„Laupheim wächst in allen Bereichen“

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Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiter

Fünf Worte benötigt Rainer Kapellen, um Laupheims Zustand auf den Punkt zu bringen: „Wir wachsen in allen Bereichen“. Beim gemeinsamen Neujahrsempfang von Stadt und Bundeswehr am Mittwoch im Kulturhaus hat er diese Aussage vor rund 600 Gästen mit Zahlen und Fakten untermauert.

22 240 Einwohner zählte die Große Kreisstadt im November 2017 – eine neue Bestmarke. Mehr als 12 000 Arbeitsplätze bieten die hiesigen Betriebe; der Überschuss an Einpendlern, die von auswärts nach Laupheim zum Arbeiten kommen, beträgt rund 3000. Erneut konnte die Stadt Schulden abbauen; rund 4,8 Millionen Euro waren es noch zum Jahreswechsel, das sind 605 Euro pro Einwohner. Damit, so Kapellen, „liegt Laupheim nachhaltig unter der durchschnittlichen Verschuldung vergleichbarer Kommunen im Land“. Und ins neue Jahr geht es mit Rücklagen von mindestens 35 Millionen Euro.

Der Einwohnerzuwachs erfordert ein Mehr an Infrastruktur. Besonders augenfällig wurde dies wiederum bei der Kinderbetreuung. 64 neue Kindergarten- und Krippenplätze sind 2017 entstanden, insgesamt 1153 stehen aktuell zur Verfügung (vor 20 Jahren waren es 515). Auch 2018 kommen Dutzende dazu: Im Februar eröffnet die Kita „Pusteblume“ in der Edith-Stein-Straße, bis Dezember soll das „Haus des Kindes“ an der Bronner Straße fertig sein. Die Zahl der städtischen Mitarbeiter in diesem Bereich steigt heuer auf 156, vor vier Jahren waren es 87.

Gute Chancen sieht Kapellen für das geplante Gesundheitszentrum. Der Gemeinderat habe dazu zwei wegweisende Beschlüsse gefasst: Die Stadt beteiligt sich mit 1,5 Millionen Euro an der Zentrum für Älterenmedizin GmbH und hält es für „grundsätzlich vorstellbar“, die Bauherrschaft für das Ärztehaus zu übernehmen.

Zuversichtlich zeigte sich Kapellen auch, dass ein kommunales Kino kommt. In Sachen Nordwesttangente äußerte er sich erfreut, „dass der Landkreis dazu steht und eine Anfinanzierung im Kreishaushalt drin ist“. Diese Umgehung werde den Knoten Ehinger-/Ulmer Straße bei der Leonhardskapelle laut einer Prognose um 60 Prozent entlasten.

Eine spürbare Entlastung der Biberacher und der Bahnhofstraße verspricht sich Kapellen von einer vierten B 30-Auffahrt. Sie sei machbar, betonte er und bat den Regierungspräsidenten Klaus Tappeser und den Bundestagsabgeordneten Josef Rief, beide zu Gast beim Neujahrsempfang, das Projekt weiter zu unterstützen – „die Stadt würde auch planerisch in Vorleistung gehen“.

Kritik übte Kapellen daran, dass der Schutz der Saatkrähe über das Wohl von Menschen gestellt werde. Für den Satz „Wir brauchen dringend Unterstützung und eine Änderung der Rechtslage“ gab es Beifall.

2018 bringe den Einstieg in die Umsetzung der Sporthallenprojekte, kündigte Kapellen an. Auch soll in den Haushalt Geld für die Neue Ortsmitte Baustetten und ein Versorgungszentrum für Ober- und Untersulmetingen eingestellt werden.

„Eine Quelle der Inspiration“

Gastredner des Abends war Paul Steinschulte, Geschäftsführer von Universal Pictures International Deutschland und Österreich. Einen klassischen Vortrag hat er nicht gehalten, vielmehr einen Werbefilm von NBC Universal gezeigt – und aus seiner Freude, Laupheim entdeckt zu haben, keinen Hehl gemacht. „Vor 18 Monaten kannte ich diese Stadt nicht“, gestand er. „Ich wusste nur, dass der Universal-Gründer Carl Laemmle in der Gegend von Ulm geboren ist.“ Doch dank der Initiative von Stadt und Produzentenallianz, die den Carl-Laemmle-Produzentenpreis aus der Taufe hoben, sei Laupheim besondere Aufmerksamkeit zuteil geworden und werde das Lebenswerk des Hollywood-Pioniers neu gewürdigt.

„Laemmle ist für uns eine Quelle der Inspiration“, erklärte Steinschulte. Er habe die Branche und die Filmmetropole Los Angeles geprägt, „sein kulturelles Erbe wird weiterleben. Der Produzentenpreis trägt dazu bei. Wir freuen uns, das auch in Zukunft unterstützen zu können.“ Angetan ist Steinschulte auch von den Bestrebungen, ein kommunales Kino in Laupheim einzurichten: „Wir würden gern den ersten Film liefern, und ich komme auch gern zur Eröffnung.“

Zwei Wünsche des Kommodore

Zwei Wünsche für 2018 formulierte Christian Mayer, Kommodore des Hubschraubergeschwaders 64. Erstens: Angesichts weltweit komplett neuer Herausforderungen sei es wichtig, dass Deutschland und die europäischen Partner ihre Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit steigern – dazu sollte es zügig vorangehen mit der Regierungsbildung in Berlin. Und zweitens: Das kooperative Miteinander in Laupheim möge Bestand haben. „Dank an Sie alle, dass wir es hier so gut haben“, schloss der Oberstleutnant.

Glänzend aufgelegt präsentierte sich die von Rustam Keil geleitete Big Band der Stadtkapelle, die den Neujahrsempfang musikalisch adelte. Im Kulturhausfoyer bewirtete der Jugendkulturverein; es entspannen sich angeregte Gespräche.

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