Jetzt kann die Arbeit im Schlosspark beginnen

Lesedauer: 5 Min
Kleinod im Herzen der Stadt: Viele Laupheimer zog es in den vergangenen Tagen bei frühlingshaften Temperaturen wieder in den Sch (Foto: Roland Ray)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiter

Im März 2011 hat das Landesdenkmalamt den Schlosspark zum Gartendenkmal erklärt. Was immer mit Laupheims „grüner Lunge“ geschieht, ob gerodet oder gepflanzt werden soll, gepflegt oder saniert, braucht seither eine Genehmigung aus Stuttgart. Grundlage dafür ist künftig ein Gutachten, das der Berliner Garten- und Landschaftsarchitekt Hartmut Teske im Auftrag der Stadt erarbeitet hat.

Am Montag erläuterte Teske sein „Parkpflegewerk“ im Bau- und Umweltausschuss des Gemeinderats. Er hat Historie und Entwicklung des 1894 von Kilian von Steiner angelegten Schlossparks recherchiert und den Bestand erhoben. Noch heute sei der Park „ein eindrucksvolles Beispiel für die gestalterische Verbindung des Nützlichen mit dem Schönen“, so der Gutachter. Die Teiche waren teils reine Zierde, dienten aber auch der Fischzucht und der Eisgewinnung für die Schlossbrauerei. Die Sondergärten wurden landschaftlich und formal gestaltet (Rosenhang und Rosengarten), der Baumbestand war mit Exoten durchsetzt. Entwässerungsgräben finden sich ebenso wie Spazierwege, Alleen und Wiesen.

Das von Steiner Geschaffene sei in allen Teilen gegenwärtig; dieser Bestand müsse bei der Pflege und Sanierung des Parks gesichert und in Abstimmung mit der Denkmalpflege herausgearbeitet werden, fordert Teske. Sein Maßnahmenkatalog sieht unter anderem Nachpflanzungen vor („auch wieder vermehrt Exoten“) und eine Wiederherstellung der Teiche, Uferbefestigungen und Entwässerungsgräben in der Fassung von 1894. Strauchpflanzen sollen die Gehölze ergänzen und den Park mit ihrem Blütenflor bereichern. Die Bäume am südlichen Wiesensaum werden ausgelichtet, damit mehr Sonne auf Spazierweg und Laubachgraben fällt.

Teske geht davon aus, dass ein Parkhaus an der Bronner Straße gebaut und die heutige Tiefgarage eines Tages abgerissen wird. Am Färbergässle könne dann ein Spielplatz für kleinere Kinder entstehen, vielleicht zum Thema Wasser. Als Übergangslösung schlägt er eine Spielmöglichkeit auf der Fläche des Wiesendreiecks am Park-Eingang vor.

Als problematisch stuft der Gutachter die Saatkrähen-Population im Schlosspark ein. 335 Brutpaare wurden gezählt. Die Zweige für ihren jährlichen Nistbau brechen sie überwiegend aus den Kronen der Rotbuchen und Birken; diese seien deutlich ausgedünnt, was die Bäume anfällig mache für Sonnenbrand und Pilzbefall. Vor allem bei Eschen verätze der Kot der Vögel die Borke, „auch hier dringen Pilze und Fäulnisbakterien über die geschädigte Rinde ein“. Zudem seien die Ausscheidungen der Vögel für die Gesundheit der Parkbesucher „nicht unbedenklich“. Teske empfiehlt eine „sanfte Vergrämung“ der Krähen in den Grundgraben.

Enten gibt es laut Gutachter ebenfalls zu viele im Park. Sie verunreinigten die Gewässer und bewirkten durch ihr Schnäbeln und mit ihren Krallen an manchen Uferstellen eine starke Erosion. Die hohe Population sei wohl auf die Fütterung von Menschenhand zurückzuführen. Das von der Stadt verhängte Fütterungsverbot werde leider missachtet.

Hartmut Teske kann sich „durchaus vorstellen“, dass die Bevölkerung auch künftig an Pflegearbeiten mitwirkt. Das Interesse der Laupheimer an „ihrem“ Park und die Bereitschaft, sich einzubringen, seien in der Tat erstaunlich.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen