Mitten in der Revolution

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Sonja Niederer

Mit einer herausragenden Leistung hat das Cinephonics Projektorchester des Musikvereins Achstetten am Sonntagnachmittag seine Zuhörer im Laupheimer Kulturhaus begeistert. Am Ende applaudierten alle stehend, und den Musikerinnen und Musikern waren die Erleichterung und die Freude über den gelungenen Auftritt anzusehen. Selbstverständlich strahlte auch der Dirigent und Initiator des Projekts, Benedict Schultheiß.

Außergewöhnliches hatten sich Schultheiß und sein Projektorchester vorgenommen. Zu dem österreichischen Kurzfilm „A Town’s Tale“ („Die Geschichte einer Stadt“) wurde der dazugehörende Soundtrack live vom Orchester gespielt. Die Musik dazu stammt von Otto M. Schwarz, einem bekannten Filmmusikkomponisten.

Im ersten Konzertteil wurden die Besucher aber vorab mit einer von einem Sprecher vorgetragenen Geschichte, die von Benedict Schultheiß geschrieben worden war, auf den Film und die Zeit, in der dieser spielt, eingestimmt. Dazu wurden vom Projektorchester die passenden Melodien gespielt, die eigens dafür aus den Werken bekannter Komponisten arrangiert worden waren.

Dramatische Schlacht

So fanden sich die Gäste im Kulturhaus plötzlich inmitten der französischen Revolution und deren Ereignissen wieder. Die Bauern in Frankreich, denen es schlecht geht und die unter der Herrschaft der Monarchen leiden, lehnen sich auf und ziehen mit bloßen Händen oder einfachen Waffen wie Mistgabeln gegen ihre Unterdrücker los. Das Schlachtgetümmel wurde mit mitreißender und dramatischer Musik interpretiert. Viele Todesopfer bleiben zurück, als der Aufstand niedergeschlagen wird.

Die Herrscher feiern indessen rauschende Feste in ihren Palästen. Erst der Putsch mit Napoleon Bonaparte als Anführer beendet deren Herrschaft. Reformen folgen, jeder soll vor dem Gesetz gleich sein, ob Bauer, Bürger oder Adlige. Dies wird mit triumphierender Musik, markanten Bläsereinsätzen von Blech und Holzregister und mitreißender Percussion vom Orchester begleitet.

Napoleon beherrscht zweiten Teil

Das Volk in Frankreich steht hinter Napoleon, lässt sich auf das Kriegsgeschehen ein, versucht aber auch bei Festen mit Tanz und viel Alkohol die Schlachten zu vergessen. Napoleon krönt sich selbst zum Kaiser, und sein Machtanspruch begrenzt sich nicht auf Frankreich. Er möchte ganz Europa beherrschen. Eine fiktive Begebenheit daraus wird im zweiten Konzertteil mit dem Film „A Town’s Tale“ erzählt.

Die Geschichte, die der Film wiedergibt, spielt vor dem Hintergrund des dritten Koalitionskrieges zwischen den Napoleonischen Truppen und den verbündeten Ländern Russland, England, Schweden und Österreich im Jahr 1805 in der Nähe von Krems/Niederösterreich während der „Schlacht von Dürenstein“. Im Mittelpunkt steht die Liebe des französischen Soldaten Phillipe zu dem Mädchen Mina aus Krems. Als sich seine Truppen der Stadt nähern, um diese zu plündern, desertiert er, um die Einwohner und seine Geliebte zu warnen. Das gelingt im letzten Augenblick, und die Kremser können sich durch eine List, indem sie den Soldaten vorgaukeln, dass alle an der Pest dahingerafft worden sind, retten. Ein spannender, aufregender und romantischer Stoff zugleich, genauso wie die Filmmusik, die vom 60-köpfigen Projektorchester live dazu gespielt wurde.

Perfekt synchron

Eine sehr anspruchsvolle Herausforderung, welche von den Musikern um Benedict Schultheiß aufs Beste gemeistert wurde. Die Gäste im Kulturhaus waren fasziniert von dem Geschehen auf der Leinwand und die Musik wurde so perfekt synchron präsentiert, dass man mühelos vergessen konnte, dass diese von einem Liveorchester stammte. Dirigent und Orchester können alle zusammen wirklich stolz auf ihre Leistung sein.

An nur zwei Wochenenden hätten sie die Werke einstudiert, sagte ein sichtlich zufriedener Benedict Schultheiß am Ende des Konzertes. „Und es war gar nicht schlecht“, ergänzte er bescheiden. „Wir freuen uns, dass dieses Konzertkonzept so gut bei Ihnen angekommen ist.“

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