Stadt gestaltet beim jüdischen Friedhof einen Ernst-Schäll-Platz

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Roland Ray

Das Haus Judenberg 24 am Eingang zum jüdischen Friedhof, 1907 als Leichenhalle und Wohnquartier für den Friedhofswärter erbaut, soll eine Begegnungs- und Gedenkstätte werden, in der sich Besucher über die Geschichte des guten Ortes informieren können. Im Sommer 2012 gab der Gemeinderat grünes Licht, in die Sanierung einzusteigen. Vor wenigen Tagen haben nun die Rohbauarbeiten begonnen.

Wegen des langen Winters sei man fünf Wochen in Verzug, berichtete Thomas Mayer vom Baudezernat am Montag dem Bau- und Umweltausschuss. Die Außenfassade soll bis August fertig sein, das Gebäudeinnere im Oktober.

Im Hauptraum wird eine vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg gestaltete Powerpoint-Präsentation die Entstehung des Leichenhauses und des Friedhofs schildern und über die Laupheimer Chewra Kadischa berichten, eine Begräbnisbruderschaft, die sich um die Bestattung der Toten kümmerte.

Der Raum diene zum Empfang und zur Vorbereitung von angemeldeten Besuchergruppen, die danach über den Friedhof geführt werden, erklärte Bürgermeister Rainer Kapellen. „Regelmäßige Öffnungszeiten sind nicht vorgesehen.“

Vor dem Haus will die Stadt einen Platz gestalten und ihn nach Ernst Schäll benennen. Der 2010 gestorbene Laupheimer Ehrenbürger hat mehr als 120 Grabsteine auf dem Friedhof restauriert und maßgeblich dazu beigetragen, die jüdische Geschichte der Stadt vor dem Vergessen zu bewahren. Entwürfe für den Platz, eingebettet in ein Gesamtkonzept Judenberg, will Kapellen in Bälde präsentieren.

Umbau und Sanierung des ehemaligen Leichenhauses kosten voraussichtlich 330 000 Euro. Dazu kommen 190 000 Euro für Straßen- und Kanalarbeiten am Judenberg und etwa 50 000 Euro für die Gestaltung des Ernst-Schäll-Platzes. Aus dem Stadtsanierungsprogramm fließen Zuschüsse. Yitzhak Heinrich Steiner, dessen Familie 1936 unter dem Druck der Nazis nach Sankt Gallen übersiedelte, sammelt Spenden für das Projekt.

Die Gesamtkosten – 570 000 Euro – seien nicht von Pappe, bedeutete Burkhard Volkholz (CDU). Die Stadt erhalte freilich einen Gegenwert: der historische Judenberg werde in würdevoller Form aufgewertet. Im Übrigen, so Volkholz, dürfe es hier kein Zaudern geben: „Wir haben immer gesagt, dieses schwierige Thema ist uns das Geld wert.“

Leider sei es nicht gelungen, eine rollstuhlgerechte Toilette in das Haus Judenberg 24 zu integrieren, bemängelten Martina Miller (SPD) und Werner Lehmann (Freie Wähler). Das Baudezernat begründet dies damit, dass die erforderliche Rampe etwa 12 Meter messen müsste und den ganzen Vorplatz des Hauses in Anspruch nehmen würde. Ein Zugang von der Friedhofseite sei ausgeschlossen. Für ein rollstuhlgerechtes WC im Erdgeschoss fehle der Platz; der Denkmalschutz habe es abgelehnt, eine historische Zwischenwand zu entfernen.

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