Kunstausstellung zu Carl Laemmle lockt fast 2000 Besucher an

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Bei der Eröffnung der Sonderausstellung „Carl Laemmle reloaded“ diskutierten Besucher und Künstler angeregt über die gezeigten
Bei der Eröffnung der Sonderausstellung „Carl Laemmle reloaded“ diskutierten Besucher und Künstler angeregt über die gezeigten Arbeiten. (Foto: Roland Ray)
Redaktionsleiter

6913 Besucher hat das Museum zur Geschichte von Christen und Juden im vergangenen Jahr gezählt – rund 400 mehr als 2016. Dieser Zuwachs sei in erster Linie dem Carl-Laemmle-Jubiläum zu verdanken, berichtete der Museumsleiter Michael Niemetz dem Kulturausschuss des Gemeinderats.

Etwa 80 öffentliche Veranstaltungen hat das Museumsteam im 150. Geburtsjahr des Hollywood-Pioniers organisiert, neben dem Tagesgeschäft und der Betreuung von Besuchergruppen. Besondere Resonanz fand die Sonderausstellung „Carl Laemmle reloaded“, das Ergebnis eines deutschlandweiten Wettbewerbs, den das Museum in Kooperation mit dem Berufsverband Bildender Künstler in Ulm ausgeschrieben hatte. 72 Künstler setzten sich mit dem Leben und Wirken des in Laupheim geborenen legendären Filmproduzenten auseinander, 32 von ihnen stellten im Schloss Großlaupheim aus. Das lockte fast 2000 Besucher an.

Etwa 700 Besucher, darunter etliche Schulklassen, wollten die Wanderausstellung „Abgestempelt. Judenfeindliche Postkarten“ sehen. Wenig gefragt war eine Dokumentation über Josel von Rosheim, einen zentralen Vertreter der deutschen Juden im Reformationszeitalter.

Die Ausstellungsräume waren außerdem Schauplatz der Bezirksfotoschau. Die Gastgeber vom Laupheimer Fotokreis gewannen mit ihrer Reihe „Laemmles Erben“ die Bezirksmeisterschaft.

Im vergangenen Jahr wurden deutlich weniger Schülergruppen als 2016 durch das Museum geführt (84, zuvor 130); mehr als verdoppelt haben sich dagegen die Führungen für Erwachsene (von 94 auf 209). Den jüdischen Friedhof und das Haus am Friedhof besuchten 1275 Menschen.

Die neu gestalteten, im Januar 2018 eröffneten Laemmle-Räume haben neues Interesse an der Dauerausstellung geweckt, berichtete Niemetz. Sie sei der inhaltliche Schwerpunkt des Museums, das auf Sonderschauen aber nicht verzichten könne: „Vor allem über sie können wir unser Haus immer wieder bewerben und ins Gespräch bringen, und damit auch die Dauerausstellung.“

30 Filme hat Adrian Kutter in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule im Laemmle-Kino des Museums präsentiert. Noch im Gang ist offenbar die Entscheidungsfindung, ob und auf welche Weise das bisher in Biberach ansässige Film- und Kinomuseum Baden-Württemberg im Schloss Großlaupheim Einzug hält.

Unter den Neuerwerbungen des Museums waren ein Katalog der Laupheimer Werkzeugfabrik und eine Originalausgabe von Kants „Kritik der practischen Vernunft“ aus dem 18. Jahrhundert; Bob Treitel aus New Hampshire/USA, Urenkel des letzten Laupheimer Rabbiners, hat den kostbaren Band aus dessen Nachlass mitgebracht. „Das ist eine ganz tolle Geste“, sagt Michael Niemetz. Der Freundeskreis des Museums, der Lions-Club und der Carl-Laemmle-Förderverein haben den Ankauf wichtiger Arbeiten aus der Ausstellung „Carl Laemmle reloaded“ ermöglicht.

Niemetz bestätigte Überlegungen, das Haus Am Judenberg 2 in die Geschichtsvermittlung einzubeziehen. Wie berichtet, hat die US-amerikanische Seifenmanufaktur Dr. Bronner’s das Anwesen gekauft. Dort wurde die Firma 1858 gegründet.

„Wir sind ein Mini-Team“

Zur personellen Situation im Museum sagte Niemetz: „Wir sind ein Mini-Team. Ohne unsere Ehrenamtlichen könnten wir unser Museum nicht betreiben.“ Vielleicht könnte der Rat ja eine Verstärkung in Betracht ziehen.

„Sie leisten Großartiges“, lobte Erwin Graf, Fraktionssprecher der Freien Wähler, die Arbeit des Museumsteams. Vom Laemmle-Jahr hätte er sich gleichwohl einen größeren Besucher-Sog erwartet. Völlig zurecht weise Michael Niemetz darauf hin, dass das Schloss sanierungsbedürftig sei, sagte Graf. Man müsse diese Aufgabe in Angriff nehmen.

Das Laemmle-Jahr habe überregional und international gewirkt, steht für Christian Biffar (CDU) fest. „Wichtig und wundervoll“ sei, dass zunehmend Nachfahren jüdischer Laupheimer auf Spurensuche hierher kommen. Daran habe das Museum großen Anteil. Lob kam auch von SPD und Offener Liste.

„Die Sanierung des Schlosses nehmen wir ernst“, versicherte Oberbürgermeister Gerold Rechle. Im Zuge der Haushaltsberatungen für 2019 werde man sich damit auseinander setzen und im Herbst auch wieder das Thema „Erneuerung der Dauerausstellung“ aufrufen.

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