Unter Beobachtung

Lesedauer: 6 Min

Die Wasserversorgung Laupheims fußt auf drei Säulen. Die Nitratwerte unterscheiden sich deutlich, liegen aber alle unter dem ge
Die Wasserversorgung Laupheims fußt auf drei Säulen. Die Nitratwerte unterscheiden sich deutlich, liegen aber alle unter dem gesetzlichen Grenzwert. (Foto: Roland Weihrauch/dpa)
Redaktionsleiter

Rund 200 000 Kubikmeter Wasser haben die Privathaushalte und Betriebe in Unter- und Obersulmetingen im Schnitt der vergangenen vier Jahre vom Zweckverband Wasserversorgung Mühlbachgruppe mit Sitz in Schemmerhofen bezogen. Der Nitratgehalt liegt unter dem gesetzlichen Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter. Dennoch hat das Wasserwirtschaftsamt das Schutzgebiet der Wasserfassung Höfen (Gemarkung Warthausen), die die beiden Laupheimer Teilorte versorgt, im Oktober 2017 von der Nitratklasse 2 („Problemgebiet“) in die Nitratklasse 3 („Sanierungsgebiet“) hochgestuft. Seither gelten dort verschärfte Auflagen für die Landwirtschaft.

Die SPD-Fraktionsvorsitzende im Laupheimer Gemeinderat, Brigitte Schmidt, hat jüngst in ihrer Haushaltsrede auf die Neubewertung hingewiesen. Die SPD sehe Handlungsbedarf, sagte sie. Es müssten Anstrengungen unternommen werden, den Nitratwert bei der Mühlbachgruppe zu senken, „so dass er sich den Werten der Rottum- und der Iller-Rißtal-Gruppe annähern kann“. Oberbürgermeister Gerold Rechle sagte zu, das Thema beim Verbandsvorsitzenden der Mühlbachgruppe, Schemmerhofens Bürgermeister Mario Glaser, anzusprechen.

Das Wasser des Zweckverbands Iller-Rißtal, der die Kernstadt Laupheim und Bihlafingen beliefert, wies 2017 einen Nitratwert von 24 mg/l auf. Bei der Rottumgruppe, an die Baustetten angeschlossen ist, waren es nur 18 mg/l, bei der Mühlbachgruppe dagegen 40. Die dortige Entwicklung stehe „nach wie vor unter genauerer Beobachtung“, heißt es im aktuellen Wirtschaftsplan der Stadtwerke Laupheim.

2500 Wasserschutzgebiete gibt es in Baden-Württemberg. Jedes Jahr werden sie mithilfe eines Auswertungsmoduls der Landesanstalt für Umweltschutz neu klassifiziert, erläutert der Leiter des Biberacher Wasserwirtschaftsamts, Jürgen Nagler. Von den 44 Schutzgebieten im Landkreis Biberach wurden zuletzt 18 in die Nitratklasse 1 („niedrige Belastung“) eingestuft. Sechs rangieren zurzeit in der Klasse 3 („Sanierungsgebiet“), darunter erstmals die südlich von Schemmerhofen gelegene Fassung Höfen der Mühlbachgruppe.

Dort greifen deshalb jetzt strengere Regeln für die Bodenbearbeitung und beim Düngen. Wie in Wasserschutzgebieten der Nitratklasse 2 gilt eine Begrünungspflicht auf Ackerflächen, die vor dem 1. September abgeerntet sind. Die Pflanzen sollen als Puffer dienen, Nitrat nutzen und speichern. In „Problemgebieten“ dürfen sie ab dem 1. Dezember in den Boden eingearbeitet werden, in „Sanierungsgebieten“ erst ab dem 1. Februar des Folgejahres oder – wenn hinterher Mais gesät wird – ab März. Auch das Ausbringen von Festmist ist stärker reglementiert; für Gülle und Mineraldünger sind die Sperrfristen identisch. Den betroffenen Landwirten zahlt das Land für die eingeschränkte Bewirtschaftung der Flächen einen Ausgleich.

Jürgen Nagler ist gespannt, wie das Schutzgebiet Höfen diesen Herbst eingestuft wird. Er sagt: „Wir wollen von der Nitratklasse 3 wieder runter.“

„Genügt allen Anforderungen“

Dass der Nitratwert bei der Wasserfassung Höfen höher liegt als andernorts, ist für Mario Glaser eine Folge der intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen im Rißtal. Der Verbandsvorsitzende der Mühlbachgruppe betont: „Wir liegen nie über dem Grenzwert, unser Wasser genügt den gesetzlichen Anforderungen, die an Trinkwasser gestellt werden, vollumfänglich.“ Das werde monatlich von einem unabhängigen Institut geprüft, „die Ergebnisse ver- öffentlichen wir regelmäßig“. Die Untersuchung im Februar ergab laut Protokoll 36 und 40 mg/l.

Der Grenzwert von 50mg/l ist besonders mit Blick auf Säuglinge wichtig, erklärt Dr. Monika Spannenkrebs, Leiterin des Biberacher Gesundheitsamts. In den ersten sechs Monaten könne sich bei ihnen ab diesem Wert Nitrit aus Nitrat bilden, wodurch der Sauerstofftransport im Blut gestört werden kann. Sollte der Grenzwert überschritten werden, müssten Brunnenbetreiber die Öffentlichkeit unverzüglich informieren, dass das Wasser für Babys nicht geeignet ist.

Mario Glaser sieht keine Möglichkeit, kurzfristig etwas zu machen, um den Nitratwert zu senken. Eine Zumischung von anderem Wasser funktioniere in diesem Fall nicht. In den nächsten vier bis fünf Jahren wolle die Mühlbachgruppe ihre Anlagen sanieren und erneuern; in diesem Zusammenhang könne man überlegen, eine Technik einzubauen, die den Nitratwert durch eine sogenannte Ionisierung des Wassers senkt. „Das würde sich dann aber auf den Wasserpreis auswirken.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen