Publikumskontakt ist den Musikern wichtig

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Chiara Ruf

„Der größte Dank gilt Ihnen, liebes Publikum, da Sie so zahlreich erschienen sind!“ – mit diesen Worten hat Thomas Hermann, musikalischer Leiter des Abends, vergangenen Samstag die über 150 Gäste in der Mensa der Friedrich-Uhlmann-Schule zum 34. Dreikönigsjazz begrüßt. Der Erlös des Abends geht zur Hälfte an den Martinusladen in der Ulmer Straße. Die andere Hälfte kommt der Trommelgruppe des Pflegeheims „Zum Heiligen Geist“ für drei dringend benötigte Trommeln zugute.

Hermann nutzte die Gelegenheit, um auf die Geschichte der in Laupheim etablierten musikalischen Tradition zurückzublicken: 1980 fand die Veranstaltung „Dreikönigsjazz“ erstmals in der Aula des Gymnasiums statt, allerdings in einem viel kleineren Rahmen als heute. Einige Jahre später folgte der Umzug in die Bühler Halle – allerdings mussten für die Veranstaltung extra zusätzliche Böden ausgelegt sowie Bierbänke für die Gäste aufgestellt werden, erinnerte sich Hermann. Natürlich sei es in den späteren Jahren ein Highlight gewesen, den „Dreikönigsjazz“ im Kulturhaus stattfinden zu lassen. Doch es ist ein Anliegen für die Musiker, mit dem Publikum direkt interagieren zu können – das sei in dieser Örtlichkeit schwierig gewesen. Mit dem letzten Umzug in die Mensa der Friedrich-Uhlmann-Schule hätten die Veranstalter nun die perfekte Örtlichkeit gefunden für einen beschwingten, ausgelassenen und heiteren Abend.

Vorstellung mit Soli

Erstmalig trat beim Dreikönigsjazz die aus dem Ulmer Raum stammende Band United Swing auf. Die Musiker spielten bereits in den Fünfzigern zusammen in einer Schulband, verloren sich dann aber aus den Augen. Durch einen Zufall trafen sich die Vollblutmusiker bei einer Geburtstagsfeier wieder und gründeten schließlich United Swing. Mit heiteren, beschwingten und rhythmischen Klängen präsentierte sie ihr breit gefächertes Repertoire, das über verschiedene Musikrichtungen wie Jazz, Blues, Swing und Swing-Standards der Zeit von 1900 bis 1960 reicht. Jeder der sieben Musiker präsentierte sich in einem Solo – das sind im Einzelnen: Bago Steine an der Trompete, Dima Spika an der Klarinette und am Saxophon, Rudolf Spiegel an der Posaune, Carlo Ganzenmüller hervorragend am Vibraphon, Bernhard Widder am Piano und Frank Miller als Gastmusiker am Kontrabass. Mit dem bekannten Jazzstandard „Georgia on my mind“ von dem Komponisten Hoagy Carmichael aus den 1930 gelang der Band ein Höhepunkt des Abends.

Mit der zweiten Band Gentlemen of Dixieland, die im Jahr 2006 gegründet wurde, entstand eine noch beschwingtere Atmosphäre, größtenteils mit dem Musikstil Dixie. Trompeter Manne Pfütze führte das Publikum gelassen und mit Wortwitz durch den zweiten Teil des Abends. Dabei beschrieb er seine Kollegen Manfred Walter an der Tuba, Karl Schlegel am Schlagzeug und Rudi Elsässer am Piano als „Rhythmusknechte“ und fügte schmunzelnd hinzu: „Ohne sie läuft hier nichts! Ohne sie müssten wir Melodieinstrumente a cappella spielen.“ Michael Groner an der Klarinette, Horst Guist an der Posaune und Bruno Bischofberger am Banjo komplettierten das Ensemble. Mit dem Stück der Musikrichtung New-Orleans-Jazz „Just a little while to stay here“ von John Scofield verabschiedete sich die Band vom Publikum.

Verabschiedung mit Jamsession

In der anschließenden Jamsession spielten die Musiker Experimentalmusik, bei der jeder die Möglichkeit hatte, mit seinem Instrument einzustimmen. So entstanden immer wieder neue Zusammensetzungen an Ensembles und Variationen, bei denen man die Freude der Musiker am Improvisieren deutlich spüren konnte.

Ludwig Schwarz war bereits zum dritten Mal als Zuhörer dabei und war auch an diesem Abend begeistert vom Dreikönigsjazz: „Für mich ist Jazz etwas, das belebt. Es freut mich, dass man dabei sein kann und dabei fühle ich mich wie in Amerika“, sagte er.

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