Keine Scheu vor Rotoren und Turbinen

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Angetreten zur Übung: Drei Rettungshundestaffeln der Malteser haben am Montag auf dem Militärflugplatz Laupheim das Ein- und Au
Angetreten zur Übung: Drei Rettungshundestaffeln der Malteser haben am Montag auf dem Militärflugplatz Laupheim das Ein- und Aussteigen in einen Transporthubschrauber trainiert. (Foto: Roland Ray)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiter

Drei Rettungshundestaffeln des Malteser Hilfsdienstes haben am Montag auf dem Laupheimer Militärflugplatz trainiert. Die Vierbeiner sollten ohne Scheu vor Triebwerkslärm und flirrenden Rotorblättern in einen Transporthubschrauber ein- und aussteigen.

„Corvin“ ist ein alter Hase. Weder Krach noch Wind bringen den elfjährigen Hovawart aus der Ruhe; souverän folgt er Gudrun Kaiser in den Bauch der CH-53. „Er ist unser Staffelsenior“, sagt die stellvertretende Zugführerin der Malteser-Rettungshundestaffel Rottenburg.

Für „Boomer“ dagegen ist zunächst an der Heckklappe des Hubschraubers Schluss. Weiter traut sich der erst sechs Monate alte Bearded Collie im ersten Anlauf nicht. Sein Frauchen Heike Walz streichelt ihn, redet ihm gut zu. Als später die Turbinen schweigen, versuchen es die beiden erneut – diesmal mit Erfolg.

„Wir machen nach Möglichkeit jedes Jahr eine solche Übung“, sagt Gudrun Kaiser. „Das gehört zu den vertrauensbildenden Maßnahmen.“ Wenn die Hunde im Ernstfall in ein Katastrophengebiet geflogen werden, zum Beispiel nach einem Erdbeben, sollen sie wissen, der Hubschrauber tut ihnen nichts. „Dann sind sie viel entspannter und können sich am Einsatzort gleich darauf konzentrieren, nach Verschütteten zu suchen“, erklärt Kaiser. Mit ihrer Spürnase lokalisieren die Hunde Menschen, die bis zu sieben Meter unter Trümmern liegen. Damit sind sie jedem technischen Ortungsgerät weit überlegen.

In Laupheim sind die Malteser regelmäßig zu Gast. „Heute Vormittag gab’s ein Briefing und wir haben unseren Besuchern den Standort vorgestellt“, berichtet Stabsfeldwebel Jerg Maier von der Pressestelle des Geschwaders. Anschließend durften die Hunde reinschnuppern in eine CH-53 im Ruhezustand.

Nach der Mittagspause werden sie zusehends gefordert. Erst läuft nur das Hilfstriebwerk des Hubschraubers, dann starten die Piloten beide Turbinen; der Geräuschpegel schwillt an, die Rotoren drehen sich und erzeugen mächtig Wind. Beim letzten Durchgang schließt sich nach dem Einsteigen für drei, vier Minuten die Heckklappe hinter den Hundeführern und ihren Tieren, der Rumpf der Maschine wackelt ein bisschen.

25 Rettungshundeführer der Malteser aus Rottenburg, Freudenstadt und Schwäbisch Gmünd und ein DRK-Kollege aus Calw haben am Montag mit ihren Vierbeinern beim HSG 64 trainiert. „Wir sind für so etwas offen“, betont Jerg Maier. Er kann sich einen gemeinsamen Einsatz mit den Soldaten der Luftwaffe vorstellen. Ein Erdbeben wie 2006 in Pakistan oder ein Lawinenunglück wie 1999 in Galtür wären – in der Rückschau – denkbare Szenarien.

Die Piloten und Bordtechniker haben sichtlich Freude, an der Übung mitzuwirken. Die Malteser überreichen kleine Plüschhunde als Dankeschön. „Wir sind immer sehr zufrieden hier“, lobt Gudrun Kaiser.

Die Mitglieder der Rettungshundestaffeln arbeiten ehrenamtlich. Die Ausbildung von Hundeführer und Hund für die Suche nach vermissten Personen in der Fläche und unter Trümmern ist aufwendig und dauert bei den Maltesern in der Regel zwei bis drei Jahre.

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