Vollblutpädagoge im Ruhestand: Friedrich-Uhlmann-Schule verabschiedet ihren Rektor Johannes Welz

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Johannes Welz bei seiner Abschiedsrede.
Er würde seinen Beruf noch einmal wählen: Johannes Welz bei seiner Abschiedsrede. (Foto: Franz Liesch)
Franz Liesch

Er verkörpert wie kaum ein anderer den Wandel des Schulwesens in den vergangenen Jahrzehnten und den Pädagogen mit Herz: Johannes Welz. Am Donnerstag ist der Rektor der Friedrich-Uhlmann-Schule in den Ruhestand verabschiedet worden. Dabei kam sein reicher Erfahrungsschatz aufgrund der Reform-Zyklen an den Schulen ebenso zur Sprache wie seine Leidenschaft als Lehrer und Schulleiter.

Von dieser Leidenschaft erzählte der Moderator der Feier, Tom Mittelbach. Ihn, der von der Straßen-Sozialarbeit gekommen war, führte Welz in die pädagogische Tätigkeit ein. „Du wirst uns fehlen“, sagte in seiner Begrüßung kurz und bündig Konrektor Andreas Trögele an die Adresse von Welz.

Eingespielt wurde in die Feier ein liebevolles filmisches Kaleidoskop mit Worten des Abschieds und mit Glückwünschen für den Ruhestand. Besonders humorvoll ein Vorschlag für eine Namensgebung: „Welz-ver-waist-Platz“. „In Vielem habe ich mich im Film wiedergefunden“, sagte Welz später mit einem Schmunzeln.

Schulamtsdirektorin Anna Sproll fand die filmische Darstellung beeindruckend und bewegend. Sie ging auf die Vita von Johannes Welz ein. Dabei erklärte sie, den künftigen Ruheständler seit Beginn seiner Tätigkeit in Laupheim zu kennen. 44 Jahre hat er als Lehrer, Konrektor und Rektor gewirkt und in seiner Dienstzeit vier Schularten erlebt: Hauptschule, Hauptschule mit Werkrealschule, Werkrealschule und schließlich Gemeinschaftsschule. Vier Jahrzehnte habe Welz an der Weiterentwicklung der Hauptschule mitgewirkt, sagte Anna Sproll. Ihm sei immer wichtig gewesen, „dass die Schüler selbstständig arbeiten“.

Die Schulamtsdirektorin bezeichnete den künftigen Ruheständler als „Vollblutpädagogen“, für den immer die Schüler im Mittelpunkt standen – „er denkt Schule immer von den Schülern aus“. Sproll bedankte sich für die Erziehungsarbeit und die Zusammenarbeit „in leisen und in lauten Tönen“. Sie bedauerte, nicht gleich einen Amtsnachfolger präsentieren zu können. Das soll im Laufe des nächsten Schuljahres geschehen.

Oberbürgermeister Gerold Rechle hob bei der Verabschiedungsfeier hervor, wofür sich Johannes Welz besonders eingesetzt hat: für die Erklärung als „Schule ohne Rassismus“, die Ganztagsbetreuung, die Schulsozialarbeit, die Bildungspartnerschaften und vor allem den Wandel zur Gemeinschaftsschule. Welz sei regelmäßig Gast im Jugendhaus gewesen. „Die Jugendarbeit liegt dir besonders am Herzen“, sagte Rechle. Er ging auch auf das außerschulische Engagement als Stellvertreter im Festausschuss des Kinder- und Heimatfests ein.

In seinen Abschiedsworten gewährte der scheidende Schulleiter einen Blick in sein Inneres. Dabei wurde deutlich: Der Pädagoge würde seinen Beruf wieder wählen. Dieser sei „toll“, stellte er fest, er bringe „immer wieder Neues“. Mit den Änderungen der Schularten sei nicht nur das Türschild ausgetauscht worden. Die Konzeptionen hätten sich gewandelt. „Die Schule ändert sich wie auch die Gesellschaft.“

Johannes Welz zeigte sich abgeklärt: Bei Reformen sei man häufig zu dem zurückgekehrt, was früher schon dagewesen sei. Er nannte als Beispiel die Individualisierung des Lernens und bekannte: „Manche Veränderungen haben sich mir nicht immer erschlossen.“

Welz erzählte beim Rückblick auch „von den dunklen Wolken der Erinnerung“, etwa bei der Auflösung von Hauptschulen. Zu den schönsten Erinnerungen zählten Schulgottesdienste oder Schülerpräsentationen. Er bedauerte die Vorurteile wegen des hohen Migrantenanteils an der Schule. Welz hofft, dass die Schule in Zukunft räumlich besser ausgestattet wird. Mit etlichen Anekdoten brachte er die Gäste zum Lachen. Er werde in Zukunft den Umgang mit Schülern vermissen, glaubt er. Der Scheidende bedankte sich für die Loyalität – zum Schluss versagte fast die Stimme.

Mit einem „Heimatfestlied für Herrn Welz“ überraschte zum Abschluss das Kollegium.

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