Unbekannte sabotieren Lastwagen

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Dieser Lkw brannte Mitte Dezember auf dem Weg nach Koblenz aus. (Foto: Bernd Hüttner)
Schwäbische Zeitung
Redaktion Laupheimer Anzeiger

Es ist eine Horrorvorstellung für wohl jeden Autofahrer: An einem Lkw löst sich ein Rad und schlägt mit voller Wucht in den Gegenverkehr ein. „So ein Rad wiegt mehr als 100 Kilogramm“, sagt Markus Barth von der gleichnamigen Spedition in Laupheim. „Wenn das während der Fahrt von der Zugmaschine abspringt, dann sind Menschenleben in Gefahr.“ Der Lkw selbst kann ins Schleudern kommen – nicht auszudenken, was passieren könnte, wenn ein 40-Tonner in andere Verkehrsteilnehmer kracht.

Doch genau ein solches Szenario scheinen bisher unbekannte Täter seit rund einem Jahr bei Fahrzeugen der Spedition Barth zu riskieren. Damals stellte ein Fahrer der Firma fest, dass immer wieder Radmuttern an verschiedenen Fahrzeugen gelockert waren. „Zunächst dachten wir, die Reifen seien fehlerhaft montiert worden“, sagt Markus Barth. „Wer denkt schon daran, dass jemand so etwas mit Absicht macht.“ Dennoch kam ihm das Ganze merkwürdig vor: „Ich leite seit 23 Jahren die Spedition, aber so etwas ist bei uns noch nie passiert.“

Doch die Vorfälle häuften sich; Barth wurde misstrauisch. Natürlich, versichert er, habe man bei jeder Abfahrtskontrolle die Radmuttern besonders in Augenschein genommen. Dennoch gipfelte die unheimliche Serie am 10. Dezember auf der Fahrt nach Koblenz in einem dramatischen Zwischenfall: Einer von Barths Sattelschleppern fing Feuer und brannte vollständig aus. Ein Gutachter stellte fest, dass die Radmuttern komplett fehlten. Das äußere Rad des Zwillingsreifens fiel in der Folge auf die Fahrbahn, das innere Rad rieb am Rahmen und geriet in Brand. Innerhalb weniger Minuten griff das Feuer auf das komplette Fahrzeug über. Der Fahrer erlitt beim Versuch, den Lkw zu löschen, eine Rauchvergiftung. „Zum Glück hat er sich wieder vollständig erholt“, zeigt sich Barth erleichtert.

Ab diesem Zeitpunkt war dem Firmenchef klar, dass die Vorfälle kein Zufall sein können. Er erstattete bei der Polizei in Koblenz Anzeige. Besonders seltsam: Vermutlich hat sich der Täter erst unterwegs, auf einem Rastplatz an der A61, an dem Fahrzeug zu schaffen gemacht. „Die Radmuttern wurden in Laupheim noch überprüft“, dessen ist sich Barth sicher.

Im neuen Jahr setzt sich die Anschlagserie nun fort. Meist werden die gelockerten Radmuttern noch auf dem Firmengelände festgestellt. Der jüngste Zwischenfall jedoch ereignete sich am vergangenen Montag bei der Firma Jermi in Baustetten. Nur eine halbe Stunde stand der Lkw unbeaufsichtigt dort. Unmittelbar nach dem Losfahren bemerkte der Fahrer ein Schlagen an der Vorderachse und stellte fest: Auch hier hatte jemand die Muttern gelöst.

Einen konkreten Verdacht, wer hinter den Anschlägen stecken könnte, habe er nicht, sagt Markus Barth. Er hält es aber für wahrscheinlich, dass es kein Einzeltäter ist, da die Fahrzeuge offensichtlich nicht nur auf dem Firmengelände manipuliert werden. Im Moment hat Barth vor allem einen Wunsch: „Ich hoffe, dass die Täter endlich einsehen, dass sie Menschleben gefährden.“

Wer am Montag, 21. Januar, zwischen 17 und 17.30 Uhr auf dem Gelände der Firma Jermi in Baustetten etwas Verdächtiges bemerkt hat, soll sich bei der Polizei in Laupheim, Telefon 07392/ 96300, melden.

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