Mit der Geduld des Anglers auf Ostern warten

Zeit kann dahin fliegen, und manchmal scheint sie sich zu ziehen. Die Sonnenuhr am Turm der evangelischen Kirche in Laupheim zei
Zeit kann dahin fliegen, und manchmal scheint sie sich zu ziehen. Die Sonnenuhr am Turm der evangelischen Kirche in Laupheim zeigt unerschütterlich, was die Stunde geschlagen hat. (Foto: Roland Ray)
Schwäbische Zeitung

Eine Prüfung ist geschrieben und man muss auf das Ergebnis warten. Dem lieben Menschen wurde nach langem Überlegen und Formulieren eine Nachricht gesendet – wie wird sie wohl aufgenommen? Am Freitagnachmittag ist jemand das letzte Mal durchs Werkstor getreten, hat den Betrieb verlassen. Wie wird es weitergehen, an einem neuen Arbeitsplatz oder beim Eintritt in den Ruhestand? Das klärende Gespräch mit der Ärztin: Mit dem Großvater geht es zu Ende; für die Familie bleibt, am Sterbebett sitzen, begleiten und warten.

Zwischenzeiten gehören zum Leben. Alltäglich, beim Warten auf etwas. Spürbar, manchmal spannend schön, manchmal anstrengend und mit Wehmut gefüllt, an entscheidenden Stellen des Lebens.

Gestern der Karfreitag, morgen der Ostersonntag und das Osterfest. Dazwischen ist – Karsamstag. Der Klagesamstag oder Kummersamstag, wenn man die Bedeutung vom althochdeutschen „kara“ herleitet. Das bedeutet Klage oder Kummer.

Zunächst war der Tag für die christlichen Gemeinden, die im Judentum beheimatet waren, ganz einfach der Sabbat, der wöchentliche Ruhetag. Ein stiller Tag. Doch die ersten christlichen Generationen fragten sich: Gilt die Versöhnung von Gott und Mensch, die sich von Karfreitag bis Ostern ausspannt, für die Menschen aller Zeiten? Im Glaubensbekenntnis der christlichen Kirchen wird darauf eine Antwort gegeben. Es spricht davon, dass Christus unter Pontius Pilatus gekreuzigt wurde, starb und begraben wurde. Am dritten Tag, dem Ostertag, ist er „auferstanden von den Toten“. Dazwischen? „Hinabgestiegen in das Reich des Todes“, sagt das Glaubensbekenntnis. In mythologischer Sprache und dem Weltbild der Antike begegnet Christus den Verstorbenen. Damit wird glaubensvoll ausgesagt: Gottes heilvolle, barmherzige und vergebende Zuwendung gilt den Menschen aller Zeiten.

In der Wahrnehmung heute ist der Karsamstag für viele Menschen schlicht ein Zwischentag. Die Läden haben auf. Für den Osterschmaus kann eingekauft werden oder auch fürs Osternest der Kinder und Enkel. Ein Tag zwischen dem einen und dem anderen Feiertag.

Und in diesem Jahr? Kann er ein Sinnbild dafür sein, dass es Geduld braucht. Nicht nur, aber auch beim Bewältigen der Pandemie. Geduld, die an die Nerven und die Kraft geht.

Der Weg vom Karfreitag nach Ostern führt über den Karsamstag. Geduld ist eine Frage der Lebenskunst, auch des religiösen Lebens.

Pablo Neruda, chilenischer Dichter, hat die Sache mit der Geduld treffend formuliert:

Sinkt jeder Tag

hinab in jeder Nacht

so gibt’s einen Brunnen,

der drunten die Helligkeit hält.

Man muss an dem Rand

des Brunnendunkels hocken,

entsunkenes Licht angeln

mit Geduld.

Christlicher Glaube sagt: Weil im Schicksal des Menschen Jesus sich das Göttliche ins „Brunnendunkel“ begeben hat, wird es an Ostern auch in dieser Tiefe und Nacht wieder hell.

An Karsamstag mit der Geduld des Anglers auf Ostern warten, ist eine Geduldsprobe. Umso mehr der Wunsch, die Sehnsucht: Frohe Ostern!

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