Laupheim wird Große Kreisstadt

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Zeit, die Ortstafeln auszuwechseln: Laupheim wird zum 1. Januar 2016 Große Kreisstadt.
Zeit, die Ortstafeln auszuwechseln: Laupheim wird zum 1. Januar 2016 Große Kreisstadt. (Foto: Barbara Braig)
Schwäbische Zeitung
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Laupheim wird zum 1. Januar 2016 Große Kreisstadt. Das hat das Landeskabinett am Dienstag beschlossen. Bürgermeister Rainer Kapellen spricht von einem „bedeutenden Meilenstein in der Stadtgeschichte“.

„Wir freuen uns“, sagte Kapellen am Nachmittag vor der Presse. Mit dem Kabinettsentscheid werde die Arbeit vieler Menschen für eine dynamische, wachsstumsstarke Stadt anerkannt und gewertschätzt. Ministerpräsident Winfried Kretschmann will die Urkunde beim gemeinsamen Neujahrsempfang von Stadt und Bundeswehr am 17. Januar im Kulturhaus überreichen. Es gibt zudem Überlegungen, die Stadterhebung bei einem Bürgerfest zu feiern, das nach Abschluss der Schlossparksanierung steigen soll.

Der Gemeinderat hatte die Erhebung im September 2012 beim Land beantragt. Eine wesentliche Voraussetzung – mehr als 20 000 Einwohner – sieht das Statistische Landesamt jetzt dauerhaft erfüllt. Als Folge des Zensus von 2011 war die Kopfzahl zwischenzeitlich nach unten korrigiert worden. Doch die 20 000er-Marke war schnell wieder übersprungen. Die städtischen Meldedaten weisen aktuell sogar mehr als 21 200 Köpfe aus. Der Kabinettsbeschluss am Dienstag galt als Formsache und wurde ohne Aussprache gefasst.

„Die Weichen sind weiterhin auf Wachstum gestellt“, ist Kapellen überzeugt. Ein Grund liege in Laupheims boomender Wirtschaft. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse ist erneut gestiegen, 2014 waren es knapp 11 300. Auch bei den weichen Standortfaktoren könne die Stadt punkten und habe durch konsequenten Schuldenabbau Fußangeln abgestreift, trotz beträchtlicher Investitionen.

Kein eigenes Autokennzeichen

Vom Prädikat Große Kreisstadt verspricht sich Kapellen einen Imagegewinn und stärkeres politisches Gewicht. Als sichtbares Zeichen vorab wertet er den Umstand, dass der Landkreis im Frühjahr 2016 eine Kfz-Zulassungsstelle in Laupheim einrichtet. Er habe das Thema im Zusammenhang mit der Großen Kreisstadt eingebracht, sagt Kapellen; auch Ochsenhausen profitiere davon. Ein eigenes Laupheimer Autokennzeichen werde es wohl kaum geben: „Wir hatten noch nie eines, deshalb können wir keines bekommen.“ Nur alte Kennzeichen von vor der Gebietsreform könnten reaktiviert werden.

Den Bürgerservice will Kapellen kontinuierlich ausbauen. Es sei erklärtes Ziel des Gemeinderats, die neu hinzu kommenden Aufgaben der Ausländerbehörde und Wohngeldstelle nach einer Übergangszeit von zwei Jahren im eigenen Rathaus zu erledigen. „Per Gesetz sind wir vom 1. Januar 2016 an zuständig“, weiß der Bürgermeister. „Mit einem so kurzen zeitlichen Vorlauf können wir aber nicht das erforderliche Personal aufbauen.“

Das für Große Kreisstädte ebenfalls obligate Rechnungsprüfungsamt will die Verwaltung von Anfang an im eigenen Haus etablieren. Die Mitarbeiter wirken vor allem nach innen; sie begleiten Ausschreibungen und Vergaben und kontrollieren, ob wirtschaftlich gehandelt wird. „Hier macht Delegieren am wenigsten Sinn“, sagt der Erste Beigeordnete Gerold Rechle.

Erster Bürgermeister und OB

Rechle wird zum 1. Januar Erster Bürgermeister, Kapellen Oberbürgermeister. An der Besoldung ändert sich nichts. Sie werden auch bisher schon nach der Kategorie 20 000 bis 30 000 Einwohner bezahlt, wobei die Hälfte der rund 12 000 Menschen in Achstetten, Burgrieden und Mietingen angerechnet wird; diese drei Kommunen bilden eine Verwaltungsgemeinschaft mit Laupheim.

Regio TV berichtet am heutigen Mittwoch ab 18 Uhr im „Journal“ zum Thema Große Kreisstadt.

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