In Laupheim wird wieder mehr geflogen

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Luftverkehr auf dem Militärflugplatz: Im Vordergrund der neue Mehrzweckhubschrauber H145M, hinten eine CH-53.
Luftverkehr auf dem Militärflugplatz: Im Vordergrund der neue Mehrzweckhubschrauber H145M, hinten eine CH-53. (Foto: Ralf Hochrein)
Schwäbische Zeitung
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Das Hubschraubergeschwader 64 der Luftwaffe (HSG) hat die Zahl der Flugstunden im Raum Laupheim zuletzt deutlich gesteigert. Der Kommodore, Oberst Stefan Demps, nennt dafür zwei Gründe. Erstens: Der Militärflugplatz hat Zuwachs bekommen. Der Verband erprobt den neuen leichten Mehrzweckhubschrauber H145M und bildet Piloten dafür aus. Zweitens: Das Geschwader ist jetzt so aufgestellt, dass die Aus- und Weiterbildung auf dem Transporthubschrauber CH-53 intensiviert werden konnte.

„Mit dem H145M hat die Luftwaffe nun einen zweiten Hubschraubertyp zur Unterstützung der Spezialkräfte der Bundeswehr“, erklärt Demps. Das Fähigkeitsspektrum werde dadurch erheblich erweitert: „Immer dann, wenn ein kleiner, leiser und wendiger Hubschrauber gefragt ist, kann die H145M ihre Fähigkeiten ausspielen. Die erheblich größere CH-53 ist erste Wahl, wenn es um hohe Zuladung und Leistung geht. Sie ergänzen sich nahezu ideal.“

Tests auf Herz und Nieren

15 Maschinen der von Airbus Helicopters gefertigten H145M sollen bis 2017 in Laupheim stationiert werden. Sechs sind schon da. Der Hersteller hat die ersten Fluglehrer auf diesem Muster geschult, inzwischen bildet das HSG in eigener Verantwortung weitere Piloten aus. Außerdem entwickelt das Geschwader gemeinsam mit dem Kommando Spezialkräfte maßgeschneiderte fliegerische Einsatzverfahren. Dabei werden das Fluggerät und seine militärischen Sonderausstattungen auf Herz und Nieren getestet. „Wir prüfen, ob der Hubschrauber das kann, was er können soll“, verdeutlicht Stefan Demps. Ziel sei es, Ende 2017 über eine Anfangsbefähigung für Auslandseinsätze mit der H145M zu verfügen.

Demps’ Zwischenbilanz ist positiv: „Wir haben das bekommen, was wir bestellt haben, im Zeitplan, im Kostenrahmen, mit den erforderlichen Fähigkeiten.“ Nur zweieinhalb Jahre seien zwischen der Vertragsunterzeichnung für den Kauf des Hubschraubers und dem Auslieferungsbeginn im Dezember 2015 verstrichen – „das ist wirklich bemerkenswert“. Gewichtigen Anteil daran hätten die Männer und Frauen des HSG 64 mit ihrer Zuarbeit bei den Beschaffungsgrundlagen. „Ich bin stolz auf meine Leute“, sagt der Kommodore.

Das HSG 64 ist der einzige Verband der Bundeswehr, der den Hubschrauber H145M fliegt. Mit der Stationierung in Laupheim werden etwa 130 Dienstposten neu geschaffen; mehr als 50 Piloten werden gebraucht. „Wir haben die Stellen innerhalb der Bundeswehr ausgeschrieben. Die ausgewählten Soldatinnen und Soldaten haben sich gezielt darauf beworben und sind hoch motiviert, eine neue, bei den deutschen Streitkräften einmalige Fähigkeit mit aufzubauen“, sagt Demps. Etliche seien mit ihrer Familie bereits nach Laupheim und in die nähere Umgebung gezogen.

Ein weiteres Novum: Der H145M ist der erste Einsatzhubschrauber der Bundeswehr, der von einem zivilen Vertragspartner gewartet und technisch betreut wird. Airbus Helicopters hält dazu Personal auf dem Militärflugplatz Laupheim vor. „Auch das ist eine Erfolgsstory“, sagt Demps. Die Soldaten würden entlastet, „unsere Techniker können sich auf Einsatzaufgaben konzentrieren“.

Einsatzbelastung wird besser verteilt

Mit dem Transporthubschrauber CH-53, seit Jahrzehnten bewährt, aber aufgrund seines Alters wartungsintensiv, war das Geschwader am Standort Laupheim bereits Anfang August so viel geflogen wie im gesamten Jahr 2015. Dahinter stecke eine Kraftanstrengung der Techniker, Piloten und unterstützenden Dienste, die ihm ebenfalls Respekt abnötige, berichtet Demps. Nach der Bundeswehrreform habe man Defizite beim Personalstand und der Qualifikation erkannt und daraufhin neu eingestellt und ausgebildet. Jetzt könne man wieder mehr Flugstunden bereitstellen und sei auf sehr gutem Weg, die Aus- und Weiterbildung auf der CH-53 zur Einsatzreife nach vorn zu bringen. Damit werde die Last der Auslandseinsätze künftig auf mehr Schultern verteilt, was nicht zuletzt den Familien der Soldaten zugute komme.

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