Seelenverwandt mit den Mongolen

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Fasziniert von der Mongolei: die Fotojournalistin Sarah Fischer. (Foto: Roland Ray)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiter

„Wo sind meine Wurzeln?“ Sarah Fischer, in Freiburg aufgewachsen, hat es lange nicht gewusst. Als Baby wurde sie 1972 in Deutschland adoptiert. Die leibliche Mutter ist Asiatin, genaue Herkunft und Schicksal unbekannt.

Drei Jahre reiste Fischer durch Asien, auf der Suche nach Identität, in der Hoffnung anzukommen, dazuzugehören. Im Jahr 2000 glaubte sie fündig geworden zu sein: in der Mongolei, jenem hoch gelegenen Land zwischen Russland und China. „Ich war sofort akzeptiert und fühlte mich zu Hause“, erzählt die heute in München lebende Fotojournalistin. „Die Leute sagten verwundert: Warum spricht sie nicht unsere Sprache? Sie ist doch Mongolin. Das war ein Schlüsselerlebnis für mich.“

Mehrere Monate hat Sarah Fischer seither jedes Jahr in ihrer zweiten Heimat verbracht, die Sprache gelernt und die schier endlosen Weiten erkundet. In einem berührenden Vortrag berichtete sie zum Auftakt der Internationalen Laupheimer Fototage von Land und Leuten – und eng damit verknüpft von ihrer eigenen Geschichte. Sie hat Familienanschluss in der Mongolei gefunden, lebte mit Nomaden in einer Jurte, half Schafe und Yaks melken und Kaschmirziegen hüten – „ich werde immer voll eingespannt“.

Auf diese Weise gewann sie Einblicke, die anderen verborgen bleiben. Mit der Kamera dokumentierte sie Lebensumstände und Bräuche, porträtierte Menschen und die Natur. Sie war bei Schlittenrennen auf zugefrorenen Seen dabei, beim Kamel-Polo in der Halbwüste Gobi und bei der Jagd mit Adlern im Altai-Gebirge. Unterwegs ist sie meist zu Pferd („das Hauptverkehrsmittel“) oder mit einem alten, geländegängigen Kleinbus. Ihre exzellenten Kenntnisse über die Mongolei machen sich nicht zuletzt Reisebuchverlage und Fernsehteams zunutze. Mit Markus Lanz hat sie im vergangenen Jahr für das ZDF gedreht.

Ein Gentest brachte inzwischen Gewissheit: Sarah Fischer, vor Kurzem selbst Mutter geworden, ist eine Filipina. Damit kann sie sich erklärtermaßen wenig identifizieren, allein: „Ich habe meinen Frieden damit gemacht.“ Nickt und merkt lächelnd an, sie sei sich ganz sicher, dass zumindest väterlicherseits mongolisches Blut in ihren Adern fließt: „Woher sonst soll diese Leidenschaft kommen für dieses Land!?“

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