Rund 1000 Kunden auf dem Nostalgiemarkt

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Schwäbische Zeitung
Milena Hänisch

Der Kleider- und Nostalgiemarkt in der Sammelzentrale Aktion Hoffnung bot wieder diverse Schätze zum Schnäppchenpreis. „Wir sind zufrieden, der Zulauf ist in etwa wie im Vorjahr“, berichtet Roman Engelhart, Betriebsleiter und Vorsitzender des Vereins.

„Schätzungsweise 800 bis 1000 Kunden kommen zu unserem Nostalgiemarkt, darunter einige Theatergruppen, die sich hier einkleiden und mit Requisiten eindecken.“ Inzwischen lockt der Markt überregionales Publikum aus einem Umkreis von mehr als 100 Kilometer an. Ein ganzes Jahr über wird in der Sammelzentrale gezielt für diesen Termin aussortiert – Petticoats, Fräcke, Zylinder, Pelze und vieles mehr. Ladenleiterin Sabine Neumann lobt die große Vielfalt. „Jeder sucht hier etwas anderes“, erzählt sie. „Aber eigentlich sucht man bei uns nicht, man findet etwas.“

„Ein richtiges Einkaufserlebnis“

Vera Schoenacker, eine junge Frau mit dunklen Locken, stimmt strahlend zu. „Das ist ein richtiger Erlebniseinkauf“, findet sie, als sie aus der Umkleide tritt. Sie hat eine schwarze Hose mit Nadelstreifen anprobiert und präsentiert nicht ohne Stolz das eingenähte Markenetikett. „Da muss ich ja nichts mehr sagen, das ist Qualität, die für sich spricht.“

Vieles ist tatsächlich neu

Viele der Waren tragen sogar noch das Verkaufsetikett. „Wir bekommen viele ungetragene Fehlkäufe. Bei uns ist deshalb vieles nicht nur neuwertig, sondern tatsächlich neu“, so Engelhart. „Die Kunden legen da Wert drauf“, ergänzt eine seiner Kolleginnen im Vorbeigehen, im Arm einen Schwung Oberteile. „Außer bei Leder, das darf immer etwas getragen aussehen.“ Schon verschwindet sie wieder in Richtung Umkleidekabinen zum Beratungsgespräch. Alles läuft wie in einem normalen Bekleidungsgeschäft ab, vielleicht etwas lockerer. Die Kunden scherzen miteinander, an allen Ecken ertönt Gelächter, und es wird auch mal etwas anprobiert, was man sich sonst nicht trauen würde.

Nur zwei bis drei Prozent landen im Geschäft

„Die Märkte sind für uns auch gute Gelegenheiten, neue Kundschaft und vor allem auch neue Helfer zu gewinnen“, erzählt Engelhart. Denn das Sortieren im Vorfeld, das Aufhängen der Kleider auf Bügel und Ständer braucht viele helfende Hände. Nur zwei bis drei Prozent der abgegebenen Kleidung landen hier im Geschäft, etwa 60 Prozent gehen in den Versand – den eigentlichen Zweck der Sammlung. Engelhart erklärt: „Durch die Märkte erwirtschaften wir die Frachtkosten für den Versand der Textilien in Länder wie Chile, Burundi und Namibia. Ein Container kostet rund 6000 Euro.“ In Zusammenarbeit mit Organisationen vor Ort werden diese Kleider verteilt. „Dass wir damit die Textilindustrie in diesen Ländern zerstören, ist ein altes Vorurteil. Wir versorgen damit die Ärmsten der Armen, die sich sonst kaum Kleidung leisten könnten“, versichert der Vereinsvorsitzende.

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