Illegale Aktion? Aufregung um die neuen Enten auf dem Teich

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Friedliches Entenleben im Schlosspark: Brautenten schwimmen auf dem Achterweiher.
Friedliches Entenleben im Schlosspark: Brautenten schwimmen auf dem Achterweiher. (Foto: Axel Pries)
Axel Pries

Sie sind ein bisschen unter sich, aber teilen sich das Gewässer offensichtlich in friedlicher Koexistenz mit den alteingesessenen Artgenossen: jene Mandarin- und Brautenten, die jüngst ein neues Heim im Laupheimer Schlosspark gefunden haben (die SZ berichtete). Doch die Idylle trügt.

Das Eintauchen dieser Enten in den Achterweiher schlägt woanders deutlich höhere Wellen: Der für sein besonderes Engagement bekannte Vogelschützer Klaus-Wolfgang Bommer hat mit einer Anzeige beim städtischen Umweltamt und einer Meldung beim Regierungspräsidium Tübingen für Aufregung gesorgt. Die Enten seien nach dem Bundesnaturschutzgesetz illegal ausgesetzt worden, sagt er. Ob dem so ist, lässt sich aktuell gar nicht sagen. Aber tatsächlich hat es bei der Stadt offenbar ein Versäumnis gegeben: nämlich beim Regierungspräsidium vor der Aktion eine Genehmigung einzuholen. Ob es die gegeben hätte, ist zur Stunde offen.

Zur Erinnerung: In der ersten Januarhälfte hatten Friedrich Scheffold als Vorsitzender des Vereins für Geflügelzucht und Vogelschutz und Ulrike Stöhr als Leiterin des Laupheimer Umweltamtes gemeinsam etwas Farbe in den Laupheimer Schlosspark gebracht, indem sie 15 Mandarin- und Brautenten auf dem Achterweiher aussetzten. Dass der Verein das 20-jährige Bestehen seiner Zuchtanlage feiern kann, war Anlass, diese Enten aus dem Bestand eines befreundeten Züchters an die Stadt abzugeben. Die Neuankömmlinge, so erklärte dabei die Amtsleiterin Stöhr, sollen auch den Bestand der bereits ansässigen Wildenten etwas eindämmen helfen, denn die würden die Uferböschung beschädigen. Man posierte mit den buntgefiederten Vögeln und ließ sie dann an den Teichen in die Freiheit. Da bilden sie nun unter den bereits ansässigen Arten die bunten Tupfer und erfreuen wahrscheinlich viele Spaziergänger.

Nicht so allerdings den Vogelschützer Klaus-Wolfgang Bommer. Der schickte dem Laupheimer Umweltamt eine Anzeige: gegen den Geflügelzuchtverein und das Amt selbst, weil die Aussetzung illegal gewesen sei. Es geht dabei um den Paragrafen 40 in dem Gesetzestext, der das Ausbringen von Tieren und Pflanzen regelt – und nur unter bestimmten Bedingungen zulässt, beziehungsweise für bestimmte Fälle die Einholung einer Genehmigung erforderlich macht. Damit soll die Ausbreitung „invasiver Arten“ verhindert werden. Heißt: Die beiden Entenarten hätten nach Ansicht des Vogelschützers nicht ausgesetzt werden dürfen. Seinen Vorstoß teilte er auch der Schwäbischen Zeitung mit. Bommer widerspricht zugleich einem Argument für die Zierenten: Die Behauptung , dass Wildenten die Böschungen der Teiche aufwühlen, sei „grober Unsinn“.

Er sorgt damit für Verrwirrung und Aufregung an den betroffenen Stellen. Er sei sich keiner Schuld bewusst, erklärt etwa Friedrich Scheffold, der nicht nur Vorsitzender des Geflügelzuchtvereins ist, sondern auch als Tierschutzbeauftragter des Landesverbandes der Rassegeflügelzüchter von Württemberg und Hohenzollern fungiert. Natürlich sei ihm das Bundesnaturschutzgesetz bekannt – und darin auch der Paragraf 40. Aber die beiden Entenarten, die nun auf den Laupheimer Teichen schwimmen, seien gar keine Neulinge, sondern in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert immer wieder ausgesetzt worden und zum Teil recht verbreitet. Seitens der Stadt kommt als Stellungnahme, dass das Amt nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt habe. „Wir sind davon ausgegangen, dass das rechtens ist“, erklärt die Rathaussprecherin Verena Miller.

Das ist aber noch gar nicht gesagt. Denn tatsächlich, so ergibt eine Nachfrage in Tübingen, hätte die Stadt nach Ansicht des RP erst eine Genehmigung für die Aktion einholen müssen. Das ist nicht geschehen. Ob die Erlaubnis erteilt worden wäre, könne er derzeit nicht sagen, erklärt der Pressesprecher Daniel Hahn: „Wir müssen fachlich prüfen: Wie sieht das Bastardisierungsrisiko bei den Enten aus?“ Nur wenn das ausgeschlossen werden kann, gebe es eine Genehmigung.

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