Manuel Hagel plädiert für mehr Eigenverantwortung

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Manuel Hagel, Generalsekretär der CDU Baden-Württemberg, sprach beim politischen Frühschoppen der Laupheimer Kolpingsfamilie.
Manuel Hagel, Generalsekretär der CDU Baden-Württemberg, sprach beim politischen Frühschoppen der Laupheimer Kolpingsfamilie. (Foto: Franz Liesch)
Franz Liesch

Die Kolpingsfamilie Laupheim feiert heuer ihr 140-jähriges Bestehen. Unter diesem Vorzeichen stand am Sonntag der traditionelle politische Frühschoppen. Franz Martel hat in seiner Begrüßung vor der Kolpingfamilie auf diesen Zusammenhang hingewiesen.

Eingeladen war als Referent Manuel Hagel, CDU-Generalsekretär und Abgeordneter des Alb-Donau-Kreises im Landtag von Baden Württemberg. „In Wort und Tat – Christsein in Politik und Gesellschaft“ hatte der Politiker als Thema gewählt. Er spannte in seinem Vortrag einen Bogen vom Leben und Wirken des Gründervaters des Kolpingwerks, Adolf Kolping, bis in die heutige Zeit. Er wolle sich so dieser außergewöhnlichen Person nähern, sagte Hagel vorneweg.

Er nannte die wichtigsten Lebensstationen des im Jahre 1991 selig gesprochenen Priesters. Dieser sei von ganz unten in der Gesellschaft gekommen. Auch als Kaplan sei er mit Armut und Ausbeutung um sich herum konfrontiert gewesen. „Kolping litt unter den gegebenen sozialen Umständen“, stellte Hagel fest, „er nahm Anteil am Schicksal der Arbeiter.“ Aus dem Evangelium habe der Geistliche nach Antworten gesucht und solche gefunden. Das habe für ihn bedeutet: Nicht Rückzug, sondern „das eigene Christsein nach außen tragen“. Kirche, Familie und Beruf hätten für Kolping eine Einheit gebildet. Die Ziele sollten nicht alleine, sondern in Gemeinschaft verfolgt werden.

Mit diesen Grundüberzeugungen sei Kolping zum Ideengeber der christdemokratischen Sozialpolitik geworden. Der Abgeordnete bezeichnete Kolping als „unser Vorbild“. Das von ihm gelegte Fundament verleihe auch heute noch Stabilität. Dieses Fundament lasse sich mit den Begriffen Personalität, Solidarität und Subsidiarität skizzieren. Der 31-jährige Abgeordnete erläuterte die inhaltliche Bedeutung dieser Begriffe. Eigenverantwortung für sich und andere seien in Ausgleich zu bringen. „Staat und Wirtschaft haben den Menschen zu dienen“, forderte Hagel. Er warnte vor dem reinen Versorgungsstaat. Man müsse sich selbst etwas abverlangen. „Es waren nicht die schlechtesten Zeiten, als den Menschen etwas abverlangt wurde.“

Der CDU-Generalsekretär betonte in seinem Referat die hohe Bedeutung der Familie. Er leitete dies aus den Grundgedanken Adolf Kolpings ab. Die Familie solle gestärkt werden. Die Eltern könnten nicht aus ihrer Verantwortung entlassen werden: „Die Eltern bleiben die wichtigsten Bezugspersonen.“ Nach Angaben Hagels wurde Kolping selbst sehr stark durch die Geborgenheit in der Familie geprägt. „Ich habe eine arme Mutter gehabt“, soll er einmal geäußert haben, aber sie habe ein weiches und warmes Herz besessen.

Bei den Fragen aus der Zuhörerschaft im Kolpinghaus konnte der CDU-Politiker direkt an sein Referat anknüpfen. So bekümmert ein Mitglied der Kolpingfamilie die hohe Scheidungsquote. „Das kann der Staat nicht heilen“, gab Hagel zur Antwort. Aber man könne die abnehmenden menschlichen Bindungen bekämpfen, die landauf, landab zu beobachten seien.

Einen Besucher interessierte die Position des Volksvertreters zum Verzicht eines muslimischen CSU-Mitglieds auf die Kandidatur als Bürgermeister, nachdem er Widerstände in der Partei wegen seiner Religionszugehörigkeit erlebt habe. Hagel bezog sehr engagiert und ausführlich Stellung. Das „C“ im Parteinamen schließe nie andere aus der Wertegemeinschaft aus, unterstrich er. „Wir können über jeden dankbar sein, den wir haben, der Muslim ist und sich zu den christlichen Werten bekennt.“ Hagel bedauerte in seiner Antwort sehr den zunehmenden Antisemitismus.

Klar Position bezog der CDU-Generalsekretär zur Schulpolitik. In der Koalitionsvereinbarung sei dieser Bereich der Politik weitgehend der CDU überlassen worden. Und dies bedeute erst einmal: „Das Bildungssystem braucht Ruhe.“ Man sollte mehr über die Hauptschüler sprechen, forderte er. Eine zunehmende Akademisierung halte er für falsch. „Jedes Kind soll seinen Weg gehen.“

„Die Landwirtschaft wird den Grünen zum Fraß hingeworfen“, erhob ein Besucher Klage. Der Abgeordnete, der Mitglied des Agrarausschusses ist, verwies auf den Einsatz seiner Partei für die Existenzsicherung der Landwirte. Diese wäre beim Erfolg der „Rettet-die-Bienen-Aktion“ bedroht gewesen. Von den Politikern forderte er abschließend: „Wir müssen anders kommunizieren“, nämlich leicht verständlich. „Das ist das Rezept gegen Politikmüdigkeit.“ Diese existiere nach seiner Erfahrung nicht.

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