Kammerorchester Laupheim nimmt die Zuhörer mit in die „neue Welt“ und nach Kuba

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Begeisternder Auftritt: das Kammerorchester Laupheim, dirigiert von Michael Strele.
Begeisternder Auftritt: das Kammerorchester Laupheim, dirigiert von Michael Strele. (Foto: dih)
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Ein umjubeltes Konzert hat das Kammerorchester Laupheim am Samstag im Kulturhaus Schloss Großlaupheim gegeben. Auf dem Programm standen Antonin Dvoraks Sinfonie Nr. 9, „Aus der neuen Welt“, die elegante „Havanaise“ von Camille Saint-Saëns mit einer brillanten Lena Thanner als Solistin, sowie populäre Filmmusik von John Williams. Mit dieser Auswahl hat Dirigent Michael Strele dem Publikum einen äußerst kurzweiligen Abend beschert.

Den ersten Konzertteil füllte die Dvorak-Sinfonie. In ihr verband der tschechische Komponist Volksliedmelodien aus seiner Heimat mit musikalischen Eindrücken aus der „neuen Welt“ Amerika, die er während eines dreijährigen Aufenthalts dort gewann und mit zeitgenössischen Klängen und Rhythmen zu seiner eigenen Klangsprache verdichtete.

Im ersten Satz verbanden sich die dramatischen tiefen Streicher sehr schön mit den optimistischen Holzbläsern und bereiteten den Boden für das volksliedhafte Hauptthema der Hörner, das durch die Register wanderte. Mit einem Bläserchoral begann der zweite Satz, Largo, in dem das wehmütige Englischhorn-Motiv die Zuhörer in seinen Bann zog. Einen pulsierenden Grundrhythmus lieferte das Orchester im Scherzo, das drängende, abgerissene Motiv wechselte mit verschiedenen anderen, etwa dem Walzermotiv, das die Sehnsucht nach der Heimat ausdrückt. Der Wechsel zwischen den Charakteren gelang dem Orchester unter dem aufmerksamen Dirigat von Michael Strele sehr gut. Zur Sache ging es abschließend im Allegro con fuoco mit seinen Fanfarenstößen und der Wiederaufnahme der Hauptthemen, die dann leise verklangen.

Nadelfein und kernig angerauht

Nach der Pause überraschten Orchester und Solistin ihr Publikum mit der „Havanaise in E-Dur“ von Camille Saint-Saëns. Dazu inspiriert worden sein soll der Franzose auf einer Konzertreise mit einem kubanischen Violinisten, und er legte seiner „Havanaise“ den Rhythmus einer Habanera zugrunde, ein aus Kubas Hauptstadt Havanna stammender Tanz.

Lena Thanner breitete die lasziv synkopierte Melodie mit großer Geste und feinem Ton aus, um anschließend in einem rasanten Auf und Ab den Zuhörern beinahe den Atem stocken zu lassen. Nadelfein in den Höhen und kernig angerauht in den tieferen Lagen, führte sie virtuos durch die sechs kurzen, aber technisch anspruchsvollen Sätze der Havanaise, derweil das Orchester dezent, aber dennoch präsent im Hintergrund agierte. Mit ihrer Interpretation erntete die junge Violinistin, Lehrerin an der Musikschule Gregorianum und stellvertretende Konzertmeisterin des Philharmonischen Orchesters der Stadt Ulm, begeisterten Applaus und Bravo-Rufe.

Eingängige Filmmelodien

Gegenüber soviel kubanisch-französischer Eleganz wirkte der anschließende Filmmusik-Teil fast ein wenig grob. Doch schnell gewöhnte sich das Ohr an die eingängigen, forschen Melodien aus Indiana Jones. Das klagende Hauptthema aus dem Film „Schindlers Liste“ übernahm erneut Lena Thanner als Solistin, sehr schön ergänzt durch die Klänge der Harfe und der Holzbläser. Hörbar Spaß schien dem Orchester der „Star Wars Main Title“ zu machen, und Glöckchenglitzer begleitete „Princess Leia‘s Theme“, bevor der mächtige „Imperial March“ den Konzertabend beschloss.

Dankbarer und begeisterter Applaus belohnte die Musiker für ihre gelungene Aufführung.

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