Nach versuchtem „Ehrenmord“ äußern sich die Eltern des Opfers

Lesedauer: 4 Min
Im Interview mit Spiegel TV hatte der Vater des schwer verletzten Mädchens auf die Scharia verwiesen. Jetzt wurden er und seine
Im Interview mit Spiegel TV hatte der Vater des schwer verletzten Mädchens auf die Scharia verwiesen. Jetzt wurden er und seine Frau festgenommen. (Foto: Spiegel TV / Screenshot)
Schwäbische Zeitung

Reporter von Spiegel TV haben mit den Eltern des in Laupheim niedergestochenen Mädchens gesprochen. Schwäbische.de zeigt unveröffentlichte Teile des Interviews exklusiv.

Wenn eine verheiratete islamische Frau in unserem Land eine Beziehung mit jemand anderem führt und der Scharia-Richter sie zum Tode verurteilt hat, dann kann ich nichts dagegen sagen. Warum? Weil das unser Gesetz ist. Und wenn die Frau nicht verheiratet ist, dann muss sie ausgepeitscht werden.

Es sind Sätze wie diese, die den Spiegel-TV-Reporter am Mitleid der Eltern zweifeln lassen – und an den Schilderungen, vorab nichts von der Tat gewusst zu haben.

Ohne erkennbare Regung schildert der Vater im Interview, wie der Ex-Mann seiner Tochter Rasierklingen aus der elterlichen Küche genommen und damit der 17-jährigen Libyerin den Mund aufgeschlitzt habe:

Ich habe ihm gesagt: Das haben wir nicht ausgemacht. Das ist ein Mordversuch. Warum willst du meine Tochter töten? Wenn ihr euch nicht versteht, lasst euch scheiden. Wo ist das Problem?

schildert der Vater seine Version des Abends, als seine Tochter in der eigenen Wohnung fast verblutete.

Nachdem die 17-Jährige mit Rasierklingen malträtiert worden war, wurde ihr mehrfach in die Brust gestochen. Ein Video zeigt das blutende Mädchen nach der Tat, angeblich soll es deren Bruder gefilmt haben:

Ich genieße es, ihr beim Sterben zuzusehen.

ist im Video auf Arabisch zu hören. Der Vater sagt, er wisse nicht, wie die Aufnahmen entstanden sind. Auch ob sein Sohn mit der Tat einverstanden war oder nicht, könne er nicht sagen.

Trotz allem will der Vater versucht haben, die Attacke auf seine Tochter zu verhindern, indem er sich schützend vor sie gestellt habe. Er sei es auch gewesen, der den Notarzt verständigte. Dass es ihm nicht gelang, die Tat zu verhindern, rechtfertigt er mit der körperlichen Überlegenheit des syrischen Ehemannes:

Aber Sie sehen doch: Ich bin ein alter Mann und 64 Jahre alt. Und er ist 34 Jahre alt und hat Muskeln.

Dass seine Tochter tatsächlich eine Beziehung mit einem anderen Mann führte, die über gelegentliches Telefonieren hinaus ging, kann der Vater nicht glauben:

Wie kann sie mit einem anderen eine Beziehung führen? Sie wohnt bei uns und ist immer zu Hause. Wir gehen zusammen und kommen gemeinsam wieder nach Hause.

Die Ehekrise zwischen ihrer Tochter und ihrem Ex-Mann müssen die Eltern allerdings bemerkt haben. Die Mutter berichtet im Interview von mehreren Auseinandersetzungen. Zwang sei allerdings nicht im Spiel gewesen, als die Ehe zwischen der heute 17-Jährigen und dem 34-Jährigen geschlossen worden war:

Sie wurde mit 15 verheiratet. Wir wollten sie nicht verheiraten, sie hat ihren Ehemann gebracht – und sie wollte ihn. Wir haben sie ihm gegeben. Obwohl er jeden Tag mit ihr gestritten und sie geschlagen hat.

Zum Spiegel-TV-Beitrag

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen