Schlichte Rezepte beleben Geist und Körper

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 Therapeutische Übungen im Laupheimer Dreifaltigkeitskloster.
Therapeutische Übungen im Laupheimer Dreifaltigkeitskloster. (Foto: ksc)
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Rastlos erscheint der Alltag zahlreicher Menschen: Sie hetzen von Termin zu Termin, stehen unter Zeitdruck im Job und erledigen selbst bis spät abends Verpflichtungen für Familie oder Verein. Da bleibt buchstäblich kaum Zeit zum Durchatmen. Aber bewusstes, tiefes Atmen kann der Schlüssel für Tiefenentspannung sein. Das ist die Erfahrung der Atemtherapeutin Hildegard Jocham. Verschiedenste Techniken hat sich die Expertin aus Erbach angeeignet und lehrt diese in kleinen Seminaren. Dabei nutzt sie unter anderem alte Rezepte der Hildegard von Bingen. Gemäß der Benediktinerin, die im 12. Jahrhundert lebte, kann der eigene Atem sogar heilende Wirkung entfalten. Die Heilpflanze Galgant, ein wärmendes, schmerzlinderndes Ingwergewächs, ist zum Beispiel eine typische Heilpflanze für eine Atemtherapie. „Scharfen Exoten“ nennt ihn Hildegard Jocham. Allerdings wächst er in unseren Breiten. Mithilfe von Heilkräuterdüften oder Ölen, sich im eigenen Heim ausbreitend, kann jeder diese Düfte tief ein- und ausatmen. „Über Mund und Nase können wir das inhalierte Fluidum in unsere Hände hineinwölken“, sagt Hildegard Jocham. Wenn man das in Stille mehrere Mal hintereinander getan habe, werde man sich seines Atmens plötzlich bewusster. „Unser Atem ist ein Seismograph unseres körperlichen Wohlbefindens“, sagt sie.

Doch wenn der duftgeschwängerte Hauch unseren Lungen entweiche, könne das durchaus heilend wirken. „Hauchen Sie in die Hände. Infolgedessen werden die Hände warm. Nun legen Sie die warmen Hände auf Ihre schwachen Körperstellen: Schultern, Nacken, Nieren, Leber.“ Diejenigen, die das mehrere Male an einem stillen Ort wiederholten, spürten die Tiefenwirkung bereits nach einigen Minuten. „Man fühlt sich sogleich beweglicher, beschwingter. Das Feine hilft und dringt in die Tiefe unseres Körpers.“

Anders, aber gleichsam einfach, kann ein anderes Rezept gute Stimmung sowie wohltuenden Schlaf erzeugen. „Gelöschter Wein ist ein anderes Hilfsmittel, das auf Hildegard von Bingen zurückgeht“, erklärt Jocham. „Man nehme guten Bio-Rotwein, erwärme diesen.

Er wird dann mit einer kleinen Menge Wasser abgelöscht, ungefähr ein Likörglas voll.“ Wer davon dreimal am Tag ein kleines Gläschen nippe, verscheuche Niedergeschlagenheit und drohende depressive Verstimmungen. „Das sei das beste Antidepressivum.“ Isst man dazu noch einen Energiekeks (siehe Rezept im Infokasten), der „wird schnell merken, wie die Energie in hektischen Zeiten zurückkehrt.“

Eine Variante des „gelöschten Weins“ kann insbesondere am Abend tiefen Schlaf bescheren: „Zwei Tassen guten Bio-Wein mit einer halben Tasse Wasser und einem halben Teelöffel Galgant schlückchenweise zu sich nehmen – danach werden sie wunderbar schlafen“, verheißt Hildegard Jocham.

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