„Made in Germany“ aufs Korn genommen

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Franz Liesch

Zwei deutsche Michl, Arm in Arm, strahlend vor Glück, auf den Trümmern der Berliner Mauer. Oder: Donald Trump in einem Straßenkreuzer begegnet dem Fahrzeug eines deutschen Autoherstellers und schimpft: „This damned products made in Germany“. Das sind zwei Beispiele von Karikaturen, die derzeit großformatig in der Kundenhalle der Kreissparkasse in Laupheim ausgestellt sind. Insgesamt sind es 50. Ihre Gemeinsamkeit: Sie zeigen treffsicher den Zeitgeist, die Empfindungen der Menschen der vergangenen 100 Jahre, sie kommen fast ohne Worte aus, lassen den Betrachter schmunzeln und nachdenken. Titel der Ausstellung: „Made in Germany“.

Am Montagabend war Eröffnung. Dazu hatte sich allerlei Prominenz eingefunden, etwa Florian Gerster, einst Chef der Bundesagentur für Arbeit und Sozialminister von Rheinland-Pfalz. Seine Anwesenheit hatte etwas mit dem Titel der Bilderschau zu tun: Was hat es mit dem typisch deutschen Wirtschaften in der Welt auf sich? Vor allem dies wird in den Karikaturen aufgegriffen. Sie stammen aus den Federn von über einem Dutzend erfolgreicher Zeichner. Kurator der Ausstellung ist Helmut Schmidt, ein in Pressearbeit versierter Redakteur.

Die Initiative „Neue Soziale Marktwirtschaft“ präsentiert die Schau. Dieser Zusammenschluss ist ein überparteiliches Bündnis und wirbt für die Grundsätze der Sozialen Marktwirtschaft. Finanziert wird die Initiative von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie.

Die Ausstellung wurde eröffnet von Harald Jeggle, Regionaldirektor der Kreissparkasse Biberach. Er wies darauf hin, was das „Made in Germany“ ausmacht: mittelständische Unternehmen. Er beschrieb deren Kennzeichen, etwa regionale Verwurzelung, Denken in Generationen, wesentlicher Träger der Berufsausbildung. Dies sei „international einzigartig“. Kennzeichnend seien zudem „die Nähe zum Kunden“ und „immer wieder neue überzeugende Produkte und Dienstleistungen“. Jeggle betonte die traditionell starke Verbindung des Mittelstands zum Bankensektor.

Von der starken Verankerung von „Made in Germany“ in der Region sprach Götz Maier, Geschäftsführer Südwestmetall, Bezirksgruppe Ulm. Als typischen Vertreter sieht er Carl Laemmle. Auch die „schwäbische Hausfrau“ habe diese Werte verinnerlicht. Die Karikaturen brächten diese auf humorvolle Weise zum Ausdruck. Er appellierte, an der Idee der Sozialen Marktwirtschaft festzuhalten.

Eine Standortbestimmung zum „Made in Germany“ lieferte Florian Gerster in seinem Impulsvortrag. Der erfahrene Sozialpolitiker ist auch Gründungsmitglied des Fördervereins der arbeitgebernahen Initiative „Neue Soziale Marktwirtschaft“. Er sieht die Ausstellung in Laupheim genau am richtigen Standort, „denn hier ist das Made in Germany besonders zu Hause“. Für seine Generation – Gerster feierte am Dienstag seinen 70. Geburtstag – sei die Soziale Marktwirtschaft so etwas wie eine Wiedergutmachung für das gewesen, was im „Dritten Reich“ geschehen sei. In den Nachkriegsjahren sei es dann ständig aufwärts gegangen. „Das war für uns ein Wunder – ein Wirtschaftswunder.“ Das sei nicht selbstverständlich gewesen. Der SPD-Politiker sprach sich dafür aus, das Wesen der Sozialen Marktwirtschaft immer wieder neu zu erklären. Sie sollte im Grundgesetz Erwähnung finden.

Heute sei ein zweites Wirtschaftswunder zu beobachten. Der ehemals kranke Mann in Europa, Deutschland, habe sich zur Lokomotive entwickelt. Zu verdanken sei dies dem Prinzip des Förderns und Forderns sowie der Flexibilisierung bei der Beschäftigung durch die Betriebe. Das Ergebnis sei heute Vollbeschäftigung, auch die Wirtschaftskrise vor einem Jahrzehnt habe ihr nicht viel anhaben können. Hingegen übte er Kritik an der Senkung des Renteneintrittsalters. Überlegungen möge man anstellen nicht über eine Vergesellschaftung der BMW AG, sondern über eine höhere Besteuerung des Hauptaktionärs, der Familie Quandt.

Die Ausstellung „Made in Germany – Erfindungen, Erzeugnisse, Erfolge, Exporte und andere Eigenheiten der Deutschen im Spiegel der Karikatur“ kann zu den Öffnungszeiten der Sparkasse besichtigt werden. Erschienen ist dazu ein kostenloser Ausstellungskatalog, in dem die Karikaturen erklärt sind. Die älteste stammt aus dem Jahr 1917. Sie hat die Trennung der englischen Krone von ihrer deutschen Vergangenheit zum Thema. Die aktuellste Zeichnung stammt aus dem Jahr 2018, sie wurde gefertigt von Bernd Skott und kritisiert die mangelnde Einsatzfähigkeit von Bundeswehr-Gerätschaften.

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