Manege frei für „Augusto“

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Zirkusluft: Die Artistin Emma balanciert auf einer Leiter auf dem Seil, Andreas Schaible assistiert. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung
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Die rote Clownsnase aus Kindertagen liegt neben seinem Bett. Sie ist Andreas Schaibles Talisman und bringt dem jungen Mann aus Baustetten, der nach dem Abitur ein Jahr in Australien lebt, sprichwörtlich Glück. Seit Oktober arbeitet er bei einem Zirkus, vom 2. Januar an tritt er als Clown „Augusto“ auf – „das ist ein Traum für mich“.

„Silvers Circus“ gehört „down under“ zu den Großen in der Branche und beschäftigt Artisten aus aller Welt. Helfer für den Auf- und Abbau des Viermastzelts braucht ein solches Unternehmen immer. „Der Einstieg war hart. Man muss anpacken, oft zwölf Stunden und mehr am Tag“, berichtet Schaible. „Aber ich konnte mich beweisen und mir Respekt und Vertrauen erarbeiten.“

Die Zirkusleute wissen seine Qualitäten offenkundig zu schätzen. Gleich mehrfach darf Schaible inzwischen in den Vorstellungen mitwirken. Er ist verantwortlich dafür, dass sich des Zauberers Falltür im richtigen Augenblick öffnet – „nur dann funktioniert der Trick“. Der Artistin Emma reicht er die Leiter, mit der sie auf dem Drahtseil balanciert, dem Jongleur Ricardo wirft er Keulen und Ringe zu und sammelt sie spielerisch wieder ein.

Vor Freude gehüpft ist sein Herz, als der Direktor ihn vor Weihnachten fragte, ob er als Clown auftreten mag. Einer der beiden etablierten Spaßmacher verlässt „Silvers Circus“ und muss ersetzt werden. Schaible hat keine Sekunde gezögert. Jetzt studiert er Videos von seinem Vorgänger, absolviert einen Schnellkursus Schminken und probt mit seinem künftigen Partner Dominique. Ein nagelneues Clownskostüm ist bestellt.

Vom 2. Januar an gastiert „Silvers Circus“ in Rosebud, nicht weit von Melbourne. „Wir schlagen unser Zelt direkt am Strand auf“, sagt Schaible. Am Abend wird er erstmals vor Publikum als „Augusto“ auf einem Steckenpferd in die Manege reiten und alles daran setzen, die Leute zum Lachen zu bringen. Weil die Clowns am Anfang der zweistündigen Zirkusshow auftreten, ist es ihm zudem möglich, weiter dem Zauberer, dem Jongleur und der Hochseilartistin zu assistieren.

„Besser“, sagt der 20-Jährige, „kann 2013 für mich gar nicht beginnen.“ Weihnachten hat er bei 35 Grad Celsius mit den Zirkusleuten gefeiert, auch dies ein besonderes Erlebnis. An Heiligabend war er im Wohnwagen von Zauberer Simon zu Gast. „Seine Frau Yvette kennt die deutsche Küche. Es gab Rotkohl, Knödel und Kohlrouladen.“ Am 25. Dezember lud der Direktor alle Mitarbeiter und ihre Familien in ein Restaurant ein, und Schaible war überwältigt ob der vielen Geschenke, die er bekommen hat. T-Shirts, Badehose, Süßigkeiten, Parfüm: „Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Das gibt dir das Gefühl, ein echtes Mitglied der Zirkusfamilie zu sein. Ein gutes Gefühl.“

Erzählen kann er auch von der bisher „einzigartigsten und kuriosesten Vorweihnachtszeit in meinem Leben“. „Silvers Circus“ und zwei andere Schaustellerunternehmen haben gemeinsam in Melbourne „Santa’s Magical Kingdom“ errichtet, einen Vergnügungspark mit glitzernden Lichtern, Lebkuchenland, Riesenrad, Rentieren (zweibeinig), Zirkusshow und – natürlich – Santa Claus. Andreas Schaible hat ihm einen Wunschzettel geschrieben: „dass es meiner Familie gut geht zuhause ohne mich“.

Info: Andreas Schaible führt über seinen Australien-Aufenthalt ein Online-Tagebuch: andyschaible.blogspot.de

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