„Träume und Ziele muss man haben“

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Verbindet in Budapest Medizinstudium mit Fechtsport: Vanessa Heinz
Verbindet in Budapest Medizinstudium mit Fechtsport: Vanessa Heinz (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Wenn am Wochenende des 23. und 24. November die weltbesten Junior-Fechterinnen beim Uhlmann-Cup in Laupheims Hallen gegeneinander antreten, dann gibt es auch ein Wiedersehen mit der früheren TSV-Fechterin Vanessa Heinz, die vor zwei Jahren nach Heidenheim wechselte, als ihr Trainer Toni Takacs aufhörte – und die heute in Budapest studiert, im Fechtsport wieder gefördert von dem Top-Trainer. Im Interview mit SZ-Redakteur Axel Pries erklärt die 19-Jährige, wie es dazu kam, wie sie Studium und Spitzen-Fechtsport verbindet – und was es ihr bedeutet, noch einmal in Laupheim anzutreten.

SZ: Nachdem der Trainer Toni Takacs seine Laufbahn vor zwei Jahren in Laupheim beendet hat, haben Sie die doch bis dahin erfolgreiche Fechtabteilung des TSV Laupheim verlassen und sind nach Heidenheim zum Bundesstützpunkt des Fechtsports gegangen. Warum eigentlich?

Vanessa Heinz: Es gab zwei Gründe für den Wechsel nach Heidenheim. Einmal der sportliche Aspekt. Ich war schon die letzten beiden Jahre meiner Zeit in Laup-heim zwei Mal wöchentlich in Heidenheim im Training. In Heideheim gibt es einfach mehr Trainingspartner. In Laupheim wird zweimal und in Heidenheim dreimal wöchentlich trainiert. So hatte ich mit dem Wechsel die Möglichkeit, bis zu fünf Trainingseinheiten zu absolvieren. Die Rückkehr von Toni Takacs fiel auch mit meinen Wechsel zu den Junioren zusammen. Die Junioren-, Aktive- und U23-Ranglistenturniere finden weltweit statt. Die Betreuung bei Turnieren – immerhin 15 bis 20 – kann vom Trainerteam in Laupheim zeitlich nicht gewährleistet werden, ist doch der Nachwuchs ebenfalls auf Unterstützung bei den zum Teil gleichzeitigen Turnieren angewiesen.

Der zweite Aspekt war rein finanzieller Natur. Die Organisation und Kosten für die Teilnahme an den Turniere und Lehrgängen konnten von meiner Familie und der Fechtabteilung des TSV Laupheim nicht gestemmt werden. Da nicht nur ich sondern ebenfalls ein Trainer zu finanzieren ist. So kommt ein Fechtwochenende in Helsinki schon mal auf 500 bis 1000 Euro. Finanzielle Unterstützung vom Verband oder sonstigen Organisationen bekommt man relativ wenig.

Heute studieren Sie in Budapest und trainieren wieder mit Toni Takacs. Hängt das eine mit dem anderen zusammen? Wie trainieren Sie heute?

Die Studienplätze für Medizin sind in Deutschland bekanntlich schwer zu bekommen. Das sportliche Engagement und die Zugehörigkeit zu einem Bundeskader werden nicht berücksichtigt. Ich wollte meinen langen Traum eines Medizinstudiums nicht so schnell aufgeben. Nach einem FSJ und einem weiteren Jahr des Wartens und Abwägens – „Fechten oder Studium“, „Anderes Studienfach“ oder „Fechten und Studium“ – ergab sich die Möglichkeit im Ausland zu studieren. Ich habe mich an diversen Unis beworben und Aufnahmetests gemacht. Die Semmelweis-Universität in Budapest hat zwar ebenfalls ein Auswahlverfahren für die wenigen Studienplätz, hier haben aber vermutlich mein naturwissenschaftlichen Schwerpunkte und die Abiturnote den Ausschlag gegeben. Die Möglichkeit mit Toni Takacs, der in Budapest weiterhin als Trainer fungiert, die erfolgreiche Arbeit der letzten zwölf Jahre fortzusetzen, war dann ausschlaggebend für die Entscheidung, nach Budapest zu gehen.

So habe ich Anfang September dort mit dem Studium begonnen. In Budapest kann ich so den Traum Medizinstudium und Fechten leben.

Ich habe mich dem Verein Honved Budapest angeschlossen, der schon mehrere Medaillengewinner und -gewinnerinnen bei Weltmeisterschaften und Olympia hervorgebracht hat. Die Trainingsmöglichkeiten sind noch besser als in Heidenheim. Dienstags kann ich durch die Kontakte von Toni Takacs sogar mit dem ungarischen Juniorinnennationalkader in meiner Halle trainieren. Die Trainingshäufigkeit mache ich von Lernpensum und den Vorlesungen abhängig. So komme ich auf zwei bis vier Trainingseinheiten in der Woche. Sollte die Zeit mal extrem knapp sein, ist Herr Takacs auch bereit, mir nur eine Einzellektion nach meinem Zeitplan zu geben. Für meinen dritten Verein Honved nehme ich als zusätzliche Wettkampfpraxis noch an ungarischen Ranglistenturnieren teil.

Als Top-Fechterin sind Sie viel unterwegs, treten in zahlreichen Städten bei Turnieren und Meisterschaften an. Wie verträgt sich das mit Ihrem Studium der Medizin?

Zeit ist eigentlich das was mir fehlt. Vorlesungen und Praktika, bei denen man mindestens 75 Prozent besucht haben muss, dazu Prüfungen während des Vorlesungszeitraums und dann die Reisen zu den Turnieren: Das unter einen Hut zu bekommen, ist schon etwas schwierig. So bin ich gleich bei meiner ersten Prüfung durch Nichtteilnahme durchgefallen, weil ich beim Fechten in Split war. Der Nachschreibtermin fiel dann ausgerechnet auf meine geplante Reise nach Hamburg zum Turnier. Aber inzwischen ist die Prüfung bestanden. Bis jetzt klappt es durch die organisatorische und finanzielle Unterstützung aus der Heimat ganz gut. Meine ungarischen Fechtkolleginnen und Herr Takacs unterstützen mich beim ungarisch lernen. Die Reisezeit nutze ich danke Tablet und Internet zum Lernen. Das Studium steht für mich aber schon an erster Stelle und ab und zu muss das Training halt darunter leiden. Bei wichtigen Turnieren ist es umgekehrt.

Haben Sie im Fechtsport noch Träume?

Träume und Ziele muss man haben. Mein Nahziel ist die Qualifikation für die Teilnahme an den Juniorenweltcups in diesem Jahr und dadurch die Möglichkeit zur EM- und WM-Qualifikation. Bei den Weltmeisterschaften in Salt Lake City nächstes Jahr teilzunehmen, ist schon ein Traum. Ein weiterer Traum für die nahe Zukunft ist die Teilnahme am Aktiven Weltcup in meiner neuen Heimat Budapest und dann warten wir mal ab wie sich das Fechten mit dem Studium verträgt.

Wenn Sie beim Uhlmann-Cup in Laupheim antreten, kämpfen Sie wieder in einer Ihnen wohlbekannten Umgebung. Was bedeutet Ihnen das?

Ich habe mich von Laupheim nicht komplett verabschiedet. Ich bin weiterhin Vereinsmitglied. Meine Familie ist in der Fechtabteilung engagiert. Ich habe in der Zeit vor meinem Umzug nach Budapest regelmäßig in Laupheim trainiert. Meine ehemaligen Laupheimer Fechtkollegen haben mich in Budapest besucht. Die Fechtabteilung des TSV Laupheim hat mir zu Beginn meiner Karriere die Möglichkeit gegeben, da zu sein wo ich heute stehe. Das will ich nicht vergessen.

Ein Turnier in der eigenen Halle ist natürlich immer was Besonderes. Die Familie und Freunde sind da. Feuern mich hoffentlich an, fiebern mit. Das ist für viele das einzige Mal, dass sie mich bei meinem Sport sehen können. Die ungarischen Fechtkolleginnen kommen in meine Heimat. Es ist aber auch mein letztes Turnier in Laupheim, da ich nächstes Jahr nicht mehr für die Junioren startberechtigt bin, und so versuche ich das Turnier mit Toni Takacs, der mich begleiten und betreuen wird, mit einem guten Ergebnis abzuschließen.

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