Tel Aviv zeigt Friedrich Adler

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Dieses Seder-Gerät hat Friedrich Adler 1914 entworfen. (Foto: Jürgen Spindler)
Roland Ray

70 Jahre nach seiner Ermordung in Auschwitz kommt der in Laupheim geborene jüdische Künstler und Hochschullehrer Friedrich Adler (1878 - 1942), einer der wichtigsten deutschen Vertreter des Jugendstils und des Art déco, zu neuen Ehren: Erstmals wird sein Werk in Israel ausgestellt, im renommierten Tel Aviv Museum of Art.

„Friedrich Adler: Ways and Byways“ (Wege und Seitenwege) heißt die Schau, die vom 26. Oktober bis 29. Dezember zu sehen ist. Gezeigt wird ein Querschnitt durch Adlers Schaffen, darunter jüdische Kultgeräte für den Gebrauch daheim und in der Synagoge.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Buntglasfenster „Zwölf Stämme Israels“ (1919), die Adler für das Hofgut Markenhof im Hochschwarzwald, ein Lehrgut für junge auswanderungswillige Zionisten, entwarf. Die Fenster wurden 1931 ausgebaut und nach Tel Aviv gebracht. Sie lagerten lange Jahre im Depot des Museum of Art; erst 1994, anlässlich der Friedrich-Adler-Ausstellung in München, konnten sie nach gründlicher Restaurierung wieder besichtigt werden. Im Laupheimer Museum zur Geschichte von Christen und Juden befindet sich eine Zweitfertigung.

Laupheim wird die aktuelle Ausstellung in Tel Aviv mit vier Leihgaben bereichern. Der Museumsleiter Dr. Michael Niemetz schickt einen Kerzenleuchter, ein Aquarell, die von Adler designte Kunststofftasse von 1934 und ein vierteiliges Kaffeeservice nach Israel. Die ausgewählten Objekte stammen zum Teil aus der Adler-Sammlung von Ernst Schäll, die der Freundeskreis des Museums der Stadt Laupheim als Dauerleihgabe zur Verfügung stellt.

Dass die Kuratorin der Ausstellung „Ways and Byways“ auf Laupheim aufmerksam wurde, ist nicht zuletzt Yitzhak Heinrich Steiner zu danken, in seiner frühen Kindheit in Laupheim, jetzt in Israel zu Hause, Mitglied des hiesigen Museumsbeirats und des Freundeskreises. Er sagt: „Es bewegt mich sehr, dass Friedrich Adler in Tel Aviv ausgestellt wird.“

Weitere Leihgaben kommen aus Chicago und von der Adler-Tochter Rina Lior (93), die mit ihrer Familie zur Ausstellungseröffnung kommen will. Es spricht der deutsche Botschafter in Israel, Andreas Michaelis.

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