So denkt die Behindertenbeauftragte der Stadt über die Barrierefreiheit in Laupheim

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 Annkatrin Schuh, Behindertenbeauftragte der Stadt Laupheim.
Annkatrin Schuh, Behindertenbeauftragte der Stadt Laupheim. (Foto: Privat)
Schwäbische Zeitung

Annkatrin Schuh ist die Behindertenbeauftragte der Stadt Laupheim. Die 24-Jährige hat Angewandte Gesundheitswissenschaften studiert und arbeitet seit August 2018 bei der Stadt. Im Interview mit SZ-Volontärin Anke Kumbier erklärt sie, wie sie die Situation von Menschen mit Behinderung in Laupheim einschätzt und welche Projekte anstehen.

Was sind Ihre Aufgaben als Behindertenbeauftragte der Stadt?

Ich bin Anlauf- und Vermittlungsstelle für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige. Den Euroschlüssel, der bundesweit für Behinderten-WCs gilt, gebe ich, bei Vorlage des Behindertenausweises und gegen ein Pfand, aus. Ich verzeichne die Behindertenparkplätze im Stadtplan und trage sie auf der Homepage der Stadt ein. Außerdem gehöre ich zum Arbeitskreis Inklusion; ich bin für die Ausschüttung von Stiftungsgeldern zuständig und nehme an Austauschtreffen mit anderen Behindertenbeauftragten teil.

Was bedeutet eigentlich Barrierefreiheit genau?

Dass etwas für jeden auffindbar, nutzbar und zugänglich ist. Dienstleistungen und Freizeitangebote müssen für jeden gelten und sollten ohne fremde Hilfe zugänglich sein. Ganz konkret beinhaltet Barrierefreiheit beispielsweise Rampen neben Treppen, Formulare in leichter Sprache, die Möglichkeit, dass Gehörlose an Vorträgen teilnehmen können und dass auch digitale Barrierefreiheit gewährleistet ist, indem Homepage-Texte vorgelesen werden. Die Webseite der Stadt soll dahingehend überarbeitet werden.

Was für den einen Barrierefreiheit bedeutet, ist es für den anderen eventuell nicht. Gibt es da Konflikte?

Je nach Behinderung sind die Ansprüche unterschiedlich. Für Menschen mit Sehbehinderung gibt es beispielsweise die weiß-geriffelten Streifen auf dem Gehweg. Um Straßen einfacher überqueren zu können, sollte es so viele Doppelquerungsstellen wie möglich geben, die sowohl eine ganz abgesenkte Bordsteinkante für Rollstuhlfahrer als auch eine höhere Kante für Menschen mit Sehbehinderung bieten. Mein Anspruch lautet: Ich kann nicht jedem Anspruch genügen, aber wir geben unser Möglichstes.

Wie schätzen Sie die Situation für Menschen mit Behinderung in Laupheim ein?

Wir sind auf einem guten Weg. Es wird immer Verbesserungspotenzial da sein, denn die Technik schreitet ja auch stets voran, aber wir haben die positiven Entwicklungen im Blick. Es gibt viele Ehrenamtliche, die sich für Menschen mit Behinderung engagieren. Da sind wir in Laupheim gut aufgestellt.

Gibt es Beschwerden zum Thema Barrierefreiheit/Inklusion, die seitens der Bürger an Sie herangetragen wurden?

Ich bin seit November 2018 im Amt und hatte bisher mit keiner Beschwerde zu tun, eher mit kleinen Hinweisen. Einer davon bezieht sich auf das Kopfsteinpflaster, das mit modernen Rollstühlen schwer zu befahren ist.

Stehen in nächster Zeit größere Maßnahmen oder Projekte mit Blick auf die Barrierefreiheit an?

Nach und nach sollen die Bordsteine und Bushaltestellen angepasst und saniert werden.

Was wären aus Ihrer Sicht dringende Maßnahmen?

Am zentralsten ist die Stadt-Homepage mit Vorlesefunktion. Eine weitere könnte eine öffentliche Toilette mit Liegefunktion sein, dass ist notwendig, wenn bei Menschen mit künstlichem Darmausgang das Stoma gewechselt werden muss. Das nächste Treffen des AK Inklusion ist im Herbst, da wird es bestimmt weitere Anregungen und Projekte geben.

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