Klinikdebatte: Landratsamt legt Karten auf den Tisch

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Hartmut Masanek ist Geschäftsführer der Kreiskliniken.
Hartmut Masanek ist Geschäftsführer der Kreiskliniken. (Foto: Kliebhan)
Schwäbische Zeitung

Am 15. März entscheidet der Kreistag über die Zukunft der vier Kreiskliniken. Das Landratsamt hat nun einen Beschlussvorschlag auf den Tisch gelegt. Laupheim soll zum „Gesundheitszentrum“ mit einer stationären Basis- und Notfallversorgung und ambulanten Angeboten werden. Beim SZ-Forum am Donnerstag im Kulturhaus reagierten Politiker und viele Zuhörer skeptisch.

„Die gesundheitliche Versorgung ist ein wertvolles Gut für die Bürger. Wie ich die Laupheimer kenne, werden sie erst zufrieden sein, wenn sie von dem Möglichen das für sie Bestmögliche erreicht haben“, stellte Roland Pecha, Vorsitzender des Bundes der Selbständigen, gleich zu Beginn des SZ-Forums fest.

Um das Mögliche, das Bestmögliche und den Weg dorthin ging es in der rund zweieinhalbstündigen Diskussion. Moderiert von den SZ-Redakteuren Ulrich Mäule und Roland Ray, standen Kliniken-Geschäftsführer Hartmut Masanek, der Ärztliche Direktor Dr. Jobst Isbary, Chefarzt Dr. Andreas Schwarz, die Laupheimer Betriebsratsvorsitzende Adriana Häußler, die Kreisräte Franz Romer (CDU), Martina Miller (SPD) und Rudolf Pretzel (FWV), Bürgermeister Rainer Kapellen und Roland Pecha Rede und Antwort.

Starke Zentrale Biberach

Ausgangspunkt der Debatte war der Vorschlag der Kreisverwaltung, wie die Krankenhauslandschaft künftig aussehen könnte. Im Landkreis soll es demnach drei Kliniken geben. Biberach wird zur „starken Zentrale“ ausgebaut. Die Konsequenz: ein kompletter Neubau. Ochsenhausen schrumpft zur rein ambulanten Einrichtung. „Die Kreiskliniken in Laupheim und Riedlingen werden fortentwickelt“, heißt es im Vorschlag der Verwaltung. Ziel seien „Gesundheitszentren“ mit stationären Betten für Notfälle und für die Grundversorgung und mit ambulanten Angeboten. In Laupheim sind zudem Schwerpunkte in der minimalinvasiven Chirurgie und in der Endoprothetik vorgesehen. Ein genauer Finanzierungsplan muss aber erst noch erstellt werden.

Die Klinikvertreter erläuterten die Verwaltungsvorlage. „Es ist ein guter Vorschlag, mit dem die Laupheimer zufrieden sein können“, fand Hartmut Masanek, Geschäftsführer der Kliniken Landkreis Biberach GmbH. Das Krankenhaus bleibe bestehen, wie von den Bürgern gewünscht.

„Der momentane Stand ist nicht auf Dauer zu halten“, stellte Dr. Jobst Isbary allerdings klar und wies auf die Entwicklungen im Gesundheitswesen hin wie Ärzteknappheit, Finanzierungsprobleme und den Konkurrenzdruck von außerhalb der Kreisgrenzen. Die Notfallversorgung mit stationären Betten gelte es in Laupheim aufrecht zu erhalten. „Die Prämisse für Laupheim heißt: kappen, was nicht machbar ist.“ Wie Isbary empfahl auch Dr. Schwarz dringend, die Kooperation mit niedergelassenen Ärzten auszubauen. Außerdem gelte es, „ein paar Spezialitäten“ anzubieten.

Die Politiker auf dem Podium machten deutlich, dass ihnen der Vorschlag der Verwaltung Bauchschmerzen bereitet. Zu wenig konkret, lautete der Vorwurf. Während der Spatenstichtermin für den Biberacher Neubau schon genannt werde, gebe es für Laupheim nur den Begriff der „Fortentwicklung“, lautete ein Kritikpunkt.

Der Ausdruck „Gesundheitszentrum“ sei unscharf, und der genaue Investitionsplan liege noch nicht vor, monierte Rainer Kapellen. Er forderte: Nicht nur für Biberach, auch für Laupheim und Riedlingen müsse ein konkretes Konzept stehen, bevor man im Kreistag abstimme.

Die Planungen zur Krankenhausentwicklung müssten im Lauf der Zeit immer feiner herausgearbeitet werden, entsprechend dem Wandel des Gesundheitssystems, erklärte Masanek. Er verwies auf den vorgesehenen OP-Neubau und Investitionen. „Ich verstehe die Unzufriedenheit nicht.“

„Mir ist das zu wachsweich und zu schwammig“, kritisierte Franz Romer den Verwaltungsvorschlag. „Ein Gesundheitszentrum, was ist das?“ Das Pferd werde vom Schwanz her aufgezäumt. Zuerst müsse man mit den Betroffenen vor Ort und den Ärzten über das medizinische Angebot sprechen, dann erst könne man über Investitionen entscheiden.

Die Verwaltungsvorlage sei ein guter Einstieg, fand Rudolf Pretzel. Aber: „Wir wollen, dass die Ertüchtigung von Riedlingen und Laupheim zeitgleich mit Biberach realisiert wird.“ Und auch er forderte: „Die Dinge konkret benennen. Weiterentwickelt und fortentwickelt ist mir zu weich formuliert.“

Martina Miller (SPD) ging auf die Befürchtungen ein, dass in Biberach gebaut werde und am Ende für Laupheim kein Geld mehr da sein könnte. „Wir müssen die Bedürfnisse der Bevölkerung auf dem flachen Land ebenso berücksichtigen.“ Die Biberacher wüssten nicht wie es sei, nach und nach Institutionen zu verlieren. „Wir haben erst vor kurzem das Amtsgericht verloren.

Der Vorschlag der Kreisverwaltung (Auszüge):

Die Kreisverwaltung schlägt in ihrer Sitzungsvorlage vor: „Die Kreisklinik Biberach soll konsequent als Haus der Regelversorgung mit Elementen der Schwerpunktversorgung und damit als starke Zentrale ausgebaut werden. Dies geschieht insbesondere durch Bündelung komplexer medizinischer Leistungen am Standort Biberach. Die bauliche Umsetzung erfolgt mit einem Neubau.“

„Die Kreiskliniken in Laupheim und Riedlingen werden fortentwickelt. In der ersten Phase der Umsetzung des Neubaus der Klinik Biberach werden in Laupheim und Riedlingen die notwendigen Sanierungen und Investitionen entsprechend einem noch vorzulegenden, mit der medizinischen Entwicklung abzustimmenden, Finanzierungsplan getätigt. Mit einer weiter fortschreitenden Verzahnung des ambulanten und stationären Leistungsangebots, soll das Ziel verfolgt werden, Gesundheitszentren mit einem möglichst breiten ambulanten und dem für eine Notfall- und Grundversorgung notwendigen stationären Versorgungsangebot zu schaffen, bzw. zu sichern.“

In der Sitzungsvorlage werden als Versorgungsangebote genannt:

Laupheim: Grund- und Notfallversorgung, endoprothetische Versorgung, Zentrum für minimalinvasive Chirurgie, ambulante Versorgung mit ambulantem OP-Zentrum.

Biberach: Regelversorgung mit Elementen der Schwerpunktversorgung, regionales Traumazentrum, Gefäßzentrum/Stroke Unit, Darm-, Brust-, Prostata-, Wirbelsäulenzentrum, ambulante Versorgung mit ambulantem OP-Zentrum.

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