Kaum naturnahe Fluss- und Bachläufe

Lesedauer: 4 Min
Dieses Diagramm verdeutlicht, wie es um die Naturbelassenheit der Gewässer auf Laupheimer Gemarkung steht: Nur zu einem Prozent
Dieses Diagramm verdeutlicht, wie es um die Naturbelassenheit der Gewässer auf Laupheimer Gemarkung steht: Nur zu einem Prozent können die Wasserläufe nach den einschlägigen Kriterien als „unverändert bis gering verändert“ eingestuft werden (du (Foto: Schaubild: SVL)
Redaktionsleiter

Insgesamt 43 Kilometer lang sind die Fließgewässer auf Laupheimer Gemarkung, für deren Unterhalt die Stadt zuständig ist, doch bestenfalls sechs Prozent davon können nach den einschlägigen Richtlinien als halbwegs naturnah gelten. Zu diesem Ergebnis kommt der Diplom-Biologe Josef Grom aus Altheim, der im Auftrag der Stadt einen Gewässerentwicklungsplan erarbeitet hat.

Diese Woche hat Grom dem Bau- und Umweltausschuss des Gemeinderats berichtet. Er hat die Hauptgewässer Rottum und Dürnach sowie Rotbach und Schlaibach, Schandgraben und Hinterriedgraben, Grundgraben, Höllgraben, Saubach und Kaltbach unter die Lupe genommen und Linienführung und Durchgängigkeit, das Querprofil und die Struktur der Sohle, Uferbewuchs und Gewässerumfeld bewertet. Mit dem Resultat, dass die Fluss- und Bachläufe zu je einem Drittel als „stark verändert“ und „sehr stark verändert“ eingestuft wurden; zwölf Prozent Streckenlänge sind „übermäßig stark verändert“.

In die Kategorie „sehr stark verändert“ fällt die Dürnach; sie ist überwiegend kanalisiert und weist Sohleschalen auf. „Stark verändert“ ist die Rottum, „mäßig verändert“ der Schlaibach. Das Prädikat „unverändert“ erhält auf Laupheimer Gemarkung nur der Kaltbach im (privaten) Bihlafinger Wald.

Die Bestandaufnahme ist Grundlage des von Josef Grom gefertigten Gewässerentwicklungsplans. Zentrale Ziele sind der Erhalt und die Entwicklung funktionsfähiger Fließgewässer-Ökosysteme und eine nachhaltige Gewässerbewirtschaftung. Das gilt für die Gewässerstruktur ebenso wie für die Lebensraumqualität für Pflanzen, Tiere und Menschen.

Die Gewässerentwicklungsplanung zeigt auf, was notwendig ist, um diese Ziele zu erreichen. Sie gibt die Richtschnur vor, was an Flüssen und Bächen kurz- und längerfristig zu tun ist. Einzelne kleinere Maßnahmen können so sinnvoll koordiniert werden. Die Planung basiert auf der EU-Wasserrahmenrichtlinie, die den Mitgliedsstaaten bis 2027 Zeit gibt, die ökologische Situation der Gewässer zu verbessern.

Josef Grom wies im Ausschuss darauf hin, dass nach dem Wassergesetz für Baden-Württemberg ab Januar 2019 ein fünf Meter breiter Gewässerrandstreifen von der Ackernutzung ausgeschlossen wird; bisher sind in dieser Zone Dünger und Pflanzenschutzmittel tabu. Es könne durchaus Sinn machen für die Stadt, Randstreifen zu erwerben.

„Es besteht Handlungsbedarf“, sagte Stadtrat Achim Schick (CDU) nach Groms Vortrag. Die Fließgewässer seien in erschreckendem Umfang verändert worden, resümierte Anja Reinalter (Offene Liste). Martina Miller (SPD) sagte, es sei an der Zeit, wenigstens ein Stück weit gutzumachen, was in den zurückliegenden 100 Jahren mit Flüssen und Bächen passiert sei.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen