Jermi feiert sich und seine Mitarbeiter

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Die gesamte Unternehmerfamilie Jerg und Sigg versammelte sich zum Jubiläumsfoto (Siebter von rechts Geschäftsführer Gerhard Jerg
Die gesamte Unternehmerfamilie Jerg und Sigg versammelte sich zum Jubiläumsfoto (Siebter von rechts Geschäftsführer Gerhard Jerg (Foto: Fotos: Diana Hofmann)
Schwäbische Zeitung
Diana Hofmann

Kaum wiederzuerkennen war die Lager- und Leerguthalle des Käsewerks Jermi in Baustetten am Freitagabend: Weiße Wand- und Deckenbespannung und stimmungsvolle gedämpfte Beleuchtung, dazu Livemusik verwandelten die Halle in einen ansprechenden Festsaal, in dem die Firmenleitung zusammen mit den 400 Mitarbeitern der Standorte Baustetten und Weißenhorn und ihren Partnern ein großes Mitarbeiterfest feierte. Anlass war das 125-jährige Firmenjubiläum, das das mittelständische Familienunternehmen in diesem Jahr begeht.

Nach dem Auftakt mit Sektempfang in der Jermi-Lounge waren alle Mitarbeiter eingeladen, sich von Wolf Nkole Helzle fotografieren zu lassen. Der Medienkünstler ist bekannt für seine Portraits „Ich bin wir“, in denen viele Gesichter zu einem verschmelzen – die Parallele zum erfolgreichsten Jermi-Produkt ist unübersehbar. Das Mitarbeiterporträt ziert künftig die Lounge.

„Jermi sind wir“ war auch das Motto des Festes. „Ich habe es noch nie erlebt, dass der Geschäftsführer durch die Reihen geht und alle Mitarbeiter persönlich mit Handschlag begrüßt“, staunte Claudia van Veen, die Schwiegertochter des niederländischen Liedermachers Herman van Veen, die als Moderatorin durch den Abend führte. In vierter Generation leitet Gerhard Jerg das Unternehmen, seine Schwester Margarete Sigg ist als Prokuristin ebenfalls Mitglied der Geschäftsleitung. „Ich möchte Ihnen danken für Ihren unermüdlichen Einsatz und Ihre Loyalität“, sagte Jerg und verwies auf die letzten drei Jahre, die „alles andere als einfach“ gewesen seien. Doch mittlerweile sei man gemeinsam auf dem richtigen Weg: „Ich bin stolz auf das Unternehmen und das Erreichte“, schloss Jerg.

„Geprägt vom G’schäft“

Margarete Sigg verlas ein Grußwort ihres fast 83-jährigen Vaters Josef, der, obwohl gesundheitlich angeschlagen, ebenfalls anwesend war. Der Enkel des Firmengründers Michael Jerg hat als einziger im Saal alle fünf Generationen der Familie Jerg persönlich erlebt; seine beiden ältesten Enkelkinder Katharina (19) und Leon (18) haben dieses Jahr ein Praktikum absolviert beziehungsweise ein duales Studium im Familienunternehmen gestartet. Er blicke schon seit langem immer wieder auf die Firmengeschichte zurück. Über 60 Jahre seines Lebens habe er sich und seine Kräfte in den Dienst von Jermi gestellt, seit frühester Kindheit sei es „geprägt vom G’schäft“. Es erfülle ihn mit Dankbarkeit zu sehen, wie die aktuellen Mitarbeiter den Jermi-Weg mitgehen.

Begonnen hatte dieser mit der Übernahme der Baustettener Käserei Fink durch den in Hürbel geborenen Michael Jerg 1889. Er bildete seinen Sohn Franz im Käserhandwerk aus, doch weil die Milchbauern ab den späten Zwanzigern ihre Milch genossenschaftlich selbst weiterverarbeiteten, verlegte man sich auf den Handel mit Molkereiprodukten, ab den Dreißigern auf den Käserfertigungs- und Lagerbetrieb.

Immer wieder neu erfinden

Immer wieder musste sich Jermi neu erfinden, machte Gerhard Jerg in seinem Abriss der Firmengeschichte deutlich. Die Entwicklung des Räucherkäses in den Sechzigern war die „Geburtsstunde des Schmelzkäsebetriebs, wie wir ihn heute kennen“. Seither verbreiterte sich die Produktpalette kontinuierlich, was auch zum Wachstum des Unternehmens beitrug. Dieses manifestierte sich in der Aussiedlung aus dem Dorfkern ins Industriegebiet, verbunden mit den Erweiterungen 1989 und 2003.

Wie für seinen Vater war es auch für Gerhard Jerg nichts Ungewöhnliches, dass die Familie dem Unternehmen stets untergeordnet war. Trotzdem habe er eine tolle Kindheit gehabt, verriet er im Gespräch mit Claudia van Veen. Der Einstieg ins Unternehmen begann schon als Schüler mittels Ferienarbeit: „Ich war quasi die Sekretärin meines Vaters.“ Er habe viel von ihm gelernt, „sonst wäre ich nicht da, wo ich heute bin“, bekannte er.

Zum Abschluss des offiziellen Teils versammelte sich die ganze Familie Jerg-Sigg zum Familienfoto auf der Bühne, danach war das reichhaltige Buffet eröffnet. Zur Unterhaltung der Gäste spielten Norbert Streit und Joe Fessele, bis spät in die Nacht legte als DJ Rolf Herrmann Musik zum Tanzen auf.

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