Jury verbeugt sich vor Regina Ziegler

Lesedauer: 7 Min
Der Carl-Laemmle-Produzentenpreis ist eine Auszeichnung, die nach dem Hollywood-Pionier Carl Laemmle aus Laupheim benannt wurde. Im vergangenen Jahr hat Roland Emmerich das Laemmle erhalten, 2018 geht die Trophäe an Regina Ziegler. Am 16. März findet die Verleihung im Schloß Großlaupheim statt - das haben die Initiatoren des Preises heute (19.01.18) bei einer Pressekonferenz in München bekanntgegeben. Wir waren für Sie vor Ort...
Roland Ray

Der Carl-Laemmle-Produzentenpreis 2018 geht an Regina Ziegler. Das hat die Jury am Freitag in München bekannt gegeben. Die mit 40 000 Euro dotierte Auszeichnung, initiiert vom Interessenverband der deutschen Film- und Fernsehproduzenten und der Stadt Laupheim, wird am 16. März im Kulturhaus verliehen.

Eine Frau setzt sich durch

„Dalli dalli“ heißt die Spiel- und Rateshow, mit der Hans Rosenthal in den 70er- und 80er-Jahren ein Millionenpublikum an den Fernsehschirmen begeistert. „Wofür geben Sie Geld aus?“, fragt er eines Samstagabends seine Kandidaten. Möglichst viele verschiedene Antworten sollen sie in wenigen Sekunden liefern, doch Regina Ziegler wiederholt mehrmals: „Hypotheken abzahlen, Hypotheken abzahlen, Hypotheken abzahlen...“. Woraufhin der Quizmaster stöhnt, Filme zu drehen, das müsse wohl ziemlich teuer sein.

Mit 60 D-Mark in der Tasche habe sie 1973 in Berlin ihre Produktions-firma gegründet, erzählt Ziegler beim Pressegespräch am Freitag. „Ich hatte weder Geld noch Beziehungen, habe einfach mal angefangen.“ Ein paar Jahre als Produktionsassistentin beim Sender Freies Berlin sind ihr fachlicher Proviant. Regelmäßig muss sie damals gut Wetter machen bei den Banken, damit es weitergeht. „Das würde heute nicht mehr funktionieren“, ist sie überzeugt. „Heute müssen Sie kreditwürdig sein. Das war ich in den ersten Jahren eigentlich nicht.“ Mit geliehenem Geld produziert sie ihren ersten Film, „Ich dachte, ich wäre tot“. Regie führt Wolf Gremm, ihr späterer Ehemann. Dafür gibt es auf Anhieb den Bundesfilmpreis.

45 Jahre ist das her. Mit Mut und Willenskraft hat Regina Ziegler sich durchgesetzt in einer von Männern dominierten Branche und auch international Erfolge gefeiert. Heute steht ihr Name für rund 500 Kino- und Fernsehfilme aller Genres. „Kamikaze 89“ mit Rainer Werner Fassbinder und „Korczak“ mit Andrzej Wajda sind darunter, „Der bewegte Mann“, „Der Mann mit dem Fagott“, die „Kommissarin Heller“, diverse „Tatort“-Folgen und die TV-Serie „Weissensee“, die die Geschichte zweier Ostberliner Familien vor und nach der Wende erzählt. An hochkarätigen Auszeichnungen war kein Mangel, das New Yorker Museum of Modern Art widmete ihr eine Retrospektive.

Und nun der Carl-Laemmle-Produzentenpreis, der den besonderen Beitrag dieses Berufsstands im kreativen und wirtschaftlichen Prozess des Filmschaffens herausstellen soll, benannt nach dem in Laupheim geborenen Hollywood-Pionier. „Wie kaum jemand anders in Deutschland“ habe Regina Ziegler diesen Lebenswerkpreis verdient, sagt Christoph Palmer, Geschäftsführer der Produzentenallianz. Zieglers Firma, die sie zusammen mit ihrer Tochter Tanja leitet, gehöre zu den führenden unabhängigen Filmschmieden im Land. Der Jury-Vorsitzende Martin Moszkowicz, Vorstandschef der Constantin Film AG, verbeugt sich „vor einer unglaublichen Leistung“.

Neue Projekte

Ans Aufhören denkt die 73-Jährige noch lange nicht. Neue Projekte stehen an, ein Musical-Film „Ich war noch niemals in New York“ mit den Liedern von Udo Jürgens; „Stumme Schreie“, ein Film, der Kindesmissbrauch thematisiert. Im Frühjahr läuft im „Ersten“ die vierte Staffel von „Weissensee“.

Der Carl-Laemmle-Preis bedeute ihr viel, betont Regina Ziegler – bei all den Spuren, die der Universal-Gründer hinterlassen, all den Maßstäben, die er gesetzt habe. „Persönlichkeiten wie er zeigen uns, was möglich ist.“ „It can be done“, lautete Laemmles Motto, und welch hinreißende Parallele stellt ihr Leitsatz dar: „Geht nicht gibt’s nicht“.

In Amerika machte Laemmle sein Glück, und wie der Zufall spielt: Ebendort, während eines Zwischenstopps in New York, hat Ziegler am Telefon erfahren, dass die Wahl auf sie gefallen sei. „Ich war noch nie in Laupheim“, sagt sie. Im März will sie den Zeitplan so gestalten, dass Luft bleibt, die Gegend ein wenig zu erkunden. In der 80-köpfigen Belegschaft von Ziegler Film sind Oberschwaben, „die gehen mit, das wird eine kleine Gruppenreise“.

Es sei angerichtet für die Gala im Kulturhaus, sagt Laupheims Oberbürgermeister Rainer Kapellen und berichtet, was sich im Laemmle-Jubiläumsjahr zugetragen und entwickelt hat. Daran wolle man anknüpfen. „Ich hoffe, dass der Preis sich verstetigen kann“, sagt Kapellen. Alle Partner und Sponsoren vor Ort seien an Bord geblieben, „es sind sogar welche dazugekommen, und manche haben ihr Engagement aufgestockt“.

Was aber macht Regina Ziegler mit der Trophäe, die sie bei der Gala überreicht bekommt, jenem „Laemmle“ aus weißem Ton, gefertigt von Majolika in Karlsruhe? Roland Emmerich bewahrt seines in der Küche auf; dort, sagt er, hätten alle seine Auszeichnungen einen Ehrenplatz. Auf Zieglers Schreibtisch zu Hause stehen nur „ganz wichtige Preise“: die Goldene Lola, der Emmy Award. Kurzer Blick in die Runde, die Produzentin lacht und versichert: „Das Laemmle darf auch mit heim. Ich schick’ euch ein Foto.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen