Sie machen sein Ding

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„Ein Herz kann man nicht reparieren“: Michaela Popp sang diesen Lindenberg-Klassiker. An den Gitarren Peter Zoufal (Links) und J
„Ein Herz kann man nicht reparieren“: Michaela Popp sang diesen Lindenberg-Klassiker. An den Gitarren Peter Zoufal (Links) und Jürgen Schell. (Foto: Janis Ickenroth)
Schwäbische Zeitung
Susanne Ickenroth

Das Udo Lindenberg Tribute Acoustic Project (kurz „ULTAP“) hat am Freitag im Kulturhaus die Fans des Kultrockers begeistert. Bei ihrem dritten Konzert – das erste fand vor knapp zwei Jahren anlässlich Udos 70. Geburtstag in Biberach statt – hatten die Musiker sichtlich Spaß und Spielfreude.

Lockere Kneipenatmosphäre herrscht im Kulturhaus. Im hinteren Teil des Zuschauerraums ist eine gut besuchte Bar aufgebaut; Stehtische laden dazu ein, gemütlich ein Bier zu trinken. Alles sehr lässig und entspannt – bestimmt ganz im Sinne von Udo Lindenberg.

Schwarzer Hut und Sonnenbrille

Zur Titelmusik von „Tatort“ betreten die Musiker die Bühne, stilecht mit schwarzem Hut und Sonnenbrille. Gitarrist und Sänger Peter Zoufal begrüßt das Laupheimer Publikum, und schon geht’s los, mit der Ballade „Du warst immer bei mir“. Gleich darauf wird es fetziger mit dem Song „Andrea Doria“. Inzwischen sind auch die „Udo-Lindenberg-Cover-Mädels“ auf der Bühne, ebenfalls im Udo-Look mit Hut und Sonnenbrille. Carina Kienle, Jenny Vunc und Juliane Mohr überzeugen mit tollen Stimmen.

Die Formation ULTAP wurde von Peter Zoufal und dem Schlagzeuger Klaus Peter Harbort ins Leben gerufen. Harbort stammt ursprünglich aus Hamburg und hat Udo Lindenberg persönlich kennengelernt. Gemeinsam mit den anderen Musikern präsentieren sie einen Querschnitt aus über 40 Jahren Udo. Dabei wechseln sich bekannte und weniger bekannte Stücke ab; mal rockige Songs und mal Balladen. Interpretiert auf ganz eigene Art, im „akustischen Gewand“, wobei besonders die Klasse von Thomas Riether am Saxophon und an der Klarinette hervorzuheben ist.

Zu dem Klassiker „Cello“ kommt das Nesthäkchen der Band auf die Bühne. Nicole Waibel zieht das Publikum in ihren Bann, begeisterter Applaus belohnt ihre Darbietung.

Das schwerste Stück

Zwischen den Liedern erzählt Peter Zoufal aus dem Leben und Wirken von Lindenberg und wie es zu den einzelnen Songs kam. Das politische Stück „Sie brauchen keinen Führer“ entstand nach einem Anschlag auf eine Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Villingen-Schwenningen. Der Song „Einer muss den Job ja machen“ stammt aus der Zeit, in der Lindenberg stark alkoholabhängig war. Im Jahr 1977 handelte er sich mit dem Titel „Riki Masorati“ Ärger mit dem damaligen Rennfahrer Niki Lauda ein. Die Textzeile mit den angebrannten Ohren fand Niki wohl nicht so gut. Sentimental wird es bei dem Stück „Stark wie zwei“. Genau wie Udo Lindenberg hat auch Peter Zoufal einen Bruder verloren, weshalb dieser Song für ihn das schwerste Stück ist.

Einen „Special Guest“ holt sich die Formation mit James Nägele auf die Bühne. Nicht geprobt, wie Zoufal betont, performen sie gemeinsam „Reeperbahn“ – und das Publikum ist begeistert, klatscht und singt mit. Wie auch bei dem Titel „Sonderzug nach Pankow“, bei dem das Publikum gleich komplett die erste Strophe übernimmt. Überhaupt, der Funke ist längst übergesprungen, zwischen und neben den Stuhlreihen wird getanzt. So hat auch Michaela Popp, die den Gesangspart bei „Ein Herz kann man nicht reparieren“ übernimmt, keine Mühe, das Publikum mitzunehmen. Mit den Titeln „Boogie-Woogie-Mädchen“ und „Ich mach mein Ding“ wird diese Stimmung weitergetragen.

Die Textzeile „Ich bin irgendwie so traurig“ will so gar nicht zu der fast ausgelassenen Stimmung im Kulturhaus passen – umso lauter wird beim Refrain „Reeperbahn, du geile Meile“ wieder mitgesungen.

Sweet Home Altona

Bei der Zugabe greifen die Musiker auf Coversongs von Udo Lindenberg zurück. Eric Burdons „We’ve gotta get out of this place“ kommt in der Version „Wir müssen raus aus dem Dreck“, der Stones-Titel „Sympathy for the devil“ wird zu Udos „Symphatie für den Teufel“. Zum Schluss interpretieren die Musiker von ULTAP den Klassiker „Sweet Home Alabama“ von Lynyrd Skynyrd; in der deutschen Version heißt das: „Mein Zuhause ist in Altona“.

Doch noch immer wollen die Lindenberg-Fans die Musiker nicht von der Bühne gehen lassen. „Dann setzt euch nochmal hin“, sagt Peter Zoufal. „Es wird nochmal romantisch.“ Mit dem Titel „Good-bye sailor“ verabschieden sich zwölf tolle Musiker von der Bühne, die dem Publikum ein abwechslungsreiches, mitreißendes Musikerlebnis geboten haben.

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