Uhlmann wächst und expandiert

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Der Uhlmann-Stammsitz in Laupheim aus der Vogelperspektive. Dort, wo der rote Pfeil hinzeigt, entsteht entlang der Uhlmannstraße
Der Uhlmann-Stammsitz in Laupheim aus der Vogelperspektive. Dort, wo der rote Pfeil hinzeigt, entsteht entlang der Uhlmannstraße ein 75 Meter langes Bürogebäude mit bis zu 400 Arbeitsplätzen. Im September soll Baubeginn sein. (Foto: Mario Siegemund/Uhlmann)
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Mehr Umsatz, mehr Mitarbeiter, millionenschwere Investitionen am Stammsitz Laupheim und im Ausland: Die Uhlmann-Gruppe, führender Systemlieferant für das Verpacken von Pharmazeutika, bleibt auf Wachstumskurs.

Im Geschäftsjahr 2017/2018 (Stichtag: 31. März) kletterte der Umsatz um zehn Prozent auf 411 Millionen Euro. Der Auftragseingang erreichte 409 Millionen (Vorjahr: 428 Mio.) „Wir machen nach wie vor gute Geschäfte“, resümierte Norbert Gruber, Vorsitzender der Geschäftsführung, am Donnerstag bei einem Pressegespräch.

Zum Ertrag macht das Familienunternehmen keine Angaben. „Wir sind ähnlich zufrieden wie im Vorjahr“, sagt Tobias Uhlmann, Vorsitzender des Aufsichtsrats und Enkel des Firmengründers. Die Belegschaft darf sich erneut auf eine Sonderzahlung freuen.

Fünf produzierende Unternehmen gehören zur „Uhlmann Group“, sie werden künftig unter dem Dach einer Holding zusammengefasst: Uhlmann Pac-Systeme in Laupheim, mit einer Exportquote von gut 80 Prozent weltweit die Nummer eins, wenn es darum geht, Medikamente in Blister und Kartons zu bringen; die Firma Koch in Pfalzgrafenweiler (Verpackungslösungen für Konsumgüter und Health Care); die Firma Cremer in der niederländischen Stadt Lisse (Zähl- und Verpackungssysteme für Pharmazeutika, Lebensmittel und Agrikultur); die Firma Wonder in Jinzhou/China (Pharma-Verpackungsmaschinen); und Visio-Tec in Laupheim (Messtechnik und Sensorik).

Auch künftig sollen Verpackungslinien für die Pharmaindustrie im Mittelpunkt stehen. „Mit unserem Know-how wollen wir uns aber zusätzliche Geschäftsfelder erschließen“, sagt Tobias Uhlmann. So verpackt etwa Technik aus dem Hause Koch Zahnbürsten, Büroartikel, Kontaktlinsen und vieles mehr. Produkte von Cremer zählen nicht nur Tabletten, sondern auch Tulpenzwiebeln und Mini-Schokoriegel.

Weitere neue Stellen geplant

Insgesamt beschäftigt die Uhlmann-Gruppe 2248 Mitarbeiter, fast 200 mehr als vor einem Jahr. Bei Uhlmann in Laupheim arbeiten aktuell 1350 Menschen, mehr als 50 weitere Stellen sind geplant.

„Uhlmann wächst stark und will auch in Zukunft wachsen“, sagt Norbert Gruber. Um dafür gerüstet zu sein, wird kräftig investiert. In Laupheim zündet die nächste Stufe zur Erweiterung und Neugestaltung der Firmenzentrale. Im September soll Spatenstich sein für ein vierstöckiges Bürogebäude mit bis zu 400 hochmodernen Arbeitsplätzen. Der 75 Meter lange Neubau an der Uhlmannstraße kostet 15 Millionen Euro und soll im Frühjahr 2020 bezugsfertig sein. Dann kehren 400 Beschäftigte, die wegen Platznot in angemietete Räumen im Business Park Ehingen umziehen mussten, nach Laupheim zurück. Der Entwurf des neuen Bürogebäudes stammt von den Berliner Architekten Barkow Leibinger, die bereits die 2016 in Betrieb genommene Montage- und Logistikhalle konzipiert haben.

Zurzeit wird das Verwaltungsgebäude in Laupheim umfassend saniert und renoviert, danach sind die Technikbüros an der Reihe. Einen „mittleren einstelligen Millionenbetrag“ wendet Uhlmann dafür auf.

Erweitert wird auch die Firma Wonder. Eine neue Halle soll die Fertigungs- und Montagefläche verdoppeln, Maschinenpark und Produktpalette werden vergrößert. Wonder konnte zuletzt bemerkenswerte Verkaufserfolge auch in den USA vermelden; dort verpacken indische Pharmafirmen mit aus Indien eingeführten Rohstoffen und den in China gefertigten Maschinen des deutschen Eigners Uhlmann höchst konkurrenzfähig für den amerikanischen Markt.

„In naher Zukunft werden die Produktionskapazitäten in Laupheim ausgeschöpft sein“, sagt Gruber. Schon jetzt müsse man etliche Arbeitspakete fremdvergeben. Hinzu komme der sich verschärfende Fachkräftemangel in der Region. Vor diesem Hintergrund plant Uhlmann ein neues, zusätzliches Werk in Osteuropa. Ab 2021 sollen dort mechanische Bauteile gefertigt werden. Das Werk mit zunächst etwa 180 Mitarbeitern wird so ausgelegt, dass es auch den anderen Unternehmen der Uhlmann-Gruppe zuliefern kann.

Die Standortsuche beginnt

Nach Sondierungen in zehn osteuropäischen Ländern haben Aufsichtsrat und Vorstand entschieden, das neue Werk in Polen zu bauen. Es gebe dort ausreichend Fachkräfte, die Produktionskosten sind niedriger als in Deutschland. Im südlichen Landesteil von Polen wird jetzt der Standort gesucht. Norbert Gruber betont, dass dies nicht zu Lasten der Arbeitsplätze in Laupheim geht: „Wir verlagern nicht, sondern wir expandieren.“

Ihre Kompetenzen bei der Verpackung von Arznei in Flaschen will die Uhlmann-Gruppe künftig bei Cremer bündeln. Dieser Produktionszweig wird bis 2020 von Oberschwaben in die Niederlande verlegt. Die knapp drei Dutzend Mitarbeiter in Laupheim, die davon betroffen sind, können mitwechseln, haben aber in jedem Fall eine Beschäftigungsgarantie. „Wir haben in vielen Bereichen Bedarf“, betont Norbert Gruber. Das Ziel sei, auch im Flaschengeschäft Weltmarktführer zu werden.

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