Plötzlich steht der Container da

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Vermüllt: Der ohne Genehmigung aufgestellte Altkleidercontainer auf dem Parkplatz beim Einkaufszentrum Bronner Berg. (Foto: Georg Lucas)
Barbara Braig

Plötzlich stand er da: Vor wenigen Wochen wurde an der Ecke Mörikeweg/Konrad-Adenauer-Straße auf einem Gelände der GWO ein Altkleidercontainer aufgestellt. An und für sich nichts Ungewöhnliches, dennoch merkten einige Nachbarn auf. Der Grund: Die „Familienhilfen BNH“, deren Logo auf der beigefarbenen Metallbox prangt, hat noch weitere Container im Stadt-gebiet verteilt, zum Beispiel auf dem öffentlichen Parkplatz beim Einkaufszentrum am Bronner Berg. Dort sammelt sich von Tag zu Tag mehr Abfall an, und der Container wird offenkundig nicht geleert. Das wollten die Anwohner der Konrad-Adenauer-Straße sich ersparen.

„Für die Aufstellung von Containern auf öffentlichem Grund ist eine Sondernutzungserlaubnis erforderlich“, erläutert Rainer Ganser vom Ordnungsamt und fügt an: „Die Stadt ist damit nicht großzügig.“ Schließlich stehen in Laupheim schon einige Container, zum Beispiel die der Sammelzentrale Aktion Hoffnung. Diese werden regelmäßig geleert und gepflegt.

Schnell stellt sich heraus: Weder für den Container auf dem Parkplatz am Bronner Berg noch für den Behälter auf dem GWO-Gelände liegt eine Erlaubnis vor. „Die stellen auf fremden Grundstücken einfach ihre Container auf“, ärgert sich der GWO-Chef Albert Klöckler.

Rudolf Schlumberger vom städtischen Baudezernat ist die Problematik nicht fremd. „Dreiste Burschen“ nennt er die Aufsteller, die nach seiner Kenntnis immer gleich mehrere Kleiderboxen im Stadtgebiet verteilen würden. Eine Vorgehensweise, die nicht nur in Laupheim für Unmut sorgt: Ein Blick ins Internet genügt, um festzustellen, dass auch andere Städte von der „BNH“ – das Kürzel steht für „Babynotfallhilfe“ – heimgesucht werden.

Was genau hinter der Bezeichnung steckt, bleibt im Dunkeln. Die Aufsteller firmieren als „Babynotfallhilfe e. V.“ und geben auch eine Telefonnummer mit Dortmunder Vorwahl an, unter der man angeblich jemanden erreichen kann. Angeblich, denn – so die überstimmenden Erfahrungen von Rainer Ganser, GWO und SZ – für Auskünfte erreichbar ist dort niemand.

Eine Internetrecherche führt zur Homepage der „Babynotfallhilfe“. Zunächst sieht alles ganz normal aus: ein Verein, der sich engagiert und Spenden sammelt für einen karitativen Zweck. Laut Satzung geht es um „Hilfe für werdende Mütter die es geworden sind sowie deren Familienangehörige die sich in Not und Konfliktsituationen befinden“. Auf den zweiten Blick stellt man fest: Das Impressum ist leer, unter dem Karteireiter „Telefonhotline“ findet sich keine Nummer. Und es gibt im Netz einige Links zu Presseartikeln, die über illegal aufgestellte BNH-Container berichten – Laupheim steht bei Weitem nicht allein da mit dem Problem.

Auch in Rheinland-Pfalz hat man Erfahrungen gesammelt mit der „Babynotfallhilfe“. Die zuständige Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier hat wegen „erheblicher Zweifel an ordnungsgemäßen Sammlungen und einer zweckentsprechenden Verwendung des Sammlungsertrags“ Sammlungen des Vereins in Rheinland-Pfalz untersagt. Als trotzdem weitergesammelt wurde, verhängte das Verwaltungsgericht Trier im September in einem Eilverfahren 12 000 Euro Zwangsgeld gegen die „Babynotfallhilfe“.

Zurück nach Laupheim. Der Container auf dem Gelände der GWO wurde inzwischen entfernt, im Stadtgebiet sind die meisten Altkleidercontainer von Mitarbeitern der Stadtverwaltung abgeholt worden; sie werden nun sicher verwahrt. Sollte sich die „Babynotfallhilfe“ ihre Behälter zurückholen wollen, wird sie erst einmal in die Tasche greifen müssen. „Die Kosten für den Abtransport werden dem Verein in Rechnung gestellt“, sagt Rainer Ganser. Außerdem wird ein Verfahren wegen Ordnungswidrigkeit eingeleitet – bis zu 200 Euro können fällig werden. Ob das die „Babynotfallhilfe“ hindern wird, weitere Container in anderen Städten aufzustellen?

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