Kögel ruft zu mehr Verständnis für die Mitmenschen auf

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Kurt Kiechle

Vor 49 Jahren hat die Baustetter Lena Kästle, selbst an den Rollstuhl gefesselt, den Baustetter Behindertentag ins Leben gerufen. Daraus entwickelte sich eine Begegnung mit einem besonderen Charakter zwischen Menschen mit und ohne Behinderung. Der Tag ist längst zu einem festen Bestandteil im Jahreskreis der Gemeinde an der Rottum geworden.

Auf diese Tradition hat Ortsvorsteher Dietmar Kögel beim 49. Treffen am Samstag in der vollbesetzten Mehrzweckhalle mit spürbarer Freude und Zufriedenheit hingewiesen. „Ich bin richtig stolz, so viele Teilnehmer hatten wir noch nie.“ Stolz durfte der Kommunalpolitiker genauso auf die vielen Mitstreiter vor und hinter den Kulissen sein, die es jedes Jahr aufs Neue möglich machen, ein solches Fest gemeinsam auf die Beine zu stellen.

Der vorrangige Dank galt denn auch der Ortsverwaltung, der katholischen Kirchengemeinde und der unermüdlichen Bastelgruppe für behinderte Menschen. Ihre Verbundenheit bringen auch der Musikverein „Harmonie“ und der „Liederkranz“ Baustetten zum Ausdruck, indem sie für den unterhaltsamen Teil der Veranstaltung sorgen, zu der auch immer gerne Vertreter des öffentlichen Lebens und der Politik kommen. So konnte Ortsvorsteher Dietmar Kögel den Landtagsabgeordneten Thomas Dörflinger, die Ehrenbürgerin der Stadt Laupheim, Brigitte Angele, und an ihrer Seite etliche Gemeinde-, Ortschafts- und Kirchengemeinderäte begrüßen.

An erster Stelle der Grußworte standen aber die Menschen, die mit einer Behinderung leben müssen. Großen Respekt zollte Kögel den pflegenden und betreuenden Familienangehörigen sowie allen haupt- und ehrenamtlichen Menschen in Pflegediensten. Der Ortsvorsteher rief dazu auf, den Begegnungstag zu nutzen, „um zu lernen, wie wir unsere Mitmenschen besser verstehen, Berührungsängste abbauen und Sichtweisen ändern können“. Es gehe auch darum, zu begreifen, was es bedeutet, im Rollstuhl zu sitzen, auf fremde Hilfe angewiesen zu sein oder mitleidige Blicke ertragen zu müssen. Menschen mit Behinderung hätten das Recht auf Teilhabe, also auf Einbezogenheit in die verschiedenen Lebenssituationen, sei es etwa im öffentlichen und privaten Bereich. „Wir müssen uns immer wieder bewusst machen, uns an unserem Handeln messen zu lassen.“

Trotz etlicher anderer, noch anstehender Verpflichtungen sei er heute gerne nach Baustetten gekommen, sagte der Landtagsabgeordnete Dörflinger. Er würdigte das beispielhafte Engagement der Bürger, die dafür sorgen würden, dass sich alle Besucher des Baustetter Behindertentages wohlfühlen könnten.

Schon beim vorausgegangenen Wortgottesdienst brachte Pfarrer Andrew Owusu von der katholischen Kirchengemeinde seine Freude über das alljährliche Fest zum Ausdruck, „an dem ich teilnehmen darf“. In seiner Ansprache bat der Geistliche um Kraft und Gottesliebe für alle Menschen. Die Lesung durch die evangelische Pfarrerin Martina Servatius, Gebete, Lob- und Danklieder, von einer kleinen Formation des MV Baustetten begleitet, rundeten den gehaltvollen Gottesdienst ab.

Danach sang sich der Kinderchor des Liederkranz Baustetten unter der Leitung von Simone Rieger und von Silke Strub am Klavier begleitet in die Herzen der Zuhörer. Die GB- Sportgruppe des TSV Laupheim mit ihrer Leiterin Cornelia Gensch erfreute das beifallfreudige Publikum mit einer sportlichen Einlage. Der örtliche Musikverein, erstmals unter der neuen Leitung von Stefan Birk- Braun, vermittelte ebenfalls pure Lebensfreude. Und daran nahmen in vollen Zügen auch ein paar ambitionierte Heimbewohner teil, indem sie bei etlichen Vorträgen mit dem Taktstock in der Hand, das Orchester dirigieren duften.

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