So war die Premiere der 14. Laupheimer Drummerparty

dih und Diana Hofmann

Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Lösungen: So hat Michael Porter am Freitag zur 14. Laupheimer Drummerparty ins coronakonforme Zelt an der Bühlerhalle eingeladen, und das Partyvolk ist gerne gekommen.

Eine „europäische Legende“ kündigte Porter mit dem Schlagzeuger Oli Rubow an. Auch andere, Kennern der Szene bekannte Namen wie Philipp Walch alias Stone, Hellmut Hattler und Siyou Isabelle, zogen. Mit dem Auftritt der Live-Techno-Band „Yi1“ dürfte jedoch so mancher Besucher über seinen musikalischen Tellerrand geblickt haben.

Bevor die mit Spannung erwartete Interaktion des Schlagzeugers Rubow mit dem Graffitikünstler Walch startete, gab Rubow einen interessanten Einblick in die Entstehungsgeschichte des Hiphop und der DJ-Kultur. 1973 hat der aus Jamaika stammende DJ Kool Herc bei der Geburtstagsparty seiner Schwester Platten aufgelegt und über die instrumentalen Passagen der Songs rhythmisch gesprochen. Nicht-Schlagzeuger hätten interessante Beats dazu gemacht, und davon habe er sich etwas abgeguckt, verriet Rubow.

Was genau, das bekam das Publikum dann vom „Trommler und DJ in Personalunion“ zu hören. Während Rubow mit seinem Schlagzeug elektronische Sounds imitierte, brachte Philipp Walch Farbe auf die große schwarze Fläche an der Bühnenrückwand. Zu sich wiederholenden Bassfiguren erschienen am Bildrand elliptische Formen in blau und gelb und in der Mitte ein blauer Halbkreis, aus dem langsam eine menschliche Silhouette hervortrat.

Der Soundtrack für die spannend zu beobachtende Entstehung des Graffitis wechselt vom Klangteppich über Rap und Frauengang bis hin zu funky Bläsern, durchgängig rhythmisiert von Rubow am Drumset. Nach etwa 40 Minuten war das Bild fertig und zeigte – natürlich – einen Schlagzeuger in Aktion. „Wer eine genügend große Wand im Wohnzimmer hat, kann das Werk ersteigern“, kündigte Michael Porter an (siehe Kasten).

Somit war die Bühne bereitet für die Basslegende Hellmut Hattler. Im Duo mit Oli Rubow spielte er Stücke aus seinem Album „Bass Cuts“. Mit unglaublicher Virtuosität ließ er die Finger über die Saiten seines E-Basses flitzen, kombinierte melodiöse Passagen mit klassischen Basslinien und ließ die Saiten auch mal ordentlich krachen – ganz nach dem selbst ausgegebenen Motto „Rhythmus in seiner schönsten Form“.

Als Duo-Partner löste dann Siyou den Schlagzeuger ab. Mit ihrer kraftvollen Stimme brachte sie eine neue Klangfarbe ins Spiel. Dazu kam ihre ansteckende Fröhlichkeit. Im Nu hatte sie das Publikum zum Mitklatschen und Mitsingen animiert. Ihre ganz eigenen Interpretationen von „Sometimes I feel like a motherless child“ oder „Lean on me” waren Ergebnis des intensiven Zusammenspiels mit ihrem Partner Hellmut Hattler. „Es ist schon ein unglaublicher Zufall, dass man jemanden findet, mit dem man blind drauflos rattern kann“, meinte Hattler.

Leicht im zeitlichen Verzug musste dann auf eine Zugabe verzichtet werden, damit die letzte Combo, YI1, sich auch noch anständig eingrooven konnte. Um Punkt 23 Uhr musste nämlich Schluss sein mit der Party, damit es keinen Ärger mit dem Ordnungsamt gab. In den verbliebenen 40 Minuten ließen die Laupheimer Andy Schnell (E-Gitarre), Konne Schädler (Keytar) und Philipp Schühle (E-Drums) Technoclub-Atmosphäre entstehen. Am Platz durfte zu dem Elektrosound getanzt werden, was nach ausdrücklicher Ermutigung durch Porter und Schnell auch etliche Partygäste taten. „Berlin“ hieß das letzte Stück, das den berühmten Kennedy-Satz „Ich bin ein Berliner“ in seine Einzelteile zerlegt und rhythmisch neu zusammensetzt. Ein gelungener Schluss einer gelungenen Premiere im Zelt.

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