sätze sind so voller musikalischer Einfälle und Stimmungen, das wunderbar ausmusizierte Eingangsallegro, das fast sinister wirkende Allegretto mit dem dumpf stapfenden Klavier und das tänzerische Schlussallegro, dass jeder der drei Musiker auf seinem Instrument bereits die Bandbreite seines Könnens vorführen konnte.

Virtuose und Begleiter

Zu Kit Armstrong bedarf es nicht mehr vieler Worte: Der in Bälde 26-jährige Amerikaner wird seit einigen Jahren als das größte pianistische Talent gehandelt und hat in allen großen Konzerthäusern der Welt gespielt. Als Kammermusiker hingegen konnte man hier den Virtuosen am Bechstein-Flügel auch als einen sehr konzentrierten Begleiter erleben, der sich vollkommen zurückzunehmen weiß, wenn es nötig ist, und dennoch nie vergisst, seinen Klavierpart musikalisch auszugestalten. So erwies er sich als ein idealer Partner des Violinisten Andrej Bielow (geboren 1981), der eine moderne Geige spielte, die sich aufs Schönste mit dem sonoren Stradivari-Cello von Adrian Brendel (Jahrgang 1976) vertrug.

Die drei Künstler machen schon einige Jahre zusammen Kammermusik; die Verbindung zu Adrian Brendel entstand über dessen Vater Alfred Brendel, der Kit Armstrong seit 2005 künstlerisch betreut. Also ein „Trio ideale“, könnte man sagen, denn die beiden Streicher, eine schmelzende Violine und ein kräftiger, nie überdehnter Celloton ohne viel Vibrato, bilden so mit dem Klavier eine ganz natürliche Einheit.

Dies wurde besonders deutlich in Gabriel Faurés spätem Trio d-moll op. 120, 1922 entstanden, hier der weiteste Zeitensprung. Spannend der Kontrast zu Haydn, der vielfältig im Detail ist, während bei Fauré ein üppiges Schwelgen in Tönen vorherrscht, aber auch ein ganz engmaschiges Legato die drei Instrumente ineinander verflicht. Eine wehmütige Tonwelt steigt auf, in die das Klavier wie zufällig eingesponnen wirkt und in der das sonore Cello und die tiefen Geigentöne die Melodie singen.

Mit Jean Philippe Rameaus „Pièce de clavecin en concert“ No. 5 d-moll (1744) zog eine rokokohaft fröhliche Beschwingtheit, durchaus französischer Natur, ein. Die Violine breitete ihre zierlichen Girlanden über die Klavierstimme – aber hier vermisste das Ohr doch ein wenig den silbrigen Saitenklang des Cembalos, für das die Komposition geschrieben wurde, während die Streicherstimmen auch von anderen Instrumenten ausgeführt werden durften.

Nur wenige Jahrzehnte später ist Mozarts Trio in C-Dur KV 548 (1788) entstanden, das den Abschluss machte. Sehr mozartisch in der Komposition, eher romantisierend in der Interpretation, behielt man von diesem Stück die schönen Übergänge in den Tempi und überhaupt die vollendete musikalische Einheit dieser drei Kammermusiker im Ohr und in Erinnerung – und Kit Armstrongs erstaunliche künstlerische Reife im Zusammenspiel mit den beiden älteren und erfahrenen Kollegen.

Großer, herzlicher Beifall und darauf eine passende Zugabe: der dritte Satz des Klaviertrios C-Dur von Joseph Haydn – duftig, leichthändig, fröhlich, wie die feinen tanzenden Schneeflocken draußen.

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