Nach Beißattacke: Taxifahrerin über Berufsalltag

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Taxifahrerin spricht über Ängste und ihre Freude am Job

Eine Taxifahrerin spricht während der Fahrt über den Respekt vor ihrem Beruf, aber auch ihre Freude daran. Außerdem erzählt sie, was ihr durch den Kopf ging, als sie erfuhr, dass ein Kollege von einem Fahrgast gebissen wurde.

Schwäbische Zeitung

Am Anfang ist der junge Mann, der vor einer Laupheimer Disco in ein Taxi steigt, ganz friedlich. Plötzlich rastet er aus, beißt den Taxifahrer oberhalb des Auges ins Gesicht und tritt außerhalb des Wagens noch auf ihn ein. So geschehen vor zehn Tagen. „Das finde ich abartig“, sagt die Laupheimer Taxifahrerin Heike Schütt. Immer wieder komme es vor, dass Fahrgäste respektlos werden. Trotzdem liebe sie ihren Job.

„Das war schon ein kleiner Schockmoment, dass so etwas in Laupheim passiert“, sagt die Taxifahrerin über die Beißattacke. Der Fahrer, der gebissen wurde, war ihr Kollege. „Trotzdem mache ich mir keinen Kopf, dass mir das Gleiche passiert.“ Damit sie in einer brenzligen Situation schneller aus dem Auto heraus kommt, trifft sie besondere Vorkehrungen. Pfefferspray habe sie auch immer dabei, sagt sie. „Und wir haben einen Taxialarm – da hupt und blinkt das Auto.“

Schütt ist 28 Jahre alt und fährt seit fünf Jahren Taxi. Warum? „Ich fahre einfach gern“, sagt sie. „Außerdem arbeite ich gerne mit Menschen, und die Arbeitszeiten als Taxifahrerin sind super – woanders kann ich nicht so flexibel arbeiten.“ Eigentlich ist die Laupheimerin gelernte Friseurin, doch während der Elternzeit begann sie nachts Taxi zu fahren. Da habe sie gemerkt: „Das ist mein’s.“ In ihrem Team habe sie sich auch gleich wohlgefühlt. Heute gehen ihre beiden Kinder zur Schule und in den Kindergarten. Während dieser Zeit ist Heike Schütt mit dem Taxi unterwegs.

Angst vor der Nachtschicht

Die junge Mutter war die erste Frau beim Laupheimer Unternehmen „Taxi Bürgin“, die nachts gefahren ist. Mittlerweile machen das fast alle ihrer Kolleginnen. „Ich habe ihnen vielleicht die Angst genommen, genauso wie meinem Chef. Der hatte anfangs nämlich auch Bedenken: ,ein Mädle alleine im Taxi ...’“

Sie selbst sei zum Glück noch nie in eine wirklich brenzlige Situation geraten. Ob sie als Frau nicht besonders Angst habe? „Wir beobachten eher, dass sich Betrunkene bei Frauen zusammenreißen“, sagt Schütt. Generell gehe es im Taxi aber direkter zu als auf der Straße. „Ich finde schade, dass die Fahrgäste manchmal respektlos sind“, sagt Schütt. Wie sie damit umgeht? „Wenn jemand stichelt, lass’ ich mich einfach nicht drauf ein.“ Einmal habe sie aber jemanden aus dem Auto schicken müssen, weil er sie beschimpft hatte. „Erst wollte er nicht gehen, dann bin ich ausgestiegen und habe einen Kollegen angerufen – da hat er gemerkt, dass ihm nichts anderes übrig bleibt.“

Durch das Taxifahren habe man schon eine andere Wahrnehmung auf die Menschen, erklärt die 28-Jährige. „Man muss die Menschen ganz schnell einschätzen: Sind sie lustig, sind sie aggressiv?“ Auch wenn sie privat unterwegs ist, denkt sie immer: „Den hätte ich gern im Taxi, den eher nicht so.“ Einmal habe sich ein Fahrgast in ihrem Auto übergeben. „Seine Kumpels haben dann aber einen Putzeimer besorgt und vor Ort alles tipp-topp sauber gemacht.“ Auch Betrunkene könnten nett sein.

Tagsüber fährt Schütt viele Kranke oder auch Geschäftsmänner zum Wunschort, nachts viele Betrunkene. „Auf Jeden muss man sich einstellen“, sagt sie. Es gebe schon anstrengende Fahrgäste, „aber zum Glück auch diejenigen, die man gerne fährt“. Tagsüber bekommt die Taxifahrerin viel von den Krankheiten der Menschen mit, nachts hört sie, wen die Fahrgäste so „aufgerissen“ haben.

Fahrgäste wählen Musik aus

Die Kunden dürfen den Radiosender wählen, sagt Schütt. „Sie freuen sich, wenn sie Party machen können.“ Wenn allerdings ihr Telefon klingelt – da ist sie streng –, müssen alle still sein. Mit vielen Fahrgästen könne sie sich nett unterhalten, manche würden ihr auch Geschenke machen.

Dass sie ihren Job liebt, merkt man der Laupheimerin an, die oft lacht, während sie von ihren Erlebnissen erzählt. „Mit netten Fahrgästen“, sagt sie, „kann man auch Spaß machen.“

Taxifahrerin spricht über Ängste und ihre Freude am Job

Eine Taxifahrerin spricht während der Fahrt über den Respekt vor ihrem Beruf, aber auch ihre Freude daran. Außerdem erzählt sie, was ihr durch den Kopf ging, als sie erfuhr, dass ein Kollege von einem Fahrgast gebissen wurde.

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