Laupheim ohne Krankenhaus ist „unvorstellbar“

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Operateure bei der Arbeit: Auch die Zukunft der Kreiskliniken wird jetzt genauestens ausgeleuchtet.
Operateure bei der Arbeit: Auch die Zukunft der Kreiskliniken wird jetzt genauestens ausgeleuchtet. (Foto: arc)
Schwäbische Zeitung

Die Zukunft der Kreiskliniken beschäftigt seit Monaten den Biberacher Kreistag. Am Mittwoch wurde die Debatte erstmals öffentlich geführt (die SZ berichtete). Sieben Varianten stehen zur Diskussion – vom Erhalt aller vier Häuser bis zur Schließung von dreien. Wie denken die Laupheimer Kreisräte darüber? Roland Ray hat nachgefragt.

Ein Herzstück bräche weg

Für Brigitte Angele (CDU) ist es „unvorstellbar“, dass das Laupheimer Krankenhaus von der Landkarte verschwindet: „Da würde ein Herzstück wegbrechen von der Stadt.“ In den vergangenen Jahren sei viel investiert worden. „Laupheim liegt mir am nächsten“, bekennt die Christdemokratin. Als Kreisrätin trage sie gleichwohl Verantwortung auch für die anderen Häuser. Deshalb plädiere sie für eine Vierer-Lösung. Die Kliniken in Laupheim, Riedlingen und Ochsenhausen müssten zeitnah saniert werden, „nicht erst, wenn der Neubau in Biberach läuft“.

„Da kommt’s zum Schwur“

Rein von der Kostenseite betrachtet müsste man sich auf Biberach konzentrieren und die „Außenstandorte rasieren“, sagt Rudolf Pretzel (Freie Wähler). Jedoch: „Man kann dieses Thema nicht ausschließlich auf die finanzielle Ebene herunter zoomen. Im Augenblick sehe ich keine Alternative zu einer dezentralen Lösung.“ Pretzel tendiert zu einem Klinik-Neubau in Biberach („wenn man schon so viel Geld investiert“) und einer qualitativ guten Grundversorgung an den anderen Standorten. Das Belegarzt-Modell müsse man womöglich weiter ausbauen. Der Knackpunkt seien die Kosten: „Da kommt's zum Schwur.“

„Kein Anlass zur Gelassenheit“

Martina Miller (SPD) ist „ganz klar für eine dezentrale Struktur“ mit zeitnahen Investitionen. Der Landkreis stehe in der Pflicht, für ausgewogene Lebensverhältnisse in der Fläche zu sorgen, und könne nicht auf Zigtausende Patienten verzichten, die laut Gutachten bei einer Aufgabe der Häuser in Laupheim, Riedlingen und Ochsenhausen abwandern und die Kliniken in den Nachbarkeisen stärken würden. Auch gingen in diesem Fall vor Ort bis zu 700 Arbeitsplätze verloren. Das Krankenhaus sei ein wichtiger Standortfaktor für Laupheim. Angesichts der betriebswirtschaftlichen Zahlen sieht Miller „keinen Anlass zur Gelassenheit“. Ohne Sorgen könnten derzeit wohl nur die Biberacher schlafen.

Neuer OP-Trakt tut Not

Franz Romer (CDU) tendiert zur Empfehlung der Kreisverwaltung, sprich einer starken Zentrale in Biberach („sonst können wir beim medizinischen Fortschritt nicht mehr mithalten“) und einem Basisangebot in Laupheim, Riedlingen und Ochsenhausen. „Ein paar Euro muss uns die wohnortnahe Versorgung schon wert sein“, sagt er und ist zuversichtlich, dass das hiesige Krankenhaus weitergeführt wird. Er denkt an Erst- und Notfallversorgung und die Nachbehandlung von Patienten, das Belegarzt-Modell könnte ausgebaut werden. Dringlich sei ein neuer OP-Trakt.

„Bis zum letzten Atemzug“

„Wir kämpfen für Laupheim bis zum letzten Atemzug“, sagt Josef Kerler (Freie Wähler). Eine Grundversorgung und eine Spezialisierung in bestimmten Bereichen müssten gewährleistet sein. Viele Kreisräte, beklagt Kerler, hätten nur noch Biberach im Blick. Eine „Granatensauerei“ sei, dass sich das Land immer mehr aus der Krankenhausfinanzierung zurückziehe. „Die sind in der Pflicht, im ländlichen Raum das Mögliche zu tun“, insistiert Kerler. „Es darf nicht am Geld scheitern.“

Gute Zahlen, gute Arbeit

Clemens Graf Leutrum (CDU) hegt „keine großen Befürchtungen“ für den Standort Laupheim: „Die Zahlen sind gut, es wird gute Arbeit geleistet.“ Auch er kann sich vorstellen, die Kooperation mit niedergelassenen und Belegärzten weiter voranzutreiben. In den hiesigen OP-Bereich müsse zwingend investiert werden; für Belegärzte sei ein Engagement nämlich nur dann attraktiv, „wenn die Infrastruktur passt“. Eine schnelle wohnortnahe Versorgung der Menschen im Landkreis sei auch künftig wichtig, betont Leutrum. „Ein Ein-Haus-Modell wird sicher nicht stattfinden.“ Allerdings müsse auch nicht zwingend alles unter der Kreisflagge laufen.

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