Maschinen- und Werkzeugfabrik Kekeisen schließt Ende Juni 2020

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 Vor 175 Jahren wurde das Laupheimer Traditionsunternehmen Th. Kekeisen gegründet. Wegen fehlender Aufträge soll der Betrieb End
Vor 175 Jahren wurde das Laupheimer Traditionsunternehmen Th. Kekeisen gegründet. Wegen fehlender Aufträge soll der Betrieb Ende Juni 2020 stillgelegt werden. (Foto: Kekeisen)
Schwäbische Zeitung

Hiobsbotschaft für den Wirtschaftsstandort Laupheim: Die Th. Kekeisen GmbH & Co. KG, ein traditionsreicher Maschinen- und Werkzeugbauer, plant wegen fehlender Neuaufträge eine geordnete Betriebsstilllegung zum 30. Juni 2020. Bestrebungen, das Unternehmen zu veräußern, seien erfolglos geblieben, teilte die Geschäftsleitung am Dienstagabend mit.

Wir bedauern die Notwendigkeit dieses Schritts und haben lange gekämpft, um ihn zu verhindern. 

Thomas Gebele, geschäftsführender Gesellschafter von Kekeisen

Man sehe sich deshalb gezwungen, die Arbeitsverträge der rund 120 Beschäftigten zum 30. Juni 2020 zu kündigen. Bis dahin sollen alle Mitarbeiter bei vollem Gehalt weiterbeschäftigt werden.

Thomas Gebele, geschäftsführender Gesellschafter von Kekeisen, hat die Belegschaft am Dienstag bei einer Betriebsversammlung informiert. „Wir bedauern die Notwendigkeit dieses Schritts und haben lange gekämpft, um ihn zu verhindern“, erklärt er in einer Pressemitteilung.

Firma besteht seit 175 Jahren

„Aufgrund der schlechten Konjunkturaussichten haben unsere Kunden jedoch seit über einem Jahr keine größeren Maschinenaufträge mehr vergeben. Ein Verkauf des Betriebs war unter diesen Bedingungen nicht möglich. Die Stilllegung werden wir nun so sozialverträglich wie möglich gestalten und unsere Mitarbeiter nach Kräften dabei unterstützen, eine neue Beschäftigung zu finden.“

Die Traditionsfabrik wurde vor 175 Jahren gegründet und wird von Thomas Gebele in der fünften Generation geführt. Kekeisen entwickelt und produziert Werkzeugmaschinen wie beispielsweise große Bearbeitungszentren, Fräs- und Sondermaschinen sowie Umformwerkzeuge.

Viele Kunden in der Automobilbranche

Bei den Kunden handelt es sich laut Kekeisen vor allem um kleine bis mittelständische Betriebe im deutschsprachigen Raum. Rund 35 Prozent davon zählen direkt oder indirekt zur Automobilindustrie, die übrigen sind Maschinen- und Anlagenbauer verschiedenster Branchen.

„Generell investieren diese vor allem dann in Werkzeugmaschinen, wenn die Zukunftsaussichten positiv sind, sodass Ersatzmaschinen oder mehr Kapazität benötigt werden“, heißt es in der Pressemitteilung.

2018 wollte das Unternehmen bereits den Betrieb verkaufen

„In konjunkturell schwachen Zeiten, wie sie derzeit unter anderem durch die Krise der Automobilindustrie hervorgerufen werden, verzichten die Kunden auf Investitionen, weshalb Kekeisen seit Ende 2018 keine Neuaufträge mehr verzeichnen konnte.“

Bereits 2018 habe das Unternehmen die Chancen für eine Veräußerung des Betriebs intensiv geprüft. Es sei jedoch weder ein strategischer Investor noch ein Finanzinvestor gefunden worden.

Die Unternehmen unserer Branche verzeichnen selbst starke Umsatzeinbrüche und ziehen keine Zukäufe in Betracht.

Thomas Gebele

„Die Unternehmen unserer Branche verzeichnen selbst starke Umsatzeinbrüche und ziehen keine Zukäufe in Betracht“, so Thomas Gebele. Das werde sich angesichts der wirtschaftlichen Aussichten für die nächsten zwei Jahre auch nicht ändern.

Vor diesem Hintergrund habe Kekeisen nun die geordnete Betriebsstilllegung beschlossen. Die Arbeitsverträge der rund 120 Mitarbeiter werden zum 30. Juni 2020 gekündigt. In den verbleibenden sieben Monaten sollen die letzten Aufträge fertig bearbeitet und die Mitarbeiter bei vollem Gehalt weiterbeschäftigt werden, teilte das Unternehmen mit.

Unternehmen hofft, dass Mitarbeiter neue Arbeit finden

„Zu unserer Belegschaft zählen viele qualifizierte Fachkräfte wie Zerspanungsmechaniker, Industriemechaniker und Werkzeugmechaniker sowie Ingenieure des Maschinen- und Werkzeugbaus“, sagt Thomas Gebele.

„Ihnen bleiben jetzt sieben Monate Zeit, einen neuen Arbeitgeber zu finden. Angesichts der guten Arbeitsmarktlage in der Region sind wir zuversichtlich, dass ihnen das gelingt.“

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