Ungewöhnliche Kampagne für Tierschutz: „Ich möchte nicht missionieren, sondern überzeugen“

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Lässt seinen Standpunkt zum Tierschutz über die Fernstraßen rollen: Spediteur Markus Barth. (Foto: Barbara Braig)
Barbara Braig

„Nichts wird die Chance auf ein Überleben auf der Erde so steigern wie der Schritt zur vegetarischen Ernährung.“ Zitate wie dieses von Albert Einstein sind seit Jahren an den Wänden der Geschäftsräume und auf den Planen der Lkw-Auflieger der Spedition Barth aus Laupheim zu finden.

So mancher Autofahrer überlegt beim Anblick der ungewöhnlichen „Werbung“ wohl, was dahinter stecken könnte. Verantwortlich für die Aktion ist Markus Barth. Der Firmenchef ist seit Langem Vegetarier und überzeugter Tierschützer.

Seit 17 Jahren Vegetarier

„Vor 17 Jahren haben meine Frau und ich beschlossen, uns vegetarisch zu ernähren“, erzählt Barth. Dabei stand anfangs der gesundheitliche Aspekt im Vordergrund. „Zunächst hatten wir den Fleischkonsum nur reduziert, doch je mehr wir uns mit dem Thema Fleischproduktion beschäftigten, desto wichtiger wurden die ethischen Gründe“, sagt der Unternehmer.

Mastfutter, BSE-Krise und vor allem die Massentierhaltung vergällten den Barths endgültig die Lust am Fleischgenuss. Dabei wuchs Markus Barth mit der Landwirtschaft auf. Diese jedoch habe mit der heute vorherrschenden „Tierproduktion“ nicht mehr viel gemein, sagt er: Spaltböden statt Einstreu in den Ställen, Antibiotika im Futter, zum Teil lange Transportwege zu den Schlachthöfen.

„Seit ich im Rahmen eines beruflichen Termins im Schlachthof war, habe ich gar kein Fleisch mehr gegessen“, erzählt Barth. „Zudem verschwenden wir Ressourcen, denn pflanzliche Nahrung herzustellen, erfordert wesentlich weniger Einsatz von Wasser und Fläche.“ Würden die Menschen weniger oder kein Fleisch konsumieren, gäbe es keine Lebensmittelknappheit, ist er überzeugt.

Vor rund zwölf Jahren beschloss der Spediteur, mit seiner Überzeugung an die Öffentlichkeit zu gehen. Seither finden sich auf den Lkw-Planen Zitate weltberühmter Menschen, die Vegetarier waren, wie Gandhi, Albert Schweitzer, Theodor Heuss oder Einstein, sowie Barths persönlicher Leitspruch „Tiere achten statt schlachten“.

Barth möchte die Menschen zum Nachdenken anregen, mit ihnen ins Gespräch kommen. „Ich möchte nicht missionieren, sondern überzeugen.“ 2008 wurde er von der Tierrechtsorganisation Peta Deutschland mit dem „Progress-Award tierfreundlichste Spedition“ ausgezeichnet. Darauf ist er stolz.

Keinen Kunden verloren

Die Resonanz bei der Kundschaft sei bisher immer positiv gewesen, sagt er: „Ich habe keinen einzigen Kunden dadurch verloren.“ Viele Geschäftspartner unterstützten sein Engagement. Aus ganz Deutschland und auch aus dem Ausland erhält Barth Briefe von Tierschützern, die ihm für die Aktion danken. Mittlerweile füllen die Schreiben einen ganzen Ordner. Die Fahrer würden unterwegs des Öfteren angesprochen; oft gebe es einen erhobenen Daumen von anderen Verkehrsteilnehmern.

Auch die Tierschutz-Organisation „Animals‘ Angels“ wurde so auf die Spedition in Laupheim aufmerksam und fragte an, ob Markus Barth bereit wäre, sie mit Planen-Werbung zu unterstützen. „Ich kenne die Organisation schon länger und fördere sie auch“, sagt Barth. „Die Leute sind sehr engagiert und auf Spenden angewiesen.“ So fahren nun drei Barth-Lkw mit Planen, die zu Spenden für „Animals‘ Angels“ aufrufen, auf den Straßen Europas und sind ein Hingucker mit ihren 13 Metern Aufbaulänge. Allein das Bedrucken kostet pro Plane rund 3500 Euro, doch das ist es Markus Barth wert.

Die Einstellung des Firmenchefs spiegelt sich auch im Geschäftlichen: Lebendtiertransporte waren für die Spedition Barth noch nie ein Thema. „Ein Umdenken muss kommen“, sagt Markus Barth. „Nicht nur aus ethischen Gründen, sondern damit die Menschheit langfristig überleben kann.“ Damit schließt sich der Kreis zu Albert Einstein.

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